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Serien-Kritik auf TV Movie

„Pluribus“ auf Apple TV: Ein Glück, dass es diese Serie gibt!

„Pluribus“, die neue Serie von „Breaking Bad“-Schöpfer Vince Gilligan, lebt von Cleverness, Timing und einer fantastischen Rhea Seehorn.

Rhea Seehorn sitzt in der letzten Reihe eines Flugzeugs in Pluribus und schaut skeptisch in den Gang
Rhea Seehorn ist in „Pluribus“ einmal mehr überragend! Foto: Apple TV

Es gibt nur ganz wenige Momente in den ersten sechs Folgen von „Pluribus“, der neuen Serie von „Breaking Bad“- und „Better Call Saul“-Schöpfer Vince Gilligan, in denen sich Hauptfigur Carol Sturka (Rhea Seehorn) verletzlich zeigt. Als Carol nach viel Fassungslosigkeit und einem schmerzhaften Verlust eine Folge der „Golden Girls“ auf DVD einlegt, wird sie nicht nur von Bea Arthur & Co. überwältigt, sondern vor allem von der Erkenntnis, dass mittlerweile nichts mehr so ist, wie es einmal war.

Carol leidet an akutem Weltschmerz. Das wäre auch nur allzu verständlich im Zeitalter von Donald Trump, aufkommendem Rechtsextremismus oder unsinnigen Kriegen – doch in Vince Gilligans „Pluribus“ existieren diese Probleme gar nicht mehr.

Pluribus: Darum geht's in der neuen Apple TV-Serie (weitgehend spoilerfrei)

Ein seltsamer außerirdischer Virus hat nämlich alle Menschen in ein einziges großes Bewusstsein verwandelt. Wirklich alle? Nein, nicht ganz. Kein kleines gallisches Dorf, sondern ein Dutzend „Aussätzige“ wie eben Carol ticken noch ganz nüchtern und müssen erstmal klarkommen mit der Tatsache, dass ihnen die „Anderen“ per Live-Fernsehübertragung mitteilen, dass sie ihnen ja sowieso nur das Allerbeste wünschen.

Als mehr oder weniger erfolgreiche Bestsellerautorin kommt Carol – im Gegensatz zu den anderen Verbliebenen – mit dem neuen Status quo überhaupt nicht klar und misstraut dem vermeintlich friedlichen Kollektiv in Form ihrer neuen Assistentin Zosia (Karolyna Wydra) auf Schritt und Tritt. Carol fasst also einen radikalen Plan: Lieber lebt sie in einer Welt mit Kriegen, Arschlöchern und Vollidioten, als darauf zu warten, irgendwann ins „Kollektiv“ eingezogen zu werden.

Hier seht ihr den Trailer zur Serie:

Video Platzhalter
Video: Apple TV

Eine clevere Prämisse mit Risiko

Die Prämisse zu „Pluribus“ kam Vince Gilligan am Rande der Arbeiten zu „Better Call Saul“. Tatsächlich ist die Idee ziemlich einzigartig, birgt aber auch die Gefahr, schnell zu einer reinen Gimmick-Serie zu verkommen. Ohne zu viel zu verraten (und tatsächlich funktioniert „Pluribus“ am besten, je weniger man vorher weiß) gibt es einige absolut irre Szenen, in denen Carol mit ihrem neuen gottgleichen Status konfrontiert wird und mit der Versuchung, sich wirklich alles wünschen zu können.

Gerade weil Gilligan mit Carol Sturka eine Hauptfigur entwirft, die sich als Miesepeterin und Besserwisserin in die freiwillige Isolation stürzt, war die Gefahr groß, dass „Pluribus“ irgendwann nicht mehr viel Neues zu erzählen hat. Zum Glück waren diese Sorgen unbegründet: Dank einer unfassbar aufspielenden Rhea Seehorn, die hier ihre Performance als Kim Wexler aus „Better Call Saul“ sogar noch übertrifft, ist „Pluribus“ eine absolute Serien-Wundertüte, die fast in jeder Folge zur Hochform aufläuft.

Der Gegenentwurf zu Walter White & Saul Goodman

Saul und Kim in Better Call Saul sitzen in einem Restaurant und schauen sich an!
Erst durch „Better Call Saul“ kam Schauspielerin Rhea Seehorn (r.) ins Rampenlicht! Foto: IMAGO / Cinema Publishers Collection

Wie in den besten Zeiten von „Lost“ streuen Gilligan und sein Autorenteam immer im richtigen Moment ein neues Element oder einen spannenden Handlungsstrang ein, der die Geschichte zumindest in den ersten sechs Folgen sehr kurzweilig macht. Zwar ist „Pluribus“ stimmungstechnisch deutlich schwarzhumoriger als „Breaking Bad“ oder „Better Call Saul“, doch bringt die Serie alle typischen Gilligan-Trademarks mit: toll komponierte Szenen und Bildkompositionen, viel psychologische Tiefe und den Fokus auf das Schicksal einer mitreißenden Hauptfigur.

Im Gegensatz zu Walter White und Saul Goodman geht es bei Carol Sturka aber nicht darum, wie sie sich im Verlauf der Geschehnisse verwandelt, sondern wie konsequent sie sie selbst bleibt, auch wenn die ganze Welt sie gern umpolen würde. Rhea Seehorn dabei zuzusehen, wie sie passiv-aggressiv am liebsten alles und jeden aus Wut auseinandernehmen würde, ist die höchste Form von Serien-Entertainment.

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