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Neue Informationen zum Fall Fernandes

„Die Jüngste war 14 Jahre alt“: Collien Fernandes bei Caren Miosga über digitale Gewalt

Collien Fernandes hat in Caren Miosgas Talkshow über digitale Gewalt, sowie die damit einhergehenden Umstände gesprochen – und dabei eine schockierende Wahrheit offenbart.

Collien Fernandes (r.) sitzt in Caren Miosgas Talkshow. Ihre Hände liegen auf dem Tisch. Sie spricht.
Raum für wichtige Themen: Collien Fernandes (r.) sprach mit Caren Miosga über digitale Gewalt gegen Frauen. Foto: NDR/Claudius Pflug

Mittlerweile ist es über eine Woche her, dass Collien Fernandes Vorwürfe gegen Ex-Partner Christian Ulmen erhoben hat. Seit der Erhebung ebenjener Vorwürfe ist Fernandes im Mittelpunkt vieler gesellschaftlicher Debatten rund um Themen wie „digitale Gewalt“. Ein Gespräch bei Caren Miosga nutzte sie, um diesen wichtigen Themen Raum zu geben.

Öffentliche Reaktionen überraschten Collien Fernandes nicht

Talkshow-Hostin Caren Miosga stellte die wichtigste Frage gleich zuerst: Ob Fernandes mit den positiven aber auch negativen Reaktionen rund um die Vorwürfe gerechnet hätte. Die Schauspielerin findet dazu klare Worte: „Im Negativen tatsächlich ja. Nach der Veröffentlichung bin ich auch erst einmal nicht ins Internet gegangen, weil ich mit sehr viel Hass gerechnet habe.“ Darüber hinaus: „Tatsächlich war ich aber auch sehr überrascht von dieser positiven Resonanz. Dass es so eine wahnsinnige Bewegung auslöst, dass so viele Menschen auf die Straße gehen, damit habe ich im Leben nicht gerechnet.“

Warum Spanien? Collien Fernandes geht auf die Anzeige ein

Eine Sache, die im Vorfeld der Talkshow bereits bekannt war, war, dass Fernandes ihre Anzeige in Spanien aufgegeben hatte. Auf die Frage ihrer Beweggründe dahinter, stellt Fernandes Folgendes klar: „Es wird ja in dem Kontext immer viel über das spanische Modell gesprochen. Also in vielen Ländern heißt es, wir müssen nach Spanien schauen, die sind total vorbildlich, was das Thema Gewalt gegen Frauen angeht. Von der digitalen Gewalt sind in erster Linie Frauen betroffen, die Täter sind eben tatsächlich meistens männlich (…) Es kann ja nichts passieren, wenn die Frauen nicht den Mund aufmachen.“

Mehr Details: Collien Fernandes erklärt, wie sie von den Deepfakes erfuhr

Collien Fernandes nutzt die Fläche auch, um die Deepfakes noch einmal konkret einzuordnen, denn auf diese wurde sie erst aufmerksam, da sich Männer, die glaubten, mit ihr eine Online-Affäre zu haben, bei ihrem Management meldeten. Diese fanden den Weg zu ihr meist über gefälschte Profile: „Dann ging das oft über in die E-Mail-Kommunikation. Dafür wurden eben E-Mail-Adressen mit meinem Namen angelegt. Und dann wurde es immer flirtiver. Irgendwann kamen Sex-Videos, irgendwann kamen Nacktbilder und teilweise gab es auch Telefonsex.“

Eine weitere Sache, die Fernandes ereilte, war aber auch eine erotische Geschichte, die über sie geschrieben wurde. „Es wurde eine erotische Geschichte verschickt, in der ich vergewaltigt werde, in der beschrieben wird, dass ich ganz klar sage, dass ich das nicht möchte, dass ich Schmerzen habe, dass ich Angst habe. Die Geschichte endet damit, dass ich spermaverschmiert auf dem Boden liege. Ich weine. Es wird immer wieder beschrieben in dieser Geschichte, dass ich weine. Und ja, darüber haben uns Männer informiert, und es gab eben ein Treffen mit jemandem, mit dem ich beruflich zu tun habe, der mich auf unsere Konversationen angesprochen hat.“

Kein Einzelfall: Collien Fernandes gibt auch anderen Frauen eine Stimme

Kurz nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe Fernandes meldeten sich auch Mareile Höppner und Lola Weippert zu Wort, denn auch sie sind Opfer von sexuellen Deepfakes geworden. Doch Collien Fernandes traf auch Personen, die nicht in der Öffentlichkeit stehen und unter Deepfakes leiden. So erzählt sie die Geschichte eines jungen Mädchens: „Ich habe eine Gruppe von Schülerinnen getroffen, die das zur Anzeige gebracht haben. Die Jüngste war 14 Jahre alt, als das passiert ist.“

Und in der Hinsicht nimmt Fernandes ein weiteres Problem wahr: „Niemand sagt: ‚Ich gehe zur Polizei‘ und geht am nächsten Tag los. Man braucht dafür – und man hat diesen Gedanken wahrscheinlich schon ewig mit sich herumgeschleppt, bis man überhaupt diesen Schritt geht. Und wenn man dann den Mut hat, diesen Schritt zu gehen, dann ist es total wichtig, wie man dort aufgenommen wird.“ Auch hier lobt sie erneut das spanische Rechtssystem, welches laut ihren Aussagen bessere Schulungen für die Rechtsinstanzen rund um diesen Kosmos durchführt.

Behörden in Deutschland arbeiten anders

Auch auf ihre Erfahrungen mit besagten Rechtsinstanzen geht Collien Fernandes deutlicher ein: „Die erste Anzeige war ja zunächst gegen Unbekannt. Und da habe ich diverse E-Mails geschrieben. Alle möglichen Sachen dort eingereicht. Dann hieß es irgendwann von meiner Ansprechpartnerin in Berlin, mit der es Mail-Austausch gab, dass man nicht mehr zuständig sei. Es ging hin und her. Und dann gab es anscheinend einen Brief, der mich nicht erreicht hat.“

Diese Geschichte reizte Miosga nachzufragen, ob sie in dieser Hinsicht von einem Einzelfall ausginge oder ob man es mit einem strukturellen Problem zu tun hätte: „Das ist das, was mir die Betroffenen, mit denen ich gesprochen habe – auch mit Anwältinnen von Betroffenen habe ich gesprochen. Und tatsächlich ist es so, was die mir geschildert haben, dass das meistens genau diesen Weg geht, dass die Frauen Dinge einreichen, und dann heißt es hinterher: ‚Das Verfahren wurde eingestellt.‘“

Nach ihrem Gespräch mit Collien Fernandes hatte Caren Miosga weitere Personen zu Gast, die sie zu diesem Thema befragte. Mit dabei waren die Justizministerin Stefanie Hubig, der leitende Redakteur zum Thema Rechtspolitik bei der „Süddeutschen Zeitung“ Ronen Steinke, sowie Theresia Crone, die Juristin werden will und ebenso wie Fernandes aktivistisch aktiv ist.

Quellen
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