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Mit ihrem Buch wollte sie anderen helfen

Hayden Panettiere: Die bewegendsten Enthüllungen aus ihrer kürzlich erschienenen Autobiografie

In ihrer Autobiografie „This Is Me: A Reckoning“ blickte Hayden Panettiere schonungslos auf frühe Überforderung, Sucht, psychische Erkrankungen, Gewalt und den schmerzhaften Verlust ihres Bruders zurück.

Hayden Panettiere bei den Critics Choice Awards am 17.01.2016 in Santa Monica.
Hayden Panettiere sprach in ihrem Buch offen und ehrlich über Höhen und Tiefen. Foto: IMAGO / APress

Hayden Panettiere wurde als Kind berühmt und spielte später unter anderem in „Heroes“ und „Nashville“. In ihrem im Mai 2026 erschienenen Buch „This Is Me: A Reckoning“ erzählt sie nicht nur von ihrer Karriere, sondern vor allem von den Erfahrungen, die hinter der öffentlichen Wahrnehmung ihrer Person lagen.

„Ich bin mein ganzes Leben lang in dieser Branche gewesen, und seit ich ungefähr 16 Jahre alt war, gab es viele Geschichten und vorgefasste Vorstellungen darüber, wer ich bin“, sagte Panettiere vor der Veröffentlichung. Das Buch gebe ihr die Möglichkeit, ihre eigene Version zu erzählen: „Ich kann den Menschen die Wahrheit sagen. Ich kann ihnen erzählen, was wirklich passiert ist – und was wirklich passiert ist, ist meistens unterhaltsamer als alles, was sich irgendjemand ausdenken könnte.“

Panettiere hoffte zugleich, dass ihre Erfahrungen anderen helfen könnten. „Ich hoffe wirklich, dass die Leser durch die Prüfungen und Schwierigkeiten, die ich durchgemacht habe, ihre eigenen Hindernisse überwinden können“, schrieb sie. Niemand solle das Gefühl bekommen, mit einer schweren Zeit allein zu sein. Trotz aller ernsten Themen wolle sie aber auch, dass die Leser lachen können.

Kindheit zwischen Tränen und Leistungsdruck

Panettiere begann bereits im Alter von acht Monaten mit der Schauspielerei. In ihrer Autobiografie beschreibt sie das komplizierte Verhältnis zu ihrer Mutter Lesley Vogel und den Druck, schon als Kind funktionieren zu müssen.

Als sie im Alter von vier Jahren bei einem Vorsprechen scheiterte, habe sie ihre Mutter enttäuscht. Das sei für sie „ein Schicksal schlimmer als der Tod“ gewesen. Die Wut ihrer Mutter schildert Panettiere in drastischen Bildern: „Wenn sie so wütend war, dass meine beste Möglichkeit darin bestand, mich unter meinem Bett zu verstecken, schob sich ihr Unterkiefer einige Zentimeter nach vorn. Ich blickte zu meiner Mutter hinauf und zurück – und da war dieser seelenzerstörende Überbiss.“

Auch das Weinen für Rollen lernte Panettiere nach einer Methode, die sie „Trigger-Tränen“ nannte. Sie musste sich dafür besonders schreckliche Szenarien vorstellen: „Alles, was ich tun musste, war, mir das Schlimmste vorzustellen, das einem achtjährigen Kind passieren konnte – etwa, dass meine Katze stirbt oder mein Vater in einem brennenden Haus einen qualvollen Tod erleidet.“

Später habe sie erkannt, dass diese früh erlernte Katastrophenfantasie ihre Reaktion auf Stress beeinflusst haben könnte. Sie schrieb, dass dadurch unter anderem Hirnregionen aktiviert worden seien, die für die Verarbeitung von Angst und Furcht zuständig sind.

Panettiere berichtet außerdem, schon als Kind Gefühle für Mädchen entwickelt zu haben. Über ihre Sexualität schrieb sie: „Ich fühlte mich schon genauso lange zu Frauen hingezogen wie zu mir selbst.“ Sie habe bislang keine Liebesbeziehung mit einer Frau geführt, schließe aber nicht aus, dass dies eines Tages geschehen könnte.

Hollywood, Sucht und Kontrollverlust

An ihre Arbeit in „Gegen jede Regel“ erinnert sich Panettiere besonders gern. Die Rolle der Sheryl Yoast habe sie als stark und authentisch erlebt. „Bei ‚Gegen jede Regel‘ war ich als Schauspielerin so glücklich wie nie zuvor“, schrieb sie. „Wenn ich zurückgehen und alles noch einmal machen könnte, würde ich es sofort tun.“

Weniger positiv schildert sie den Umgang mit ihr als Nachwuchsschauspielerin. Bei „Panic Room“ sollte sie zunächst Sarah spielen, später wurde sie durch Kristen Stewart ersetzt. Lange habe ihre Mutter ihr erklärt, der Grund sei gewesen, dass Panettiere nicht genug wie Jodie Foster ausgesehen habe. Jahre später habe sie nach eigener Darstellung erfahren, dass es um ihre Haare gegangen sei: Der Regisseur habe vorgeschlagen, sie zu schneiden, damit sie Foster ähnlicher sehe. Ihre Mutter habe das abgelehnt – und damit sei die Besetzung gescheitert.

Auch körperliche Belastungen blieben nicht ohne Folgen. Während der Dreharbeiten zu „Zebrahead“ fiel Panettiere von einem Zebra. „Ich biss die Zähne zusammen und ertrug die Schmerzen in meinem Rücken und Nacken“, schrieb sie. „Mehr als 20 Jahre später machen mir diese Verletzungen noch immer zu schaffen.“

Mit 16 Jahren bekam sie von einem früheren Publizisten eine sogenannte „Glückspille“, damit sie bei einem roten Teppich energiegeladen auftreten konnte. Die Wirkung beschrieb Panettiere als überwältigend: „Innerhalb weniger Minuten durchströmte mich eine Welle der Energie, als wäre ich gerade aus der erholsamsten Nacht meines Lebens aufgewacht.“ Sie bezeichnete die Tablette später als „Einstiegsdroge“, die sie zu Medikamenten und schließlich in die Sucht geführt habe.

Mutterschaft und die Folgen der Abhängigkeit

Hayden Panettiere mit Connie Britton in Nashville.
Von 2012 bis 2018 war Hayden Panettiere in „Nashville“ zu sehen. Foto: TMDB

Besonders offen schreibt Panettiere über die Geburt ihrer Tochter Kaya und die Zeit danach. Sie habe nicht die sofortige, überwältigende Liebe empfunden, von der viele Mütter erzählen: „Sie schien das Baby von jemand anderem zu sein, nicht meins.“ Kaya sei einfach da gewesen, und sie habe erst herausfinden müssen, wie sie eine Bindung zu ihr aufbauen konnte.

Während der Dreharbeiten zu „Nashville“, Problemen in ihrer Beziehung zu Wladimir Klitschko und einer postpartalen Depression habe sie zunehmend zum Alkohol gegriffen. Sie beschreibt, wie sie große Mengen Wein trank und kleine Flaschen mit Fireball-Whiskey im Haus versteckte – auch für den Moment direkt nach dem Aufwachen.

Zwischen der dritten und vierten Staffel von „Nashville“ begab sie sich erstmals in Behandlung. Zwar wurde sie zunächst abstinent, geriet nach eigener Darstellung aber in eine starke Abhängigkeit von verschreibungspflichtigen Medikamenten, die sie in der Reha erhalten hatte. Einmal sei sie nach einem Blackout im Make-up-Wagen im Krankenhaus aufgewacht.

In der Serie spiegelten sich ihre eigenen Probleme zunehmend wider. Ihre Figur Juliette Barnes kämpfte dort unter anderem mit postpartaler Depression, Alkohol- und Tablettenproblemen. „Jeden Tag las ich das Drehbuch, und es war, als würde ich in einen Zerrspiegel schauen und eine verzerrte Version von mir selbst sehen“, schrieb Panettiere über diese Zeit.

Nach dem Ende ihrer Beziehung mit Klitschko unterschrieb Panettiere schließlich die Unterlagen, mit denen er das Sorgerecht für Kaya erhielt. „Hätte ich gegen Wlad kämpfen können? Ja. Wollte ich es? Ja. Aber hätte ich es tun sollen? Nein“, schrieb sie. „Ich konnte das meiner Kaya nicht antun. Ich unterschrieb die Papiere, und Wlad bekam unser Kind.“

Gewalt und ein schmerzhafter Verlust

Hayden und Jansen Panettiere auf dem roten Teppich im Oktober 2011.
Jansen Panettiere starb im Februar 2023 mit 28 Jahren. Foto: IMAGO / MediaPunch

Ein weiterer Schwerpunkt des Buches ist Panettieres Beziehung zu Brian Hickerson. Sie beschreibt diese als von psychischer Erkrankung, Sucht, Wut, Gewalt und Schmerz geprägt. „Ich wollte nie als Opfer bezeichnet werden“, schrieb sie. „Aber hier bin ich nun. Es ist Teil meiner Geschichte, ob ich das will oder nicht.“

Ihre Schilderungen sind drastisch: „Den ersten Schlag vergisst man nie, und den letzten vergisst man auch nicht.“ Schließlich seien aus Schlägen immer schwerere Treffer geworden. An anderer Stelle schreibt sie, Hickerson habe ihr Gesicht so schwer verletzt, dass sie wochenlang nicht das Haus verlassen habe. Hickerson war mehrfach festgenommen worden und verbüßte 2021 nach einem Schuldbekenntnis zu zwei schweren Fällen der Verletzung einer Lebensgefährtin eine 45-tägige Haftstrafe.

Panettiere berichtet außerdem von sexueller Belästigung in Hollywood. In einem Fall habe ein nicht namentlich genannter Oscar-prämierter Schauspieler bei einer Begegnung seine entblößten Genitalien gezeigt. Bei einem anderen Vorfall auf einem Boot sei sie von einer vermeintlichen Freundin einem nackten Mann angeboten worden. „Mein Körper fühlte sich nicht mehr wie mein eigener an“, schrieb sie.

Sehr persönlich ist auch das Kapitel über ihren Bruder Jansen. Er habe ihr von seinem Drogenkonsum erzählt, darunter Crack und Heroin. Panettiere schrieb: „Mein Verstand explodierte in tausend Richtungen. Crack war ein Aufputschmittel, Heroin ein Beruhigungsmittel. Zusammen waren sie eine tödliche Kombination.“

Jansen starb im Alter von 28 Jahren. Als offizielle Todesursache nannte die Familie damals eine Herzvergrößerung in Verbindung mit Komplikationen an der Aortenklappe. Panettiere erinnert sich an den Anruf ihres Vaters: „Hayden … es gibt keine einfache Art, dir das zu sagen. Jansen ist tot. Mein Junge ist tot.“

Ihre Autobiografie erschien nur wenige Monate vor Panettieres Tod im Alter von 36 Jahren. Die Ermittlungen zu ihrem Tod liefen zuletzt noch; eine offizielle Todesursache war zunächst nicht bekannt gegeben worden.

Quelle
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