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„Deadpool VR“ im Test: Großmäulige Metzel-Action – funktioniert Wade Wilson auch ohne Ryan Reynolds?

Einmal selbst Deadpool sein – „Deadpool VR“ macht das jetzt möglich. Doch wie schlägt sich das Spiel auf der Meta Quest 3?

Promo-Motiv zu „Deadpool VR“.
Auch in der virtuellen Realität lässt sich die Vierte Wand durchbrechen. Foto: Marvel

Mit dem ersten „Deadpool“-Film aus dem Jahr 2016 begann ein Hype um die großmäulige Marvel-Figur, der bis heute kaum nachgelassen hat. Ob man ihn nun amüsant oder nervig findet, niemand kann bestreiten, dass der maskierte Söldner mit Ryan Reynolds seine Idealbesetzung gefunden hat.

Doch schon drei Jahre vor dem Film begeisterte Deadpool Videospielfans mit einem launigen Shooter, der seitdem oft gelobt wurde, allerdings nur noch schwer zu bekommen ist.

Umso logischer erscheint da ein neues Deadpool-Spiel, das nicht nur von der großen Nachfrage an der Figur profitiert, sondern auch deutlich mehr Spielern die Möglichkeit gibt, die Kontrolle über Wade Wilson zu übernehmen.

Doch mit der Verfügbarkeit ist das in diesem Fall so eine Sache: Das neue Deadpool-Spiel ist zwar problemlos zu bekommen, doch als VR-Spiel haben nur Nutzer der benötigten Hardware die Möglichkeit, die Welt aus Deadpools Perspektive zu sehen.

Die Meta Quest 3: Beeindruckend und enttäuschend zugleich

Das gilt grundsätzlich erst einmal für jedes Videospiel – wer beispielsweise „Astro Bot“ spielen will, benötigt eine Playstation 5. Doch der Kauf einer VR-Brille, sei es die Meta Quest 3, mit der wir „Deadpool VR“ getestet haben, kommt für viele Gamer noch gar nicht infrage. Die Auswahl der Spiele ist zu klein und allgemein nicht gerade verlockend, die meisten Games gleichen Tech-Demonstrationen, die kurzzeitig, aber nicht dauerhaft unterhalten.

Natürlich sind moderne VR-Brillen keine reinen Spielekonsolen, im Handumdrehen lässt sich mit ihnen im Internet surfen oder das Bild des Prime-Video-Streams auf Leinwand-Größe strecken. Auch hier ist das zunächst sehr cool und beeindruckend, doch mit der Zeit verfliegt der Reiz der technischen Novität.

Dann macht sich die Ernüchterung breit: Nach nicht mal zwei Stunden lässt einen oft schon der Akku im Stich, nach einer Stunde benötigt man aber eh schon eine Pause – gerade VR-Spiele sorgen schnell für Schwindelgefühle oder sogar Übelkeit.

Hinzu kommt, dass die von uns getestete Meta Quest 3 zwar grundsätzlich einfach und recht bequem zu tragen ist, aber mit der Zeit kommt es dann doch zu einem leichten Druckgefühl auf der Stirn, das sich mit einer kleinen Nachjustierung oder – noch besser – einer längeren Pause beheben lässt.

Wer beim Komfort Abstriche machen kann und nichts dagegen hat, immer wieder mal ein Powerbank-Kabel an der VR-Brille hängen zu haben, gewöhnt sich vielleicht mit der Zeit daran, den Fernseher gegen die Meta Quest 3 auszutauschen und so in einem virtuellen, abgedunkelten Heimkino zu verschwinden.

Aber für viele bleiben VR-Brillen weiterhin vor allem eine beeindruckende Spielerei, am besten geeignet für kurze Events, etwa am Ende einer Museumsausstellung.

3D-Fernseher kamen und gingen kurz darauf wieder, weil kaum jemand Lust darauf hatte, sich eine spezielle Brille aufsetzen zu müssen, um einen Film zu sehen. VR-Brillen bieten hier deutlich mehr, sind aber auch wieder eine Brille – diesmal sogar noch klobiger – und das allein wirkt meist schon abschreckend genug.

Würdiger Ersatz für Ryan Reynolds

Nun stellt sich die Frage: Kann „Deadpool VR“ nicht nur Besitzer einer VR-Brille überzeugen (die sicher eh schon dankbar genug sind, dass nach „Batman: Arkham VR“ endlich ein neues größeres VR-Spiel erscheint), sondern auch VR-Muffel neugierig machen?

Zumindest Deadpool-Fans dürften hier in Versuchung kommen, denn Marvels Anti-Held wurde in „Deadpool VR“ ziemlich gut getroffen. Zwar konnte Ryan Reynolds nicht für das Projekt gewonnen werden, doch Neil Patrick Harris („How I Met Your Mother“) ist ein mehr als fähiger Ersatz und sabbelt ohne Unterbrechung.

Eine deutsche Tonspur gibt es ebenfalls, diese ist im direkten Vergleich aber deutlich schwächer. Wer kann, sollte sich also für die englische Originalversion entscheiden.

Was direkt auffällt, sind die zahlreichen Optionen, die einem das Spiel bietet. Nicht nur die Sprache lässt sich einstellen, auch eine Version ohne Schimpfwörter wird einem angeboten. Um Missverständnisse vorzubeugen: Hierbei handelt es sich nicht um eine jugendfreie Version, denn „Deadpool VR“ bleibt äußerst brutal und sehr, sehr blutig.

Wer aber ohne Kopfhörer spielt, könnte das nun auch gefahrlos in der Nähe von Kindern tun, auch wenn, wie bei jedem VR-Spiel, die Chance besteht, mit einer unbedachten Bewegung Personen oder Gegenstände zu treffen.

Zudem könnt ihr bestimmen, wie schnell und flüssig sich Deadpool im Spiel bewegen soll, ob eine dunkle Vignette bei Bewegungen eingeblendet wird und ob das Bild ruckeln darf. Damit lassen sich Schwindel und Übelkeit vielleicht nicht bei jedem Spieler komplett vermeiden, aber sicherlich so gut es geht einschränken.

Nach etwas längeren Ladezeiten läuft das Spiel flüssig und stürzte, zumindest in unserem Test, nie ab, also steht dem Spielspaß zumindest aus rein technischer Sicht nichts im Weg.

Waffen und abgetrennte Gliedmaßen überall

Deadpool mit gezogenen Pistolen im Auto.
„Deadpool VR“ geht rasant los, das Intro lässt sich aber auch überspringen. Foto: Marvel

Das Spiel selbst beginnt mit einem Knall. Auf einer rasanten Flucht vor Verfolgern rast Deadpool in einem Auto einen Abhang herunter und ballert in alle Richtungen. Für völlige VR-Neulinge könnte das ein wenig überwältigend sein, doch grundsätzlich ist dieser Auftakt äußerst stimmungsvoll und zeigt direkt, dass das Team von Twisted Pixel Games die Materie verstanden hat.

Sobald es dann so richtig losgeht und ihr euch als Deadpool frei bewegen könnt, muss die Steuerung erst einmal gemeistert werden. Diese unterscheidet sich nicht sonderlich von anderen Spielen dieser Art, ist aber dennoch an einigen Stellen recht hakelig. Nicht selten stellt sich die Frage, wie man „Deadpool VR“ eigentlich spielen soll.

Im Sitzen hat man, zumindest auf dem Sofa, häufig das Problem, dass man Deadpools Pistolen aus seinem Hüftgurt ziehen will, aber gar nicht bis zum Hüftgurt kommt – das Sofakissen versperrt den Weg. Im Stehen klappt das leichter, ist aber deutlich unbequemer. Ein Stuhl ohne Lehne dürfte hier die beste Lösung sein.

Wer VR-Welten bisher nur aus „Ready Player One“ kennt, sollte wissen: Bewegen lässt sich Deadpool allein durch die Controller der Meta Quest 3. Wer selbst einen Schritt nach vorne oder zurück macht, beendet kurzfristig das Spiel und muss die Brille neu kalibrieren oder einfach zum Ursprungsort zurückgehen.

Das ergibt natürlich Sinn, denn mit der VR-Brille auf der Nase sieht man nichts und könnte leicht gegen Gegenstände, Türen oder Wände laufen. Zeitgleich muss sich das Hirn erst daran gewöhnen, dass der Körper sich nicht bewegt, alles um einen herum aber ständig in Bewegung ist.

Der Mangel an starker VR-Konkurrenz macht „Deadpool VR“ nicht automatisch gut

Deadpool stattet Mephisto einen Besuch ab.
Deadpool muss mehrere Marvel-Schurken aufsuchen. Foto: Marvel

Sobald man erst einmal den Bogen raushat und sich durch zahlreiche Gänge und Räume ballert, lässt sich schnell eine recht eintönige Spielmechanik erkennen.

Die etwas altbackene Grafik lässt sich durch den Comic-Stil noch verschmerzen, Vergleiche mit modernen Next-Gen-Titeln sind hier eh fehl am Platz, aber abgesehen von Deadpool selbst und einigen netten Ideen und Anspielungen fehlt einem nach einer gewissen Zeit der Anreiz zum Weiterspielen.

Neue Waffen und Schauplatzwechsel machen immer wieder kurzzeitig Laune, aber letztendlich ballert man sich die meiste Zeit durch die recht eintönigen Level, sammelt versteckte Comichefte oder lauscht Deadpools Zoten.

Das ist, wie so viele VR-Erlebnisse, erst mal lustig und aufregend, aber der reine Spielspaß lässt zu wünschen übrig.

Für Deadpool-Fans mit einer Meta Quest 3 oder Meta Quest 3S ist „Deadpool VR“ sicherlich ein Pflichtkauf. Wer jedoch nicht zu diesem vermutlich recht überschaubaren Kreis gehört, wird sich kaum für „Deadpool VR“ allein eine VR-Brille zulegen.

Eine Meta Quest 3 und das Spiel „Deadpool VR“ wurden uns für diesen Test zur Verfügung gestellt.

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