„Avatar: Fire and Ash“: Stillstand auf Pandora – James Cameron dreht sich im Kreis | Kritik
Der dritte (und vielleicht letzte) „Avatar“-Film erfordert gutes Sitzfleisch, ist letztendlich aber nur eine ereignisreichere Kopie des Vorgängers.

Kein Regisseur liebt sich und sein Werk so sehr wie Quentin Tarantino, aber in der Liste der großspurigen Hollywood-Legenden landet James Cameron ebenfalls auf einem der oberen Plätze. Studios und Produzenten werden von ihm nicht mit Feingefühl und guten Argumenten, sondern vor allem mit sehr viel Selbstbewusstsein und ein wenig Druck von einem Projekt überzeugt.
Ein riskantes Manöver, das sich in der Vergangenheit aber stets ausgezahlt hat. Filme wie „Titanic“, „Avatar“ oder „Avatar: The Way of Water“ wurden während ihrer Entstehung immer wieder kritisch beäugt, die steigenden Kosten sorgten für hämische Flop-Prophezeiungen. Aber im Film-Business gibt es das Motto: „Man zweifelt nicht an James Cameron“, und das hat sich immer wieder als korrekt herausgestellt.
Tatsächlich bot „Avatar: Fire and Ash“ Zweiflern im Voraus wenig Futter. Alle Argumente, etwa der schwache popkulturelle Fußabdruck von „Avatar“ oder das sinkende Interesse an der Geschichte nach einer zu langen Wartezeit, wurden bereits vor „Avatar: The Way of Water“ geäußert – und James Cameron bewies allen das Gegenteil.
Selbst wenn man den Erfolg der „Avatar“-Reihe nicht versteht, ist die Nachfrage offensichtlich da. Ob das so bleibt, wird sich jedoch zeigen, denn mit „Fire and Ash“ bringt Cameron nun den bisher enttäuschendsten Trip nach Pandora in die Kinos.
Bunter Eskapismus als Erfolgsformel

„Avatar – Aufbruch nach Pandora“ erzählt eine nur allzu bekannte Geschichte, „Der mit dem Wolf tanzt“ im All, aber im Jahr 2009 löste der Film einen gewaltigen 3D-Hype aus und überzeugte mit starken Bildern und einem durchdachten Worldbuilding. Wer sich „Avatar“ mehrfach angesehen hat, tat das nicht, weil Jake Sully so eine interessante Figur ist – ganz im Gegenteil –, sondern einfach, weil Pandora so ein schöner und faszinierender fiktionaler Ort war.
„Avatar: The Way of Water“ stützte sich dann genau auf diese Stärken. Nach einem recht ungelenken Einstieg, der sehr viel Exposition hinter sich bringen musste, findet die Familie Sully bei dem Wasservolk der Metkayina eine neue Heimat.
Mit einer Laufzeit von über drei Stunden kann es sich der Film erlauben, das Tempo deutlich zu drosseln und die weiterhin kaum mitreißende Hauptstory in den Hintergrund rücken zu lassen. Stattdessen wird Pandora hier gekonnt erweitert, die neuen Gebräuche und die Eindrücke im außerirdischen Ozean waren eine magische, filmgewordene Entschleunigung – wenn man denn dazu bereit war, sich darauf einzulassen.
Nach einem actionreichen Finale mit offenem Ende setzt „Fire and Ash“ nun genau dort an, wo wir Jake, Neytiri, Kiri und Co. zuletzt gesehen haben. Vor allem der Verlust von Sohn Neteyam wiegt noch schwer und nimmt vor allem Neytiri sehr mit, die mittlerweile nur noch Hass für alle Menschen empfindet. Das hat natürlich jede Menge Potenzial für große Konflikte, denn nicht nur, dass ihr Ehemann selbst von der Erde stammt, auch Ziehsohn Spider ist ein Mensch und kommt immer wieder in heikle Situationen, da er die Luft von Pandora nicht ohne Sauerstoffmaske atmen kann.
Um Spider an einen sicheren Ort zu bringen, bricht die Familie mit einigen fliegenden Händlern auf, wird dabei aber von den „Ash People“ angegriffen. Diese Na’vi, angeführt von Varang, zeigen keine Gnade und nutzen Feuer auf möglichst zerstörerische Weise.
So wird in „Fire and Ash“ schon früh eine neue Ausgangslage geschaffen: Die Sullys sind nach dem Angriff in alle Himmelsrichtungen verstreut und bekommen es nicht nur mit Varang, sondern natürlich auch mit Col. Miles Quaritch zu tun, der Jake Sully aus dem Weg räumen will. Zeitgleich ist er auch sehr an Spider interessiert, dem Sohn seiner menschlichen Vorlage, der jedoch nichts von Quaritch und den finsteren Absichten der RDA wissen will.
Ein bisschen anders und doch sehr gleich

Ein interessanter Fakt, der sich letztendlich aber negativ auf „Fire and Ash“ auswirkt, ist, dass die Ereignisse des Films ursprünglich innerhalb von „The Way of Water“ stattfinden sollten. Das war ein zu ambitionierter Plan, weshalb das Drehbuch letztendlich aufgeteilt wurde.
Allerdings handelt es sich hier nicht einfach um „The Way of Water – Teil 2“, sondern viel eher um „The Way of Water 2.0“, denn die Handlung wurde nicht etwa in der Mitte geteilt, sondern kreuz und quer auf die beiden Filme verteilt.
Das verschaffte „The Way of Water“ den zuvor lobend erwähnten Freiraum für ruhigere Szenen, doch bei „Fire and Ash“ entsteht das Gefühl, dass einerseits sehr viel passiert, man nach 197 Minuten aber kaum vorangekommen ist. Figuren werden gefangen und wieder befreit, Nebenfiguren sterben, hier und da werden kleinere offene Fragen gelöst – aber der große Showdown von „Fire and Ash“ entspricht, zumindest gefühlt, zu 80 Prozent dem Finale von „The Way of Water“. Selber Schauplatz, selber Ausgang – es ist schon erstaunlich, wie wenig Atempausen einem der Film lässt, um sich letztendlich dann doch nur im Kreis gedreht zu haben.
Und der größte Trumpf der „Avatar“-Filme, die Erkundung und Erweiterung von Pandora, kommt diesmal viel zu kurz. Das Lager der Ash People kann nicht mit den Metkayina mithalten und ist deutlich kleiner und karger, abgesehen davon bleiben wir vor allem an vertrauten Standorten.
Allein die fliegenden Händler stellen eine interessante Ergänzung dar, sind aber nur sehr kurz Teil der Geschichte. Mit Glück werden sie in den kommenden Filmen eine größere Rolle spielen, die Verpflichtung von Darsteller David Thewlis für Teil 4 und 5 spricht zumindest dafür. Doch apropos weitere Filme …
Kein rundes Ende
Wie bereits erklärt, bietet „Avatar: Fire and Ash“ zwar einige Antworten und schließt bestimmte Handlungsstränge ab, aber ein zufriedenstellendes Ende für die Figuren oder Pandora selbst bekommt man hier nicht geboten. Das ist vom Mittelpunkt eines geplanten Fünfteilers auch nicht zu erwarten, aber es ist schon auffällig, wie die Darsteller und auch James Cameron selbst aktuell immer wieder betonen, dass weitere Filme keinesfalls bestätigt sind und „Fire and Ash“ durchaus auch als Abschluss funktioniert.
Einerseits stimmt das kein bisschen – selbst die „Phantastische Tierwesen“-Reihe hatte ein runderes Ende –, und andererseits überrascht James Camerons Zurückhaltung. Im Interview mit uns stellte er sogar infrage, ob er überhaupt Lust darauf hat, weitere Filme zu drehen oder ob er die Franchise nicht einfach an einen anderen Regisseur abgeben sollte.
Möglicherweise hängt hier einfach alles vom Einspielergebnis ab, aber vielleicht ist dem Team hinter „Avatar“ einfach die Lust an Pandora vergangen. Nach „Fire and Ash“ wird es vielen Zuschauer:innen sicher ähnlich gehen.










