Lara Crofts großes Comeback: Warum zwei neue „Tomb Raider“-Spiele mehr sind als nur Nostalgie
Gleich zwei neue „Tomb Raider“-Spiele markieren den Beginn einer neuen Ära für Lara Croft. Im Gespräch mit den Entwicklern wird klar, warum „Catalyst“ und „Legacy of Atlantis“ bewusst unterschiedliche Wege gehen!

Dass Lara Croft zurückkehrt, war nach Jahren der Funkstille nur eine Frage der Zeit. Dass sie gleich mit zwei völlig unterschiedlichen Spielen zurückkommt, dagegen nicht. Genau darin liegt die eigentliche Überraschung hinter der großen Tomb-Raider-Enthüllung bei den Game Awards.
Im Gespräch mit Scot Amos (Head of Studio) und Will Kerslake (Game Director) von Crystal Dynamics wird schnell klar: „Tomb Raider: Catalyst“ und „Tomb Raider: Legacy of Atlantis“ sind kein doppelter Fanservice, sondern Teil einer bewusst gewählten Neuausrichtung des gesamten Franchise.
Warum Crystal Dynamics Lara Croft gleich doppelt zurückbringt
Crystal Dynamics verfolgt mit den beiden Projekten ein klares Ziel: die Zukunft der Reihe aufzubauen, ohne ihre Vergangenheit zu verleugnen.
„Catalyst“ ist dabei als neues erzählerisches Fundament gedacht – ein Spiel, das Lara Croft weiterentwickelt, ihre Rolle im modernen Gaming neu definiert und langfristig tragfähig sein soll. „Legacy of Atlantis“ hingegen fungiert als kreativer Rückgriff, der das ursprüngliche Gefühl von Entdeckung, Isolation und Gefahr neu erfahrbar macht, ohne sich an die Grenzen eines klassischen Remakes zu ketten.
Scot Amos beschreibt diesen Ansatz als Partnerschaft zwischen Entwickler:innen und Community: Man erzähle zwar die Geschichte, aber gespielt werde sie von den Fans. Genau deshalb wolle man unterschiedliche Zugänge anbieten – für Veteran:innen ebenso wie für Neulinge.
„Tomb Raider: Catalyst“ soll Laras Geschichte weitererzählen!

„Tomb Raider: Catalyst“ soll nicht einfach größer, sondern ambitionierter werden. Die neue Geschichte führt Lara nach Nordindien, doch der eigentliche Fokus liegt weniger auf dem Schauplatz als auf den zwischenmenschlichen Konflikten, die sich dort entfalten.
Rivalisierende Schatzjäger, wechselnde Allianzen und moralische Grauzonen stellen Lara vor Entscheidungen, die nicht mehr eindeutig richtig oder falsch sind. Laut Will Kerslake wolle man Lara Croft stärker als handelnde Persönlichkeit zeigen – nicht nur als Abenteurerin, sondern als Figur, die Verantwortung trägt und Konsequenzen spürt.
Technisch bildet die Unreal Engine 5 das Fundament für größere, dynamischere Areale, doch das Herzstück bleibt klassisch: Erkunden, Rätseln, Beobachten. Die Action bzw. der Kampf wird modernisiert, ohne den Fokus von Entdeckung wegzuziehen – selbst im Trailer, so betonen die Entwickler, gehe es mehr um Stimmung und Möglichkeiten als um reine Action.
Der Release von „Tomb Raider: Catalyst“ ist für 2027 geplant.
Warum „Legacy of Atlantis“ bewusst kein Remake ist

Fast noch spannender ist der zweite Titel: „Tomb Raider: Legacy of Atlantis“. Obwohl das Spiel klar auf Laras erstem Abenteuer von 1996 basiert, vermeiden Crystal Dynamics und Flying Wild Hog bewusst den Begriff Remake.
Der Grund dafür ist konzeptionell: Ein klassisches Remake würde bedeuten, alte Strukturen eins zu eins nachzubauen – genau das wolle man vermeiden. Stattdessen gehe es darum, das Gefühl des Originals neu zu interpretieren: das Staunen beim Betreten vergessener Orte, die Anspannung in tödlichen Ruinen, das langsame Erschließen einer feindlichen Welt. Bekannte Motive wie der Scion, exotische Schauplätze und ikonische Rätsel kehren zurück, werden jedoch erzählerisch erweitert und spielerisch neu gedacht. „Legacy of Atlantis“ soll sich anfühlen wie eine Erinnerung, die man neu erlebt.
Im Gespräch machten Scot Amos und Will Kerslake außerdem deutlich, dass „Tomb Raider: Legacy of Atlantis“ bewusst als reines Singleplayer-Erlebnis konzipiert ist. Einen Multiplayer-Modus oder Koop-Ansatz wird es nicht geben. Der Fokus liege vollständig auf Erkundung, Atmosphäre und dem klassischen Abenteuergefühl, das den Ursprung der Reihe geprägt habe. Gerade weil es sich nicht um ein klassisches Remake, sondern um eine moderne Neuinterpretation handelt, wollte das Team keine Ablenkung durch zusätzliche Modi, sondern Lara Crofts Reise klar ins Zentrum stellen. Ziel sei es, Spieler:innen das Gefühl zu geben, allein mit Lara in einer feindlichen, geheimnisvollen Welt unterwegs zu sein.
Der Release ist für 2026 angesetzt.
Eine Lara, zwei Perspektiven und ein gemeinsamer Kern
Beide Spiele verbindet Lara Croft selbst – verkörpert von Alix Wilton Regan, die der Figur eine neue emotionale Nuancierung geben soll. Für Crystal Dynamics ist das kein Neustart um jeden Preis, sondern eine kontrollierte Weiterentwicklung: Lara bleibt die Ikone, wird aber greifbarer, reflektierter und menschlicher.
Im Q&A wurde deutlich, wie wichtig dem Team die Community ist. Man beobachte sehr genau, wie Fans über Lara sprechen, was sie erwarten und wo sie sich Veränderung wünschen. Tomb Raider sei längst kein abgeschlossenes Werk mehr, sondern ein lebendiger Dialog.
Quellen
Crystal Dynamics









