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Bär with me …

„Tatort“ heute: Großes Theater oder Seifenoper? – Kritik zum Fall „Die Schöpfung“ aus Köln

Ballauf und Schenk sind zurück: Diesmal ermittelt das „Tatort“-Duo in der Kölner Oper. Wie spannend das ist, verraten wir in unserer Kritik …

Dietmär Bär (l.) und Klaus J. Behrendt stehen in Schutzkleidung vor einer Leiche.
Die Kölner Oper wird seit 14 Jahren saniert: Aber statt sich zu fragen, warum dem so ist, ermitteln Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) lieber in einem Mordfall. Foto: WDR/Thomas Kost

Diese Woche tauschen die Kölner Ermittler Ballauf und Schenk die Lupe gegen Operngläser ein: In „Die Schöpfung“ passieren nämlich mehrere Mordfälle in der Kölner Oper. Doch genießt der neueste Kölner-Fall denselben eher langweiligen Ruf wie die Oper, oder haben wir es mit einem der besten „Tatort“-Fälle des Jahres zu tun?

„Die Schöpfung“: Warum ermitteln Ballauf und Schenk diesmal?

Eine Angestellte der Kölner Oper wird im Kostüm drapiert erschossen aufgefunden – und zwar so gut sichtbar, dass Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) stutzig werden. Doch bevor das Duo herausfinden kann, was es mit der ersten Leiche auf sich hat, taucht in der Oper bereits die zweite auf … und eine mysteriöse maskierte Person.

Großen Applaus für die Technikabteilung: „Die Schöpfung“ hält die optische Fahne weiterhin hoch

Wir befinden uns zwar erst beim dritten „Tatort“ des Jahres, aber bisher hatten alle drei Fälle etwas gemeinsam: Von technischer Seite wird sich größte Mühe gegeben. Doch so schön die beiden Fälle aus Dresden und dem Schwarzwald waren, ist „Die Schöpfung“ aus Köln noch etwas mehr gelungen. Anstelle einer statischen Kamera stellt man diese an fast jeder Ecke der Kölner Oper auf. Man filmt aus den Reihen, von der Bühne, über der Bühne und fast überall sonst. So wird man dynamisch durch einen Fall geführt, der ebenso gut ausgestattet ist.

Man gibt sich nicht nur größte Mühe, die Oper aus allen Winkeln zu zeigen, sondern steckt auch die Schauspieler und Schauspielerinnen in recht normale bis hin zu den absurdesten Kostüme. Eine Death-Metal-Oper, in der eine an das Kilroy-Graffiti angelehnte Maske getragen wird und einer der Musiker halbnackt mit einer Schweinsmaske dasteht – das ist nur eine der Ausstattungsüberraschungen, die man hier erwarten kann. Und so schön das alles sein mag, gibt es hierbei ein Problem …

Handlungsort oder Touristenmagnet? „Die Schöpfung“ macht Werbung für Kölner Kultur

Es wirkt schon etwas repetitiv: Nachdem bereits Batic und Leitmayr zuletzt in einem Münchner Theater ermittelten, stehen Ballauf und Schenk in „Die Schöpfung“ nun in der Oper. Aber während man bei den süddeutschen Silberlocken nie die Auffassung bekam, dass man Werbung für das bayerische Theater machen wollen würde, agiert man in Köln etwas plumper.

Selbstverständlich ist jeder „Tatort“ auf irgendeine Art und Weise regionale Werbung, die sich aber meist nur in Aufnahmen zeigt, die darstellen sollen, wo wir uns gerade befinden. „Die Schöpfung“ hingegen wirkt stellenweise wie eine Führung durch die Kölner Oper, bei der alle Besucher und Besucherinnen einmal alles gut begutachten dürfen – und wenn der „Tatort“ richtig gut gefällt, dann könnte man fast Lust bekommen, selbst nach Westdeutschland zu fahren, um sich anzusehen, welche Arien gerade dort besungen werden. Was ich damit sagen will: Die Darstellung der Kölner Oper ist eher Werbung als rein gewählter Schauplatz eines Krimis. Das ist etwas plump – aber passt damit lustigerweise zu Ballauf und Schenk. Dennoch fühlt es sich so an, als hätte man in Köln den Auftrag bekommen, allen Steuerzahlern und Steuerzahlerinnen zu zeigen, dass ihr Geld nicht nur in den „Tatort“, sondern auch in die Kölner Oper fließt.

Ein Bärendienst: Die Darstellenden werden nicht verSCHENKt

Hannah Schiller steht in einem extravaganten Kostüm vor einem Gitarristen, der eine Schweinemaske trägt.
Weg mit Bulle und Bär: Hannah Schiller (l.) ist der wahre Star des Kölner „Tatort“. Foto: WDR/Thomas Kost

„Zwischen Oper und Opfer ist ja auch nur ein Buchstabe Unterschied.“ Dietmar Bär und Ballauf schießen diesmal nicht viel mit ihren Waffen, aber dafür umso mehr mit flotten Sprüchen. Dabei sind die beiden aber nie so albern wie Thiel und Börne aus Münster. Aber es wäre auch mehr als sonderbar, wenn Behrendt und Bär nach über 90 Fällen nicht eingespielt wären.

Ballauf und Schenk schließen sich aber noch mehrere hervorragende Leistungen an. Bis in die kleinste Nebenrolle wurden alle Schauspieler und Schauspielerinnen gut besetzt. Die beiden größten Highlights sind aber Katja Bürkle als alleswissende Hausmeisterin und Hannah Schiller als alkoholkranke Solistin. Schiller, die bereits in Kindheitstagen Opernerfahrung gesammelt hat, darf hier die komplette Bandbreite ihrer Stimme klingen lassen – und das lässt sich definitiv sehen … beziehungsweise hören.

Fazit: Gut gebrüllt, Bär – aber leider nicht laut genug

Die Stimmbänder haben nicht ganz gereicht für die Arie, die man hier singen wollte – aber das meiste, was man hört und vor allem sieht, ist gut. Prinzipiell gibt es dieselben Probleme wie zuletzt in Dresden. Man hat beste Intentionen, aber auf eine seltsame Art und Weise bekommt man es nicht hin, die interessante Geschichte auch über die gesamte Lauflänge hinweg interessant zu verpacken. Dennoch gilt, dass man diesen Sonntag sicherlich auch schlechter unterhalten werden könnte – in der Kölner Oper zum Beispiel. Ach, warte … die wird ja seit vierzehn Jahren saniert.

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