„Gegen den Hurrikan“: Die wahre Geschichte hinter dem packenden Netflix-Drama
„Gegen den Hurrikan“ klingt wie ein klassischer Katastrophenfilm. Doch hinter dem neuen Netflix-Hit steckt eine wahre Geschichte.

Seit dem 23. Oktober ist „Gegen den Hurrikan“ bei Netflix verfügbar. Im mexikanischen Drama kämpfen Wirpul (Benny Emmanuel) und sein Halbbruder Candi (Kristyan Ferrer) auf einem Boot vor Acapulco ums Überleben, während sich ein vermeintlich beherrschbarer Sturm innerhalb kürzester Zeit zum verheerenden Hurrikan Otis entwickelt.
Dass Netflix den Film ausdrücklich als „nach einer wahren Geschichte“ bewirbt, ist dabei keineswegs nur Marketing. Regisseur Jorge Michel Grau ließ sich von den Erlebnissen zweier Männer inspirieren, die Otis tatsächlich auf dem Meer überlebten: Marlon Valdez und Jonathan „Chino“ Chico.
Marlon und Jonathan überlebten Otis wirklich auf See
Als Hurrikan Otis in der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober 2023 auf Acapulco zuraste, waren Marlon und Jonathan beide 24 Jahre alt und arbeiteten als Seeleute. Sie waren seit ihrer Jugend befreundet – anders als Wirpul und Candi im Netflix-Film sind sie also keine Halbbrüder.
Auch während des Sturms befanden sie sich zunächst nicht gemeinsam auf demselben Boot. Marlon war mit einem Kollegen namens Yahir auf einer Yacht, Jonathan befand sich mit zwei weiteren Männern auf einem anderen Schiff.
Der Grund, warum sie trotz des herannahenden Unwetters überhaupt auf See waren, spielt auch für die gesellschaftliche Ebene des Films eine entscheidende Rolle: In Acapulco war es üblich, dass Besatzungsmitglieder bei angekündigten Stürmen auf den Yachten ihrer Arbeitgeber blieben, um die teuren Boote zu bewachen und zu sichern.
Für viele der Beschäftigten bedeutete das, sich für fremdes Eigentum selbst in Gefahr zu bringen.
Hurrikan Otis wurde innerhalb weniger Stunden zur Katastrophe
Dabei ahnte zunächst kaum jemand, welches Ausmaß Otis erreichen würde. Der Sturm verstärkte sich in außergewöhnlich kurzer Zeit und traf die Region schließlich als Hurrikan der Kategorie 5.
Bei der Landung nahe Acapulco erreichte Otis anhaltende Windgeschwindigkeiten von rund 270 km/h. Das National Hurricane Center bezeichnete ihn später als stärksten Hurrikan, der seit Beginn der entsprechenden Aufzeichnungen im östlichen Pazifik auf Land getroffen war.
Mindestens 52 Menschen kamen ums Leben. Besonders unter den Menschen, die sich während des Sturms auf Booten befanden, gab es zahlreiche Vermisste.
Auch Marlon und Jonathan verloren schließlich die Kontrolle über ihre Schiffe.
Marlon hielt seinen verletzten Kollegen im Wasser fest

Durch den Sturm rissen die Befestigungen der Boote. Jonathans Schiff kollidierte während des Chaos offenbar mit der Yacht, auf der Marlon und Yahir waren. Als diese zu sinken begann, blieb den beiden schließlich nur noch der Sprung ins Wasser.
Yahir war am Arm verletzt. Marlon hielt seinen Kollegen rund 40 Minuten lang über Wasser, während die beiden im tobenden Meer versuchten, ein noch schwimmendes Boot zu erreichen. Schließlich gelang es ihnen, sich auf ein Segelboot zu retten.
Jonathan kämpfte derweil an anderer Stelle um sein Leben. Eine Welle schleuderte ihn gegen die Windschutzscheibe seines Schiffes. Als das Boot auseinanderbrach, landete auch er im Wasser.
Zeitweise hielt er sich an einem im Meer treibenden Sofa fest. Die Strömung trug ihn schließlich bis ans Ufer.
Die beiden Freunde hielten sich gegenseitig für tot
Nach dem Hurrikan wussten Marlon und Jonathan zunächst nicht, ob der jeweils andere überlebt hatte.
Marlon suchte zwischen den Opfern nach seinem besten Freund und musste dabei Menschen identifizieren, die er noch wenige Stunden zuvor gesehen hatte. Jonathan wiederum suchte ebenfalls nach Marlon.
Erst später erfuhren beide über ihre Familien, dass der andere tatsächlich noch am Leben war. Vier Tage nach dem Hurrikan sahen sie sich erstmals wieder.
Die Erfahrung veränderte ihr Leben nachhaltig. Beide kehrten nach Otis nicht mehr zu ihrer früheren Arbeit auf dem Meer zurück. Marlon zog später nach Playa del Carmen und arbeitet inzwischen in einem Hotel. Jonathan lebt in Mexiko-Stadt und arbeitet als Softwareentwickler.
So stark verändert Netflix die wahre Geschichte für „Gegen den Hurrikan“
„Gegen den Hurrikan“ erzählt diese Ereignisse somit nicht eins zu eins nach. Regisseur Jorge Michel Grau bezeichnet den Film selbst ausdrücklich als fiktionale Geschichte, die auf den Erlebnissen der beiden Überlebenden basiert.
So wurden aus den besten Freunden Marlon und Jonathan im Film die Halbbrüder Wirpul und Candi. Auch die familiären Konflikte und Teile der Handlung rund um ihren Arbeitgeber wurden für das Drama entwickelt beziehungsweise verändert.
Der Kern der Geschichte ist jedoch real: junge Männer, die auf den Yachten anderer Menschen ausharren, ein Sturm, dessen Stärke unterschätzt wurde, zerstörte Boote und der verzweifelte Überlebenskampf im Wasser.
Für die größtmögliche Authentizität waren Marlon und Jonathan sogar selbst an der Produktion beteiligt. Sie erzählten ihre Geschichte mehrfach den Drehbuchautor und dem Regisseur, berieten die Schauspieler beim Umgang mit den Booten und überprüften unter anderem die im Film verwendeten Funksprüche.
Und wer genau hinschaut, kann die beiden echten Überlebenden sogar entdecken: Marlon und Jonathan haben einen Cameo-Auftritt in „Gegen den Hurrikan“.
Für „Gegen den Hurrikan“ wurde Otis möglichst genau rekonstruiert
Auch beim Hurrikan selbst wollte Regisseur Grau möglichst nah an den tatsächlichen Ereignissen bleiben. Für die Produktion wurde genau rekonstruiert, wann der Wind während Otis aus welcher Richtung kam und wie sich der Meeresspiegel entwickelte.
In den Churubusco-Studios in Mexiko-Stadt entstand dafür unter anderem ein rund 200 Quadratmeter großes Wasserbecken. Drei jeweils etwa acht Tonnen schwere Boote wurden gebaut, hinzu kamen Windmaschinen, Wasserkanonen und aufwendige Computereffekte.
Rund 800 Menschen arbeiteten drei Jahre lang an dem Film, davon etwa 500 allein im Bereich der visuellen Effekte.
Doch Grau wollte ausdrücklich keinen Katastrophenfilm drehen, in dem allein der Hurrikan das Monster ist. „Gegen den Hurrikan“ erzählt deshalb auch davon, wer sich in Sicherheit bringen kann – und wer sein Leben riskiert, um den Besitz anderer zu schützen.







