„Nightborn“ auf der Berlinale 2026: Kritik zum Horror-Drama mit Rupert Grint
Wenn Mutterschaft zum Albtraum wird: In „Nightborn“ von Hanna Bergholm wird ein monströses Baby zum ultimativ blutigen Stresstest.

Fast ein wenig an „Evil Dead“ oder „The Shining“ erinnernd, kommen Jon (Rupert Grint) und Saga (Seidi Haarla) zu Beginn des Films an ihrem vermeintlichen neuen Liebesnest an. Das alte, verkommene „Last House on the Left“ mitten in den finnischen Wäldern, in dem Saga einen Teil ihrer Kindheit verbracht hat, soll zum neuen Familiendomizil werden. Für die perfekte Idylle fehlt allerdings nicht nur eine umfassende Sanierung des morschen Anwesens, sondern natürlich auch der passende Nachwuchs.
Neun Monate später ist es dann tatsächlich so weit: Saga und Jon begrüßen ihren Sohn auf der Welt. Doch irgendetwas scheint mit dem Kind nicht zu stimmen – und das liegt nicht nur an den ein paar Haaren zu viel auf seinem Rücken oder der auffälligen Lichtempfindlichkeit. Saga fühlt sich zunehmend entfremdet und ist überzeugt, dass mit ihrem Baby etwas nicht stimmt. Von ihrem Umfeld wird sie jedoch permanent beschwichtigt und nicht ernst genommen – klassisches Gaslighting inklusive. Als langsam erkennbar wird, dass ihr monströser Filius tatsächlich nicht nach Muttermilch, sondern nach Blut dürstet, muss Saga tun, was eine Mutter eben tun muss.
Horror der Mutterschaft again
Die Berlinale scheint mittlerweile ein Faible für Horrortropen rund um Schwangerschaft und Mutterschaft entwickelt zu haben. Nach „Mother’s Baby“ im vergangenen Jahr und Stoffen wie „If I Had Legs I’d Kick You“ hat es nun auch „Nightborn“ in den Wettbewerb geschafft.
Regisseurin Hanna Bergholm, die bereits mit ihrem Sundance-Erfolg „Hatching“ (2022) bewies, dass sie Body Horror und Coming-of-Age-Ängste meisterhaft verbinden kann, setzt auch hier wieder auf das Unheimliche im Familiären. Doch während „Hatching“ stärker mit Allegorien spielte, ist „Nightborn“ deutlich direkter. Bergholm macht keinen Hehl daraus, dass es um den Horror der Mutterschaft geht – allerdings weniger als metaphorisches Gedankenspiel, sondern als handfesten, fast schon physischen Albtraum.
Das beginnt mit einer ausgesprochen blutigen, grafischen Geburt und zieht sich bemerkenswert geradlinig durch die kompakten 92 Minuten Laufzeit. Der Film verlässt sich dabei auf eine effektive Inszenierung, ein starkes Sounddesign und ein atmosphärisch dichtes Szenenbild. Kameramann Pietari Peltola taucht das abgelegene Haus in kühle, bedrohliche Bilder, während Eicca Toppinens Score die unterschwellige Nervosität stetig steigert.
Seidi Haarla trägt den Film
Vor allem aber ist es Hauptdarstellerin Seidi Haarla, die „Nightborn“ emotional zusammenhält. Sie ist in mehrfacher Hinsicht Herz und Motor des Films. Ihr Spiel schwankt zwischen Verletzlichkeit, wachsender Paranoia und entschlossener Mütterlichkeit – ohne jemals ins Hysterische zu kippen.
Rupert Grint könnte mit seinem zurückgenommenen Spiel tatsächlich fast als Finne durchgehen, bleibt jedoch eher funktional angelegt. Seine Figur wirkt streckenweise mehr wie ein dramaturgischer Kontrapunkt zu Sagas Entwicklung als wie eine vollständig ausgearbeitete Persönlichkeit.
Geradliniger Genrefilm mit Biss
Vielleicht ist es ein wenig schade, dass „Nightborn“ thematisch nicht noch tiefer gräbt und psychologisch komplexer wird. Gerade das Spannungsfeld zwischen Partnerschaft, Zweifel und gesellschaftlichen Erwartungen an Mütter hätte noch stärker ausgeleuchtet werden können.
Als geradliniger, schwarzhumoriger Genrefilm mit deutlicher Body-Horror-Schlagseite funktioniert Bergholms Werk jedoch sehr ordentlich. „Nightborn“ ist kein subtiler Festival-Horror, sondern ein bewusst unangenehmer, zynischer und auch witziger Film und genau darin liegt auch seine Stärke.









