Kommentar

Dschungelcamp 2026: Misogynie wie aus dem Bilderbuch

Misogynie ist in unserer Gesellschaft alles andere als verschwunden. Das zeigt die aktuelle Dschungelcamp-Staffel gerade mehr als deutlich.

Ariel schaut ernst und hebt die Hände.
Ariel sagt ihre Meinung. Das kommt nicht bei allen gut an Foto: RTL

Dass Trash-TV sich wunderbar als Sozialstudie eignet, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Und das meint nicht nur, dass „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“, „Schwiegertochter gesucht“ und all die anderen, immer mehr werdenden Reality-TV-Formate, voyeuristische Bedürfnisse bedienen, sondern auch soziale Dynamiken aufzeigen. Die aktuelle Staffel vom Dschungelcamp ist da ein ideales wie gleichermaßen trauriges Beispiel.

Dschungelcamp: Ariel legt den Finger in die Wunde

Wir wissen aus den vergangenen Staffeln: Bei IBES treffen Welten aufeinander. Frühere Schauspiel- oder Musikgrößen treffen auf junge Reality-TV-Gesichter. Und auch streitbare Kandidat:innen gehören zum Dschungelcamp seit jeher dazu. Dass es da auch mal so richtig knallt unter den Mitstreiter:innen ist normal und sogar gewollt. Die diesjährige Ausgabe erreicht dabei noch mal ein ganz neues Niveau, das es so lange nicht gegeben hat. Im Zentrum des Sturms ist die 22-jährige Ariel, die seit 2023 von einer Reality-TV-Show zur anderen tingelt und vor allem ein Markenzeichen hat: eine Stimme, die sie immer wieder einsetzt, ob man sie nun hören will oder nicht.

Im Dschungelcamp konfrontiert sie vor allem einen Mitcamper immer und immer wieder: Gil Ofarim. Bereits von Anfang an hat sie klargestellt, dass sie gar nichts von der Teilnahme des Musikers hält, der in den vergangenen Jahren mit dem Davidstern-Skandal und dem folgenden Verfahren für Schlagzeilen gesorgt hat. Immer wieder spricht sie Ofarim auf seine Tat an, fordert ihn auf, Stellung zu beziehen. Der jedoch ignoriert das Thema gekonnt, verweist auf einen Schweigedeal, den es so gar nicht geben soll. Es ist aber nicht nur Gil, der im Camp konfrontiert wird, auch andere Stars bekommen von Ariel ihr Fett weg. Eva Benetatou wirft sie vor, ständig mit Patrick Romer zu flirten und dem Bauern schleudert sie entgegen, dass er sich mal mehr um seine Freundin als um Eva kümmern solle.

Meinungsstarke Frauen werden als anstrengend abgetan

Klar, ein bisschen bekommt man das Gefühl, dass sich der Dschungel zur Ariel-Show mausert und doch gleichzeitig muss das Publikum ihr eigentlich dankbar sein, schließlich legt sie den Finger in die Wunde, ist ungemütlich und stellt genau die Fragen, die sich sicherlich auch viele zu Hause stellen. Das gefällt allerdings nicht jedem und so muss sich Ariel nicht nur im Camp einiges an Gegenwehr gefallen lassen, sondern auch außerhalb.

In der RTL-Sendung „Die Stunde danach“ wird auf nahezu unerträglichem Niveau gelästert, dass man sich ernsthaft fragen muss, ob das Moderations-Duo und die geladenen Gäste vergessen haben, dass sie gerade vor einem Millionenpublikum sitzen. Auf die Spitze getrieben wurde das in einer der vergangenen Sendungen. Das fiel auch den Fans auf. „Basler und Co. dreschen zu fünft auf eine 22-jährige junge Frau ein, nur weil sie nervt, und wählen Gil zum Camper des Tages, der nach wie vor keine Reue zeigt, nichts einsieht, weiter lügt, den Fehler im Justizsystem sieht und sich als Opfer inszeniert“, schreibt ein User bei Instagram. Und tatsächlich hat die Riege der – ja der Ausdruck muss hier sein – alten, weißen Männer um Thorsten Legat und Jürgen Milski vor allem Hohn und Ablehnung für Frauen wie Ariel übrig. Frauen, die für sich und ihre Meinungen einstehen, werden kategorisch als anstrengend eingestuft. Auch Olivia Jones, die sich in ihrem Format „Promibüßen“ eigentlich als moralische Instanz sieht, fällt negativ auf, ist bei den Attacken ganz vorne mit dabei.

Gil Ofarim und Patrick Romer kommen gut weg

Was hier besonders deutlich wird: Während Ariel angegangen, als dumm und nervig hingestellt wird, bleibt Gil Ofarim quasi verschont, wird sogar teilweise als nächster Dschungelkönig gesehen. Dass er keine Reue zeigt und jegliche – zurecht gestellten – Fragen an sich abprallen lässt, wird vergessen. Jetzt ist doch auch mal gut, liest man in diesen Tagen in Bezug auf den Sänger in den Kommentarspalten nicht selten. Nicht viel anders verhält es sich mit Patrick Romer. Der Bauer wird im Camp als Geheimfavorit betrachtet, sogar Sonja Zietlow ist Fan, bezeichnet ihn als „präsent“ und „hilfsbereit“. Dass er vor nicht allzu langer Zeit im „Sommerhaus der Stars“ seine Freundin Antonia Hemmer am laufenden Band kleingemacht hat und es auch jetzt nicht lassen kann, Spitzen in ihre Richtung zu verteilen, bleibt unerwähnt.

Ganz anders der Umgang mit Eva Benetatou, die im Dschungelcamp den Titel der Ehebrecherin innehat. Dass die Griechin einiges dafür tut, dass ihr Ruf immer weiter leidet, ist nicht zu leugnen. Dennoch kommt man nicht umhin, festzustellen, dass mit den Fehlern anderer deutlich nachsichtiger umgegangen wird – solange sie ruhig, sachlich und ja, womöglich auch männlich sind ...