Kino

„Heilstätten“ – Filmkritik: Deutscher Horror mit Augenroll-Garantie

Heilstätten
Am 22. Februar kommt „Heilstätten“ in die deutschen Kinos. | 20th Century Fox

Der deutsche Horrorfilm „Heilstätten“ versucht den Found-Footage-Charme von „The Blair Witch Project“ wieder auf die Leinwand zu bringen – ohne Erfolg. Der klischeebehaftete Versuch Michael David Pates, das deutsche Horrorgenre wiederzubeleben, scheitert.

 

 

Achtung, Spoiler!

In den zwanziger und dreißiger Jahren beherrschten deutsche Filme wie „Nosferatu“, „Das Cabinet des Dr. Caligari“ oder „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ das Horrorgenre. Seitdem hat sich viel geändert. Deutsche Horrorfilme haben entweder schon von Anfang an einen schlechten Stand oder werden überhaupt nicht mehr produziert. Mit „Heilstätten“ startet Michael David Pate den Versuch, das Genre für deutsche Filmemacher wieder attraktiv zu machen.

Die Story hört sich, obwohl nicht besonders originell, erst einmal vielversprechend an: Eine Gruppe jugendlicher YouTuber nistet sich für eine Nacht in einer leerstehenden Heilklinik ein, in der es angeblich spuken soll. Dabei filmen sie alles für ihre YouTube-Kanäle mit. Wie nicht anders zu erwarten, endet die Nacht für die Teenies katastrophal.

 

Found Footage ist tot

Die Umsetzung ist jedoch, naja sagen wir mal, wenig hervorstechend. Und das, obwohl der Found-Footage-Stil, der meist zu großen Teilen aus pseudo-dokumentarischem Filmmaterial besteht, längst ausgestorben zu sein scheint und es kaum noch aktuelle Filme dieser Art gibt. Aber vielleicht ist eben genau das der Grund für das Scheitern des Films: Found Footage ist nichts Neues, Überraschendes oder Innovatives mehr. „Heilstätten“ wirkt wie ein billiger Abklatsch von „The Blair Witch Project“ und anderen Film-Projekten dieser Art.

Das soll nicht heißen, dass es keine Berechtigung mehr für Found-Footage-Filme gibt. Das Problem von „Heilstätten“ liegt eher darin, dass der Bezug zur Neuzeit durch die Einbindung von YouTube wie eine Ausrede wirkt, um den vergrabenen Leichnam, der sich Found Footage nennt, noch einmal auszugraben. Aber immerhin ist somit begründet, wieso die Teenager die ganze Zeit weiterfilmen, obwohl sie sich in traumatisierenden Situationen befinden, zumindest an den meisten Stellen…

 

Authentische YouTuber-Dialoge

Ein Lichtblick des Films sind die schauspielerischen Leistungen der Darsteller. Nilam Farooq, Tim Oliver Schultz, Timmi Trinks und Co. stellen die aktuelle YouTube-Kultur authentisch dar, wozu ehrlicherweise aber auch die Dialoge beitragen. Eins muss man Michael David Pate lassen: Mit YouTubern und der Jugendsprache kennt er sich nach „Kartoffelsalat“ und „Gefällt mir“ offensichtlich aus. Ob das nun für ihn oder gegen ihn spricht sei mal dahingestellt. Denn wer sich mal mit der YouTube-Kultur befasst hat, merkt schnell, dass der Content, der von manchen YouTubern auf der Video-Plattform veröffentlicht wird, teilweise eher das Gegenteil von Weiterbildung bedeutet.

 

YouTube-Kritik setzt sich selbst außer Kraft

Natürlich weiß Michael David Pate das auch selbst, deswegen hat er in „Heilstätten“ ja auch eine kleine Kritik an der YouTube-Kultur versteckt. Nur welche eigentlich? Der Film endet mit einem Plottwist, in dem Theo (Tim Oliver Schultz) Rache an seinem Ex-YouTube-Kumpel Finn (Timmi Trinks) übt und fast den gesamten Cast – inklusive sich selbst – umbringt, weil auf YouTube ja nur noch unsinnige, verblödende Inhalte geteilt werden. Das Video von der Abschlachtung seiner ehemaligen Freunde soll seine Gespielin dann auf YouTube hochladen. Aber inwiefern hat er damit jetzt YouTube oder – Gott bewahre – die Menschheit gerettet?

Die Message, dass die gesamte YouTube-Generation zum Scheitern verurteilt ist, wird in „Heilstätten“ viel zu plakativ dargestellt und entkräftet  sich dadurch, dass der Regisseur selbst von dieser Kultur profitiert. Insgesamt will der Film letztendlich intelligenter sein als er in Wirklichkeit ist, wobei er auf seine eigenen Fehler aufbaut und die Zuschauer in Horrorfilm-Klischees ertrinken lässt.

Selina Jüngling



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