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Filmkritik: So knallhart ist "John Wick 3" wirklich!

Action-Liebhaber können den Kinostart von "John Wick 3" kaum abwarten. Doch lohnt sich das Spektakel mit Keanu Reeves überhaupt oder soll man sich stattdessen lieber gleich einen eigenen Hundewelpen kaufen?

Filmkritik: So knallhart ist "John Wick 3" wirklich!
Keanu Reeves schlüpft zum dritten Mal in die Rolle des Kinohelden "John Wick". Foto: Concorde Filmverleih GmbH

Pam! Pam! Pam! Was zuerst so klingt wie eine Tanzanweisung von Detlef D! Soost, ist in Wahrheit ein über zweistündiger Schusswechsel zwischen Anzugträgern bei „John Wick 3“. Braucht man das?

 

„John Wick 3“: Muss das sein?

Für John Wick (Keanu Reeves) könnte es definitiv besser laufen. Zur Erinnerung: Im zweiten Teil wurde er nach seinem Regelbruch zum Abschuss freigegeben und zu einer attraktiven Beute für dubiose Kopfgeldjäger gemacht.

 

John Wick im Visier der Auftragskiller

Nachdem John Wick ein Mitglied der geheimnisvollen Assassinen-Gilde tötete, wurde er zum „Excommunicado“ erklärt. Wer ihn tötet, soll 14 Millionen Dollar Kopfgeld bekommen. Er befindet sich jetzt also weltweit im Visier, was im Film fast schon unfreiwillig komisch verdeutlicht wird: Er geht zu einem Arzt und wird beim Verlassen des Gebäudes beobachtet. Er geht ins Continental-Hotel und wird beim Betreten beobachtet. Er geht sonstwohin und wird – Überraschung! – beobachtet. Zwischen diesen Szenen gibt es mehrere wilde Verfolgungsjagden, unter anderem mit Motorrad-Ninjas. Diese erreichen ihren lächerlichen Höhepunkt, als sich John Wick in einem Reitstall auf’s Pferd schwingt und munter seine Gegner umlegt. Neben Keanu Reeves sind auch Ian McShane, Laurence Fishburne und Lance Reddick in ihre Rollen zurückgekehrt.

 

John Wick 3: Tausche Gewalt gegen Handlung

John Wick 3“ wirft unter der Regie von Chad Stahelski das übliche Problem von Filmfortsetzungen auf: Alles muss größer, schneller und brutaler sein. So zeigt der knapp zweistündige Action-Streifen zwar, dass John Wick ein unangefochtenes Multitalent in sämtlichen Kampftechniken ist, aber auch so viel Gewalt, dass dem Zuschauer ganz schwindelig wird. Kein Wunder, dass der Film keine Jugendfreigabe bekommt. Nichts wird dem Zufall überlassen. Durchstrukturiert und vollgepackt bis zum Schluss – was in diesem Fall jedoch kaum vom Bedeutung für die nicht vorhandene Spannung ist. Da können ein abgetrennter Finger, Halle Berry als Sofia mit zwei aggressiven Hunden und eine Reise in die Wüste Casablancas auch nichts mehr aufholen. Knappe 120 Minuten lang versucht John Wick zu überleben – und erinnert mit seinen permanenten Fluchtversuchen eher an gehetzte Escape-Room-Teilnehmer.

 

John Wick 3: Gähnende (Inhalts)Leere

Dabei bietet das „John Wick“-Universum durchaus Potential für eine tiefergehende Handlung: Die Unterwelt, sein eigenes Leben oder das seiner Gegenspieler genug Potential für eine gelungene Filmfortsetzung bieten – die Chance wurde jedoch verschenkt. Der Sportwagenliebhaber mit kleinem, süßen Hündchen? Von dieser Anfangsidee aus dem Jahr 2014 ist nichts mehr übrig – außer einem nicht mehr ganz so niedlichen Hund, der die meiste Zeit im Auto oder im Hotel warten muss.

 

John Wick 3: Hauptsache, es sind noch Nachos da

Der eigentliche Wermutstropfen dabei ist jedoch nicht, dass es überhaupt einen dritten Teil gibt – sondern, dass bereits vor dem Kinostart der vierte Teil angekündigt wurde. Und das, obwohl der Kinobesucher nach „John Wick 3“ schon vor Verlassen des Saals vergessen hat, worum es eigentlich ging.

„John Wick 3“ startet am 23. Mai 2019 in den deutschen Kinos.

Von Melanie Dahrendorf

 


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