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"Hitman 3" im Test: Der Tod steht ihm gut | So ist der Abschluss der Reihe

Mit "Hitman 3" führt IO Interactive die "Welt der Attentate"-Trilogie in ein wohlverdientes Ende. Ob die letzten Einsätze von Agent 47 überzeugen, lest ihr im Test.

Hitman 3 Key Art
"Hitman 3" im Test: Wie gut die letzten Aufträge von Agent 47 ausfallen, lest ihr in unserem Test! IO Interactive

Es ist eben doch folgerichtig, dass IO Interactive einige Zeit vor der Veröffentlichung von "Hitman 3" bestätigt hat, dass sich das nächste Projekt des Studios dem James Bond-Universum widmen wird. Kurzgefasst: Agent 47 wird in die wohlverdiente Rente geschickt, während sich 007 schon einmal warm macht, um mit seiner "Lizenz zum Töten" in hoffentlich mindestens genauso großen, cleveren und abwechslungsreichen Schauplätzen auf spannende Missionen zu gehen.

Doch bevor es dann tatsächlich soweit ist, will IO Interactive natürlich ihrem erfolgreichen Aushängeschild einen würdigen Abgang spendieren. Und das ist ihnen, soviel ist schon zu Beginn dieses Testberichts festzuhalten, definitiv gelungen: "Hitman 3" vereint die Stärken, die schon den beiden Vorgängern ihren Ausnahmestatus bei Schleichspiel-Fans beschert haben und zieht diesmal auch in puncto Storytelling deutlich an. Ganz zum großen Wurf reicht es dennoch nicht. Warum? Das verraten wir in den nachfolgenden Abschnitten.

 

Agent 47: In sechs Aufträgen um die Welt

Hitman 3 Gameplay
Die Dubai-Mission zum Auftakt ist direkt ein großes Highlight        IO Interactive

Für "Hitman 3" hat IO Interactive auf das etwas eigenwillige Episodenformat der Vorgänger dankenswerterweise verzichtet. Somit gibt es gleich zum Release des Spiels das komplette Agent 47-Package, das aus insgesamt sechs umfangreichen Missionen besteht, die euch in "Hitman 3" wieder einmal um den kompletten Globus führen. Und erneut sind die großen und abwechslungsreichen Schauplätze die heimlichen Stars des Spiels: Gleich zu Beginn geht es bspw. in luftige Höhen auf einen beeindruckenden Luxus-Wolkenkratzer in Dubai während ihr euch bspw. im dritten Auftrag in einen abgeranzten industriellen Underground-Club außerhalb von Berlin begebt.

Die Kontraste, die "Hitman 3" hier zeichnet, sind wirklich stark: Jede einzelne Location von Hitman 3 beeindruckt nicht nur mit ihrer enormen Weitläufigkeit (eine kleine Ausnahme bildet hier die finale Mission), sondern stellt euch immer wieder vor neue Herausforderungen: Wie komme ich in das bewachte Stockwerk des englischen Landhauses? Wo befindet sich der vermeintliche Drogenumschlagplatz, den ich von einem NPC, der sich gerade in einem Telefonat befand, herausgehört hatte? Es sind eben nicht nur die nackten Schauplätze, sondern auch die gewaltige Anzahl an NPCs, die vielen kleinen Details und cleveren (Kill-)Möglichkeiten, die IO Interactives Schleichspiel-Reihe so reizvoll machen – gerade auch was den Vorteil von mehreren Durchgängen betrifft. Denn mit jedem erfolgreichen Absch(l)uss sammeln Spieler*innen nicht nur fleißig Erfahrungspunkte, sondern schalten damit auch neue Startpunkte in den einzelnen Maps, coole Gadgets oder neue Outfits frei. Spieler*innen, denen die Experimentierfreude jedoch abgeht, sollten sich bewusst sein, dass die Kampagne von „Hitman 3“ bei einem Durchlauf durchaus kurz ausfällt: In ca. sechs Stunden ist man das erste Mal durch. Auf einen Ghost- bzw. Sniper Assassin-Modus wird diesmal bewusst verzichtet. Für ein Vollpreis-Spiel, dass sich auf viele bewährte Mechaniken der Vorgänger beruft, ist der Umfang insgesamt schon etwas mau.

 

Tolle Atmosphäre | Gewohntes Spielprinzip mit Schwächen

Zwischen den einzelnen Einsätzen erzählt IO Interactive nun eine deutlich stringentere und atmosphärisch ziemlich düstere Geschichte, die in aufwendige Zwischensequenzen verpackt wird. Generell gefällt, dass die letzten Missionen von Agent 47 deutlich ernster und düsterer ausfallen – auf klamaukige pinke Flamingo-Kostüme wird glücklicherweise verzichtet, weil sie diesmal auch einfach nicht reingepasst hätten. Der orchestrale Soundtrack trägt zwar richtig dick auf, doch passt zum stimmungsvollen Gesamtbild: Hier endet eben etwas Großes und für diesen Abgang hat Agent 47 dann auch die maximal-epochale Soundstage verdient.  

Hitman 3 Dartmoor Location
"Hitman 3" ist deutlich düsterer und atmosphärischer als die Vorgänger        IO Interactive

Spielerisch stimmt "Hitman 3" hingegen eine altbekannte Musik an: Ihr könnte euch auf dem Weg zum perfekten Kill natürlich fleißig austoben, schlüpft innerhalb der Locations in die unterschiedlichsten Rollen und überlegt bspw., welche Kronleuchter sich wohl am besten zum Herunterstürzen eignet, wie der Giftcocktail definitiv den Weg zum potenziellen Opfer findet oder wann der perfekte Zeitpunkt ist, um seine Zielperson "versehentlich" den Balkon herunterzuwerfen. Gut integriert sind auch die einzelnen "Story-Missionen", die euch quasi eine kleine Hilfestellung zu möglichst coolen und cleveren Kills geben und sich somit auch perfekt für Neueinsteiger eignen. In den Missionen selbst gibt es dann auch kleinere Überraschungen: Ohne zu viel verraten zu wollen, werdet ihr in einem der sechs Hitman-Szenarien in einer bestimmten Story-Mission ausgerechnet von eurer Zielperson gebeten einen mysteriösen "Mordfall" zu lösen. Diese kreativen Einfälle erhöhen den Spielspaß enorm.

Ihr habt also die Qual der Wahl, wie ihr die zahlreichen NPCs am besten für eure Zwecke ausnutzt. Schade ist etwas, dass sich die KI der NPCs oft ziemlich doof anstellt bzw. gar nicht erst reagiert und das die Immersion im Spiel dann doch ein wenig stört. Beim ersten Durchlauf sind die Möglichkeiten der kreativen Vorgehensweisen dann auch etwas dürftig: Um quasi jeden (!) Gegnertypen ablenken zu können, müsst ihr immer wieder eure Münze nutzen – ein Prinzip, das sich dann doch schnell erschöpft. Teilweise ist mir die Steuerung von Agent 47 immer noch deutlich zu träge und vom Gunplay sollte man lieber sehr schnell Abstand nehmen: Feuergefechte steuern sich nämlich absolut furchtbar.

 

Hitman: So fällt die PS5- und PSVR-Version aus

Testen durften wir "Hitman 3" auf der PlayStation 5 und Xbox Series X. Die digtiale Version enthält natürlich auch die PS4-Fassung. Die ist tatsächlich auch notwendig, falls ihr "Hitman 3" in der PSVR-Fassung spielen möchtet: Die Virtual Reality-Variante ist nämlich aktuell PlayStation-exklusiv und lässt euch in der Ego-Perspektive alle Aufträge komplett in VR erledigen. Seltsamerweise werden die Move-Controller dabei nicht unterstützt, was bedeutet, dass ihr Agent 47 ganz normal per DualShock 4-Controller steuert. So halbherzig das alles klingen mag, fällt die PSVR-Version tatsächlich sehr überzeugend aus. Trotz der niedrigeren VR-Auflösung sieht das Spiel nicht nur gut aus, sondern es macht tatsächlich verdammt viel Spaß sich in dieser immersiven Variante durch die beeindruckenden Level zu schleichen und seine Zielpersonen ins Jenseits zu befördern. Das Ganze kann zwar schnell auf den Magen schlagen, doch IO Interactive hat einige Funktionen an Bord, um die potenzielle "Motion Sickness" zu minimieren.

Unser eigentlicher Test beruft, wie schon erwähnt, auf der PlayStation 5-Fassung von "Hitman 3". Auf der PS5 sieht "Hitman 3" auch wirklich sehr gut aus, was vor allem an den sehr hochwertigen Texturen und der guten Beleuchtung liegt. Das Spiel läuft auf PS5 in flüssigen 60 Bildern pro Sekunde und in einer fast nativen 4K-Auflösung. Wie die Kollegen von Digital Foundry jedoch festgestellt haben, ist „Hitman 3“ wohl eines der wenigen Spiele, in denen die Xbox Series X-Fassung aufgrund der höheren Auflösung und teilweise besseren Schatten-Auflösung einen Vorteil gegenüber der PlayStation 5-Fassung bietet. Übrigens können alle Besitzer*innen von „Hitman 1“ und „Hitman 2“ die Vorgänger auf derselben Plattform auch in „Hitman 3“ erleben (mit leicht verbesserten Grafik-Assets). Das gilt tatsächlich auch für die PSVR-Fassung, mit der ihr auch die Aufträge der ersten zwei „Hitman“-Spiele zocken könnt.

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Fazit

"Hitman 3“ ist ein würdiger und sehr stimmungsvoller Abschluss für die „Welt der Attentate“-Trilogie und lässt Agent 47 einige seiner bisher besten Missionen absolvieren. Das liegt vor allem an den wiederum fantastisch-designten Sandbox-Leveln, die zahlreiche Möglichkeiten bieten, um seine Zielpersonen möglichst kreativ ins Nirvana zu befördern. Ein starker Soundtrack, eine deutlich stimmigere Atmosphäre als bei den Vorgängern und die coole PSVR-Unterstützung runden das Gesamtpaket ab. Ob „Hitman 3“ allerdings ein Vollpreis-Pflichtspiel ist, hängt davon ab, inwiefern man bereits ist die Aufträge immer wieder neu zu erleben, um den möglichst kreativen, coolen oder spektakulären Kills zu feiern. Für reine „Durchspieler*innen“ könnte der Umfang mit knapp sechs Stunden eher etwas dürftig ausfallen.

Test von: David Rams

Hitman 3 ist seit dem 21. Januar für PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X, PC und als Cloud-Version auf Nintendo Switch erhältlich. Einen Trailer zum Spiel seht ihr hier:

 


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