„EA Sports FC 27“ im Test: Endlich wieder ein echter Schritt nach vorne
Neues Jahr, neues FIFA: „EA Sports FC 27“ bringt frischen Schwung aufs Spielfeld, lässt aber auch einige bekannte Baustellen bestehen.

Ein Jahr ist vergangen, die neue Bundesliga-Saison läuft – und damit steht auch schon wieder ein neues FIFA vor der Tür. Oder besser gesagt: EA Sports FC, wie die Reihe inzwischen heißt. In den vergangenen Jahren musste sich EA immer wieder den Vorwurf gefallen lassen, dass sich die neuen Teile eher wie umfangreiche Updates als wie echte Nachfolger anfühlen. Neue Kader, neue Karten und kleinere Anpassungen allein reichen schließlich nicht aus, um jedes Jahr einen Vollpreis-Titel zu rechtfertigen.
Doch wie sieht es bei EA Sports FC 27 aus?
Endlich fühlt sich das Gameplay anders an
Am Ende entscheidet sich bei einem Fußballspiel alles auf dem Rasen. Menüs, neue Karten und aufgehübschte Modi sind schön und gut – wenn sich die 90 Minuten nicht richtig anfühlen, bringen sie wenig. Genau hier überrascht FC 27 positiv.
EA hat das Verteidigungssystem stärker auf aktive Aktionen ausgerichtet. Das klingt zunächst nach einer Änderung, von der vor allem erfahrene Spieler profitieren dürften. Tatsächlich kommen aber auch weniger ambitionierte Spieler damit gut zurecht. Zweikämpfe fühlen sich direkter an und es gelingt häufiger, mit dem tatsächlich gesteuerten Spieler sauber in eine Situation einzugreifen.
Auch die Ballführung wirkt weniger steril. Immer wieder entstehen kleine Fehler und Zufallsmomente, die ein Fußballspiel tatsächlich nach Fußball aussehen lassen: Ein Ball verspringt im Mittelfeld, ein Pass landet nicht ganz dort, wo er hin sollte, ein Spieler bekommt den Ball unerwartet zurück. Dazu kommen Fouls und kleine taktische Nicklichkeiten, die nicht jede Partie wie eine perfekt choreografierte Sportsimulation wirken lassen.
Gerade im authentischen Spielmodus sorgt das für einen angenehm unberechenbaren Spielfluss. Nicht jede Szene muss spektakulär sein. Manchmal entsteht eine gefährliche Situation eben daraus, dass zwei Spieler um einen eigentlich unscheinbaren Ball kämpfen.
In den kompetitiveren Modi ist davon allerdings weniger zu spüren. Dort geht es weiterhin deutlich schneller und geradliniger zur Sache. Besonders gegen die KI fallen zudem Flanken und Kopfbälle auf, die auffällig häufig zum Erfolgsrezept werden.
Doch so viele Veränderungen EA auch vorgenommen hat, eine der nervigsten Baustellen bleibt bestehen: die Abstufung des Schwierigkeitsgrades. Zwischen Professional und Weltklasse liegt weiterhin eine spürbare Lücke. Auf Professional können Partien schnell zu einseitig werden, während Weltklasse einen deutlichen Sprung darstellt. Gerade für Spieler, die nicht täglich mehrere Stunden in FC verbringen, fehlt damit weiterhin ein wirklich angenehmer Mittelweg.
Das ist schade, weil FC 27 mit seinen neuen Gameplay-Systemen eigentlich eine gute Grundlage für eine ausgewogenere Herausforderung besitzt. Das Spiel fühlt sich auf dem Platz insgesamt dynamischer und weniger vorhersehbar an – bei der Feinabstimmung des Schwierigkeitsgrades wäre allerdings noch Luft nach oben.
So ist der Vier-Zeilen-Absatzrhythmus auch sauberer, ohne dass die Kritikpunkte wie nachträglich hineingeschoben wirken.
Der Karrieremodus wird sinnvoller – ohne sich neu zu erfinden
Wer den Karrieremodus kennt, dürfte sich zunächst bestens zurechtfinden. Die Grundstruktur bleibt vertraut, große Revolutionen bleiben aus. Trotzdem setzt EA an einigen Stellen genau dort an, wo es sinnvoll ist.
Eine der angenehmsten Änderungen betrifft die Transfer- und Vertragsverhandlungen. Die früheren Verhandlungsszenen mit ihren wenig überzeugenden Animationen sind Geschichte. Statt Spieler und Vereinsvertreter beim stummen Händeschütteln zu beobachten, werden die Gespräche nun wesentlich nüchterner über Menüs beziehungsweise Telefonate abgewickelt.
Das klingt unspektakulär, erweist sich im Karrierealltag aber als echte Verbesserung. Gerade in einem Modus, in dem im Laufe einer Saison zahlreiche Transfers und Vertragsverlängerungen anstehen, ist weniger manchmal tatsächlich mehr.
Spannender ist das neue System der dynamischen Spielerbewertungen. Die Gesamtstärke eines Spielers bleibt nicht mehr zwangsläufig eine starre Zahl. Gute Leistungen können dafür sorgen, dass ein Spieler zeitweise stärker bewertet wird, während schlechte Form entsprechend negative Auswirkungen haben kann.
Damit gewinnt die Karriere eine zusätzliche Ebene. Ein Spieler mit niedrigerer Grundstärke kann sich durch starke Leistungen plötzlich vor einem nominell besseren Konkurrenten wiederfinden. Die Aufstellung wirkt dadurch weniger statisch und die aktuelle Form spielt eine größere Rolle bei den Entscheidungen.
Die Spielerkarriere fällt dagegen deutlich weniger ins Gewicht. Abgesehen von neuen Rivalitäten gibt es hier zunächst wenig, was den Modus grundlegend verändert. Für Fans dieser Variante dürfte das entsprechend enttäuschend sein.
FUT belohnt aktive Spieler, bleibt aber ein Kaufsystem
Auch Ultimate Team fühlt sich zunächst vertraut an. Das Grundprinzip bleibt unverändert: ein eigenes Team aufbauen, Spieler sammeln, verbessern und damit gegen andere Teams antreten. Wer sich schon in den vergangenen Jahren in FUT wohlgefühlt hat, findet sich deshalb schnell zurecht.
Neu ist unter anderem die Galerie, in der die gesammelten Karten über die gesamte Saison hinweg archiviert werden. Selbst Karten, die längst nicht mehr im aktuellen Team stecken, bleiben dort Teil der Sammlung. Das Ganze erinnert ein wenig an ein digitales Panini-Album und dürfte vor allem für Sammler interessant sein.
Für das eigentliche Spiel verändert die Galerie allerdings wenig. Sie ist eine nette Ergänzung, aber kein Feature, das Ultimate Team grundlegend auf den Kopf stellt.
Interessanter ist eine andere Entwicklung: FC 27 belohnt das reine Spielen stärker. Nach Partien gibt es mehr Coins und zusätzlich Fortschritt für den Season Pass. Auch Live-Events lassen sich teilweise gegen die KI spielen. Wer bestimmte Inhalte freischalten oder Fortschritte sammeln möchte, ist damit nicht mehr ausschließlich auf Online-Partien angewiesen.
Das ändert allerdings nichts daran, dass FUT weiterhin stark auf Shop-Angebote und zahlreiche Kaufanreize setzt. Wer sich darauf einlässt, bekommt zwar mehr Möglichkeiten, durch tatsächliches Spielen voranzukommen – das Geschäftsmodell hinter Ultimate Team bleibt jedoch klar erkennbar.
The Grounds machen aus FC 27 eine Fußball-Spielwiese
Die wohl auffälligste Neuerung von EA Sports FC 27 ist The Grounds. EA verlagert hier einen großen Teil der sozialen Spielerlebnisse in eine begehbare Online-Welt, in der bis zu 100 Spieler gleichzeitig unterwegs sein können. Im Zentrum befindet sich eine Plaza, von der aus drei unterschiedliche Bezirke erreichbar sind: Montclair, Zeiza und Parkside.
Statt sich ausschließlich durch Menüs zu klicken, bewegt man sich mit seinem eigenen Avatar durch diese Fußballwelt. Dabei lassen sich andere Spieler treffen, laufende Partien beobachten oder direkt verschiedene Spielformen starten. Neben 1-gegen-1-, 2-gegen-2- und 3-gegen-3-Matches gibt es die sogenannten Kickabouts, Rush-Partien und 11-gegen-11-Spiele. Über das Clubhaus geht es außerdem direkt in die Clubs-Erlebnisse.
Für Orientierung sorgen vier prominente Mentoren, die jeweils einen eigenen Schwerpunkt mitbringen. Besonders schön ist dabei die Rückkehr von Alex Hunter, bekannt aus The Journey. Er begleitet durch Herausforderungen rund um die Weiterentwicklung des eigenen Spielers. Kylian Mbappé konzentriert sich auf Kleinfeldfußball, Agilität und Kreativität, während Chloe Kelly den englischen Grassroots-Fußball repräsentiert und vor allem bei Kickabouts und freien Fußballaktivitäten zum Einsatz kommt. Paulo Dybala wiederum rückt Clubs, Teamwork und die gemeinsame Identität einer Mannschaft in den Mittelpunkt.

Auch optisch haben die drei Bezirke ihren eigenen Charakter. Im französisch inspirierten Montclair dominieren urbane Fußballplätze und Käfige, das argentinisch geprägte Zeiza orientiert sich an der argentinischen Potrero-Kultur und Parkside greift die Atmosphäre des britischen Straßenfußballs auf. Dadurch fühlt sich The Grounds nicht wie ein einziger austauschbarer Multiplayer-Hub an.
Dazu kommen zahlreiche Möglichkeiten, den eigenen Avatar individuell zu gestalten. Kleidung, Accessoires und Emotes können gesammelt und freigeschaltet werden, während verschiedene Aktivitäten zusätzliche Anreize bieten, immer wieder in die Welt zurückzukehren.
Gerade für Gruppen ist das Konzept interessant. Clubs bekommen eigene Aufgaben und neue Live-Turniere mit unterschiedlichen Regeln und Spielvarianten. Mal geht es ohne klassische Regeln zur Sache, mal stehen Kopfbälle und Volleys im Mittelpunkt oder es kommen Survival-Elemente ins Spiel. Dadurch soll sich der gemeinsame Ausflug in The Grounds nicht jedes Mal gleich anfühlen.
The Grounds ist damit weniger ein einzelner neuer Spielmodus als eine zusätzliche soziale Ebene für EA Sports FC 27. Wer gerne mit Freunden unterwegs ist, verschiedene Spielformen ausprobiert oder seinen Avatar weiterentwickelt, bekommt hier einiges geboten. Für Spieler, die vor allem schnell ein Match starten oder ihre Karriere vorantreiben möchten, ist der Umweg durch die virtuelle Fußballwelt dagegen nicht unbedingt notwendig.
Fazit: Mehr Fußball, mehr Möglichkeiten
EA Sports FC 27 erfindet den virtuellen Fußball nicht neu. Dafür bleiben zu viele Bereiche unangetastet und einige Modi wirken beinahe unverändert. Gerade die Spielerkarriere hätte mehr Aufmerksamkeit verdient, während The Ground zumindest zum Einstieg eher wie ein Fremdkörper wirkt.
Auf dem Platz sieht die Sache allerdings anders aus. FC 27 fühlt sich tatsächlich anders an als seine Vorgänger. Das überarbeitete Verteidigen, die direktere Ballführung und die vielen kleinen Fehler und Zufallsmomente sorgen dafür, dass Partien weniger steril wirken. Dazu kommen sinnvolle Verbesserungen in der Managerkarriere und ein Ultimate Team, das Fortschritt etwas stärker über das tatsächliche Spielen belohnt.
Das reicht nicht für eine komplette Neuausrichtung der Reihe. Aber vielleicht muss das auch gar nicht sein. Denn bei einem jährlichen Fußballspiel sind es am Ende nicht unbedingt die spektakulärsten neuen Features, die den Unterschied machen. Entscheidend ist, ob sich das nächste Spiel nach dem Anpfiff frisch genug anfühlt, um wieder eine Saison dranzubleiben.
Und genau das gelingt EA Sports FC 27 überraschend gut.
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