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"Das Jahr, das unsere Erde veränderte": Die Coronapandemie als globales Experiment

Lockdown, Maskenpflicht, Kontaktbeschränkungen - die vergangenen zwölf Monate waren anders und beileibe nicht immer einfach. Doch die Pandemie hatte auch etwas Gutes. Während wir uns in unserer Freiheit so beschnitten fühlten wie selten zuvor, konnten sich die Natur und Tierwelt zum ersten Mal seit langer Zeit endlich wieder frei entfalten. Wie leer, sauber und ruhig unsere Umwelt durch den globalen Lockdown wurde und welche Auswirkungen dies hat, davon erzählt die Dokumentation "Ein Jahr, das unsere Erde veränderte".

"Das Jahr, das die Erde veränderte": Die Coronapandemie als globales Experiment
"Ein Jahr, das die Erde veränderte" erzählt in berührenden Geschichten von Tieren auf der ganzen Welt, die sich während des globalen Stillstands der plötzlichen Abwesenheit der Menschen in ihren Lebensräumen angepasst haben. Credit: BBC Studios Natural History Unit/ Foto: Apple TV+

Wie hören sich plauschende Buckelwale an? Wonach riecht die Luft in Chinas Großstädten, wenn kein Smog durch die Straßen wabert? Und welche Strecken legen Geparden-Kinder zurück, wenn ihre Mutter sie nach erfolgreicher Jagd zum Essen ruft? Sir David Attenborough kennt die Antworten darauf. Wieder.

1926 geboren, ist der britische Abenteurer, Naturforscher und preisgekrönte Dokumentarfilmer („Unser Planet“) in einer Zeit aufgewachsen, in der niemand auf die Idee kam, solcherlei Fragen überhaupt zu stellen, da ihre Antworten auf der Hand lagen. In den 94 Jahren seines Lebens wurde er jedoch Zeuge davon, wie sie langsam in Vergessenheit gerieten. Die Weltbevölkerung verachtfachte sich. Die Menschheit brauchte Platz, drang in immer entlegenere Gebiete vor und verdrängte Natur und Tierwelt.

Davon erzählen auch Sir David Attenboroughs Filme. Sie zeigen, wie sehr wir uns unsere Umwelt in den letzten Jahrzehnten Untertan gemacht, was wir verloren haben – und welche Schönheit und Artenvielfalt es dringend zu beschützen gilt. So auch sein neuestes Projekt.

 

Die Pandemie als Chance für uns, die Tiere und Natur

„Ein globales Experiment epischen Ausmaßes“ - mit diesen Worten beschreibt Sir David Attenborough die Coronapandemie. Er und viele andere Wissenschaftler, Biologen und Dokumentarfilmer sehen in der Krise, die die ganze Welt seit über einem Jahr in Atem hält, nicht nur eine Bedrohung, sondern auch eine Chance, für die Natur, für die Tiere und letztendlich auch für uns. Die von ihm eingesprochene, 48-minütige Dokumentation „Das Jahr, das unsere Erde veränderte“ blickt aus einem neuen Winkel auf die Entwicklungen des letzten Jahres und begleitet Tiere überall auf der Welt während des globalen Stillstands.

Das Jahr, das die Erde veränderte: Pinguine in Cape Town
Die Straßen sind frei: Pinguine in Cape Town. Credit: BBC Studios Natural History Unit/Apple TV+

Es sind Szenen, die aus einem apokalyptischen Hollywood-Blockbuster stammen könnten: Die Straßen menschen- und autoleer. Geschichtsträchtige Orte wie das Collosseum in Rom, durch die sich in einem „normalen Jahr“ Touristenströme ziehen, sind verlassen. Strände, an denen sich sonst dicht an dicht Sonnenanbeter:innen tummeln, wirken verwaist. Doch der Schein trügt.

Zum ersten Mal seit langer Zeit sind es vielerorts Tiere, die den nun frei gewordenen Raum und die Stille einnehmen und zu schätzen wissen. In südamerikanischen Vororten stromern Wasserschweine wenige Monate nach Pandemiebeginn unbehelligt in Gärten herum, die in ihrem einstigen Lebensraum errichtet wurden. An der Südostküste Alaskas sind Buckelwale durch den fehlenden Lärm der Kreuzfahrtschiffe so geschwätzig wie Biologen es nie zuvor miterlebten, was sich auch positiv auf ihren Nachwuchs und ihre Futtersuche auswirkt. Und in Maasai Mara in Kenia ist die Überlebenschance von Gepardenkindern deutlich gestiegen, seit Jeepladungen voller Touristen den Nationalparks fernbleiben.

Das Jahr, das die Erde veränderte: Meeresschildkröten
Mit der Schließung zahlreicher Strände erreichte die Zahl der überlebenden Brut der Meeresschildkröten in Florida einen Höchststand. Credit: BBC Studios Natural History Unit/Apple TV+

„Von der Minute an, in der wir auf ‚Pause‘ gedrückt haben, konnte die Erde wieder atmen“, so Sir David Attenborough, als die Dokumentation uns auf eine Reise zu den Singvögeln Kaliforniens, den Pinguinen Kapstadts, ins indische Jalandhar unweit des Himalajas und zu einem Leoparden mitnimmt, der sich in einer südafrikanischen Lodge heimisch eingerichtet hat.

Wenn die sonore Stimme des Tierfilmers ertönt, sieht man ihn vor dem inneren Auge immer wieder lächeln. Was er vorträgt, ist wohlüberlegt und anschaulich beschrieben, oft schockierend, mal amüsant - aber vor allem hoffnungsspendend. Ohne den Zuschauer mit Fakten zu erschlagen, stellt er Monat für Monat die globalen und nationalen coronabedingten Entwicklungen der Menschen- denjenigen der Tierwelt gegenüber und lässt Forscher zu Wort kommen, die kaum enthusiastischer über die Wunder der Regenerationsfähigkeit des Tierreichs sein könnten. Mit eindrucksvollen Bildern, von denen es gerne noch mehr hätte geben können, huldigt "Das Jahr, das unsere Erde veränderte" der Welt, die uns umgibt. Und erzählt damit eingängig, wie sich unsere Abwesenheit schon in kürzester Zeit positiv auf unsere Umwelt ausgewirkt hat und wie widerstandsfähig Natur sein kann, wenn man sie lässt.

"Das Jahr, das die Erde veränderte": Leopard in menschenleerer Lodge
Beim Anblick dieser sonst so seltenen, nachtaktiven Raubkatze kamen dem Kameramann die Tränen. Credit: BBC Studios Natural History Unit/Apple TV+

Regisseur Tom Beard und der Natural History Unit der BBC-Studios haben hier Filmmaterial zusammengetragen, das sich als Liebesbrief an unseren Planeten versteht, zum Nachdenken anregt und am Ende Handlungsvorschläge an die Hand gibt, um in Zukunft friedlich zu koexistieren. So wie in Assam, Indien, wo es Farmgemeinschaften geschafft haben, einen seit Jahrzehnten andauernden Konflikt zwischen Bauern und Elefanten beizulegen, indem sie eigens Futterplantagen für die Tiere angelegt haben, um sie von ihrer eigenen Ernte fernzuhalten. Oder wie in Florida, wo Strandsperrungen für wenige Stunden am Tag schon das Überleben unzähliger Meeresschildkröten sicherstellen können. 

Vielleicht liegt hinter uns nicht nur ein Jahr, das die Erde veränderte, sondern ganz speziell auch uns ändert. Es ist fast schon zynisch, dass ausgerechnet eine weltweite Pandemie dafür sorgen musste, dass wir unsere Lebensweisen so stark umstellen, damit die Natur endlich einen wohlverdienten Moment zum Atmen bekommen konnte. Und gleichzeitig ist möglicherweise jetzt der Moment, den Sir David Attenborough Zeit seines Lebens anstrebte und in dieser Dokumentation nicht weniger eindringlich zu vermitteln sucht. Uns (hoffentlich endgültig) wachzurütteln, um der Natur und den Tieren wieder Platz einzuräumen, auf ihre Bedürfnisse zu achten. Und uns gleichzeitig Hoffnung zu machen, dass wir noch eine Chance haben, das Ruder herumzureißen, wenn wir jetzt handeln. Im Einklang mit den Lebewesen, mit denen wir uns diesen Planeten teilen.

Anlässlich des Earth Day am 22. April 2021 sind die Dokumentarfilm-Specials „Das Jahr, das unsere Erde veränderte“ und die zweiten Staffeln von „Tiny World“ und „Die Welt in den Farben der Nacht“ derzeit bei Apple TV+ zu sehen. Die Dokus werden in einem speziellen Earth Day-Raum präsentiert, der eine kuratierte Sammlung von Inhalten zu Umweltthemen enthält, darunter unter anderem „Hier sind wir: Anleitung zum Leben auf der Erde“, „Long Way Up“, „Die Elefantenmutter“ und „Fireball: Besuch aus fernen Welten“.

Von Sophie Piper

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