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Deutsche Schauspieler

Lavinia Wilson in „Wolfsmord“: So viel von ihr steckt in ihrer Rolle Ira Zach

Lavinia Wilson ist heute Abend im ZDF als Ira Zach im Krimi „Wolfsmord“ zu sehen. Die Ermittlerin ist unbequem, bairisch, messerscharf. Wie viel von Wilson selbst steckt in der Rolle?

“Der Garmisch-Krimi - Wolfsmord“: Ira Zach (Lavinia Wilson) steht ganz in schwarz gekleidet vor einem düsteren Wald am Ufer einen Gewässers. Sie schaut mit starkem Blick nach vorne und hat die Hände lässig in den Taschen ihres Ledermantels.
Lavinia Wilson als Ex-Kommissarin Ira Zach im ZDF-Krimi „Wolfsmord“ – eine Figur mit Haltung, Dialekt und klarer Kante. Foto: ZDF/Linda Gschwentner

Heute Abend steht Lavinia Wilson im ZDF als Ex-Kommissarin Ira Zach im Mittelpunkt des Samstagskrimis „Wolfsmord“. Die Figur ist unbequem, analytisch, widersprüchlich. Und sie wirkt erstaunlich nah an der Person Lavinia Wilson selbst.

Bairisch mit Herkunft

Ein prägendes Element der Rolle ist der Dialekt. Ira Zach spricht konsequent Bairisch – rau, direkt, selbstverständlich. Dass Lavinia Wilson das so authentisch gelingt, hat biografische Gründe.

Die Schauspielerin wurde in München geboren, ihre Familie hat enge Verbindungen nach Garmisch-Partenkirchen, wo „Wolfsmord“ spielt. Ihre Mutter wuchs dort auf, die Familie verbrachte viel Zeit in der Region. Ein „richtig gschertes Bairisch“ habe sie zwar lange nicht gesprochen, sagt Wilson, „aber im Ohr hatte ich es immer“.

Als das Projekt kam und die Region so explizit erzählt werden sollte, habe sie die Chance ergriffen, diesen Teil ihrer Identität einzubringen.

“Der Garmisch-Krimi - Wolfsmord“: Ira Zach (Lavinia Wilson) steht in einem knietiefen Gewässer. Sie trägt eine Gummihose, einen schwarzen Pullover, ihre schwarze Sonnenbrille und eine Kappe auf dem Kopf. In der Hand hält sie ihre Angel, mit der sie gerade zum Wurf ausholt.
Ira Zach (Lavinia Wilson) versucht den Kopf beim Fliegenfischen freizukriegen. Foto: ZDF/Linda Gschwentner

Komplexe Frauen statt gefälliger Heldinnen

Ira Zach ist keine Ermittlerin, die um Sympathie wirbt. Sie ist grantig, trinkt Bier, überschreitet Grenzen und analysiert Machtstrukturen messerscharf. Genau solche Figuren reizen Lavinia Wilson. Für sie muss eine Frauenrolle nicht in erster Linie gefallen, sondern tragen. Es sei ein „Fehlglaube“, dass das Publikum nur mitgehe, wenn eine Figur sympathisch sei. Entscheidend sei vielmehr, „ob die Figur interessant ist, glaubhaft, ob sie was will – und ja, dann darf sie auch schlechte Laune verbreiten“.

Dass solche komplexen Frauen im deutschen Fernsehen noch immer eher selten sind, erklärt Wilson gesellschaftlich. „Das Fernsehen ist ein Spiegel der Gesellschaft“, sagt sie. Und dieser Spiegel zeige derzeit keine beruhigende Entwicklung. „Wir sind noch nicht so weit, als ob das normal wäre. Im Gegenteil. Wir erleben gerade einen massiven Backlash!“

Sie spricht offen von einer „tief sitzenden Misogynie“, die nicht einfach verschwinde. Die weltpolitische Lage erschwere es zusätzlich, optimistisch zu bleiben. Als Beispiel nennt sie die „Verwicklungen von Politik und Wirtschaft“, wie sie etwa in den sogenannten Epstein Files sichtbar würden. „Das ist alles so bitter.“

Genau an diesem Punkt setzt die Figur der Ira Zach an, indem sie Hierarchien benennt, männliche Netzwerke durchschaut und Machtmechanismen offenlegt. Ihre Schärfe ist keine Marotte, sondern Ausdruck einer inneren Haltung. Damit ist die Figur mehr als eine klassische Krimi-Ermittlerin.

Klare Kante – auch jenseits der Rolle

Wie nah Rolle und Person beieinanderliegen, zeigte sich auch abseits des Sets. Bei der Verleihung des Blauen Panther 2025, bei der Lavinia Wilson als „Beste Schauspielerin“ ausgezeichnet wurde, nutzte sie ihre Dankesrede für klare Worte. Sie sprach vom „Gegockel“ der Männer und kritisierte symbolische Machtgesten – etwa, dass auf der Trophäe allein der Name des Ministerpräsidenten stand.

Sie nahm diese Kritik später nicht zurück. „Ich nehme das nicht zurück“, sagte sie. Diese Haltung findet sich auch in Ira Zach wieder. Im Film teilt die Figur hart aus, aber gezielt. „Jung, weiblich, unerfahren, dankbar. Die glauben eh, du machst, was sie wollen“, sagt sie einmal zu ihrer jüngeren Kollegin.

Gefragt, ob sich das mit ihren eigenen Erfahrungen decke, antwortet Wilson knapp: „Natürlich, klar.“ Und ergänzt mit einem Anflug von Ironie: „Das einzig Gute am Älterwerden: Ich werde ernster genommen.“

Unbequemlichkeit als Prinzip

Für die Ausarbeitung von Ira Zach orientierte sich Lavinia Wilson unter anderem an Kate Winslet in „Mare of Easttown“ – einer Ermittlerin in der Provinz, mit starkem Akzent, ungeschminkt und widersprüchlich.

Das Bild einer Frau, die nicht glatt, sondern kantig ist, hatte sie bei der Arbeit an „Wolfsmord“ im Kopf. Dass es Zuschauer geben wird, die Ira Zach als anstrengend empfinden, überrascht sie nicht. Komplexe Figuren polarisieren.

Genau hier überschneiden sich Lavinia Wilson und Ira Zach am deutlichsten: Beide verweigern sich der Gefälligkeit. Beide setzen auf Klarheit statt Konsens.

Wer den ZDF-Krimi heute Abend sieht, bekommt deshalb nicht nur einen neuen Fall, sondern auch ein Stück Haltung. Und die trägt unverkennbar die Handschrift von Lavinia Wilson.

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