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Eine letzte Enttäuschung: Darum ist die „Stranger Things“-Doku so deprimierend

Mit einem zweistündigen Blick hinter die Kulissen schließt Netflix das Kapitel „Stranger Things“. Der Rückblick hat einen faden Beigeschmack.

Die Besetzung von „Stranger Things“ steht vor einem Bluescreen.
Solche Sets beflügeln nicht gerade die Fantasie. Foto: TMDB

Eine 9. Episode gibt es zwar nicht, aber zumindest eine Dokumentation hat Netflix nach dem großen Serienfinale von „Stranger Things“ für die Fans zu bieten. Diese hat mit zwei Stunden eine stolze Länge und verspricht einen nie dagewesenen Blick hinter die Kulissen der 5. Staffel.

Das ist zunächst ein netter Gedanke, auch wenn der Teil des Publikums, der sich für die Produktion einer Serie interessiert, verhältnismäßig klein ausfallen dürfte. Aber selbst Making-of-Junkies stellen während „Ein letztes Abenteuer“ ernüchtert fest, dass Film- und Serienproduktionen heutzutage weit weniger interessant sind als noch vor 20 Jahren.

Bittere Realität statt Filmmagie

„Als wir in Durham, North Carolina, aufgewachsen sind, haben wir davon geträumt, Filmemacher zu werden – aber Hollywood fühlte sich unerreichbar weit weg an. Alles änderte sich, als wir die Making-of-Dokumentationen zu ‚Der Herr der Ringe gesehen haben. Wir sahen, wie gestresst Peter Jackson war, und dachten: Ja, genau das ist der Traum. Mit dem Rückgang physischer Medien ist diese Art von Behind-the-Scenes-Erzählen weitgehend verschwunden.“

So erklären die Duffer-Brüder, warum sie eine begleitende Dokumentation zu „Stranger Things“ veröffentlichen wollten. Doch damit, dass sie Peter Jackson und seine „Der Herr der Ringe“-Making-ofs erwähnen, tun sie sich keinen Gefallen.

Die Produktion der „Herr der Ringe“-Trilogie war gewaltig, anstrengend und gerade deshalb so beeindruckend, weil hier so oft wie möglich mit handgemachten Effekten gearbeitet wurde. Aufwändige Kostüme, unzählige Komparsen und Dreharbeiten an echten Schauplätzen – es war Filmmagie zum Anfassen, und da wundert es wenig, dass die Duffers, wie so viele Filmfans auf der ganzen Welt, die Mittelerde-Dokus als eine Art Filmschule benutzt haben.

Doch magisch ist nur wenig hinter den Kulissen von „Stranger Things“. Ständig sind Bluescreens im Bild, um digitale Schauplätze nachträglich digital einfügen zu können, und bis auf Vecna, der zumindest gelegentlich mit Make-up zum Leben erweckt wurde, und einige Ranken ging man bei der Produktion von „Stranger Things“ Staffel 5 meist den Weg des geringsten Widerstands.

Natürlich war schon in Staffel 5 selbst zu erkennen, dass hier nicht oft mit praktischen Effekten gearbeitet wurde, aber wenn man es dann noch einmal so genau vorgeführt bekommt, raubt es dem Geschehen eher die Faszination.

Allein den Stars der Serie muss man deshalb ein großes Kompliment machen: Wenn sie auf irgendeinem Hinterhof und umgeben von Bluescreens ängstlich gegen unsichtbare Monster kämpfen, dann ist das natürlich eine besonders große schauspielerische Herausforderung.

Und mit einem Fakt können sich die Duffer-Brüder trösten: In den Making-ofs zur „Hobbit“-Trilogie ist zu erkennen, wie der Technik-Fokus auch in Mittelerde Einzug erhält, also ist auch bei Peter Jackson mittlerweile nicht mehr alles handgemacht.