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"Assassin’s Creed Valhalla" angespielt: So gut ist das Spiel wirklich! | Preview

Wenige Wochen vor dem Release von "Assassin’s Creed Valhalla" durften wir mit den Wikingern auf große Eroberungstour gehen. Wie uns der neue Teil der "Assassin’s Creed"-Reihe gefallen hat, lest ihr in unserer Preview!

Assassins Creed Valhalla Stonehenge
Wenn die Wikinger plötzlich auf Stonehenge treffen: Wir konnten "Assassin's Creed Valhalla" drei Stunden lang anspielen. Unsere Eindrücke lest ihr hier! Ubisoft

Bei Odins Bart, warum will uns der anglosächsische Sturkopf nicht einfach sein Land überlassen? Doch einem Trupp von stolzen Wikingern gibt man nicht einfach Kontra, ohne das irgendwann bitterlich zu bereuen. Und so kommt es bereits im ersten Drittel unserer knapp dreistündigen Anspielsession zu "Assassin’s Creed Valhalla" zum obligatorischen "Assault" auf die Burg: Während wir die ersten feindlichen Fußtruppen kurz mal um einen Kopf kürzer machen, positionieren wir uns seitlich von einem Rammbock und stürmen auf die gut gesicherten Burgtore mit voller Wucht zu. Eine erste Welle von gegnerischen Pfeilen, die von der Burgmauer erbarmungslos auf uns niederprasseln, halten wir mit unseren in die Höhe gestreckten Holzschilder ab, während wir wieder Anlauf nehmen, um die Burgtore im 6. Anlauf tatsächlich zum Fall zu bringen. Das kurze Hochgefühl wird schnell von der grausamen Realität eingeholt: Ungefähr ein Dutzend Widersacher läuft uns mit erhobenen Schwertern entgegen. Wir nehmen unsere Äxte in die Hand und stürzen uns in die nächste Phase der Schlacht...

 

Kämpfen wie ein Wikinger | Allianzen und Feinde

Assassins Creed Valhalla
Die Kämpfe fallen in Valhalla deutlich wuchtiger und mitreißender aus!      Ubisoft

Raubzüge auf einzelne Siedlungen oder epische Kämpfe um Festungen und Gebiete sind eine der großen Neuerungen, die "Assassin’s Creed Valhalla" neben den obligatorischen Neuerungen des Wikinger-Szenarios integriert. Tatsächlich gehörte der Sturm auf die Burg, den wir im Rahmen einer Story-Quest erfüllen mussten, zu den großen Highlights unserer knapp dreistündigen Spielsession. Das liegt auch daran, dass sich unser männlicher Titelheld Eivor (Ubisoft lässt euch wie auch bei AC: Odyssey zu Beginn zwischen einer weiblichen und männlichen Hauptfigur wählen) vor allem im Kampfgeschehen sehr wuchtig und kraftvoll steuert. Mittels einer schweren Attacke zertrümmern die wir das Schild der britischen Widersacher, jagen sie mit einem weiteren Axthieb ins Jenseits oder treten sie mit einem kräftigen Fußtritt ins Nirvana. Natürlich ist das alles andere als subtil oder grazil, aber so sollten sich Wikinger in einem neuen "Assassin’s Creed" auch nicht steuern. Selbstverständlich beherrscht Eivor auch Pfeil und Bogen oder darf auf starke Spezialattacken zurückgreifen, in denen er die Gegner fast schon "Hulkmäßig" gegen Wände wuchtet oder sie gleich mit geworfenen Dual-Äxten aus der sicheren Distanz bearbeitet. Viel Zeit zum Nachdenken über die richtige Vorgehensweise bleibt beim "Assault" aber nicht, da das Geschehen sehr hektisch und unübersichtlich bleibt – im besten Sinn.

Es ist eben auch eine ziemlich chaotische Zeit, in der Spieler in "Assassin’s Creed Valhalla" eintauchen dürfen: Der Konflikt zwischen den Angelsachen und den nordischen Invasoren befindet sich allmählich auf dem Siedepunkt. Im 9. Jahrhundert verließen die mächtigen Wikinger das eisige Ödland in Norwegen, um sich in der malerischen Kulisse von Großbritannien niederzulassen. Das Problem: England im 9. Jahrhundert ist nicht nur ein großer gesellschaftspolitischer Flickenteppich, sondern auch alles andere als "amused", die rauen Herren aus dem Norden als neue Anführer zu akzeptieren. Doch mit netten Worten ist es eben nicht getan: Um sich auch dauerhaft einen Namen zu machen und wichtige Allianzen zu schmieden, muss Eivor mit seinen Landsmännern Gebiete für sich beanspruchen – koste es, was es wolle. Zu Beginn der Anspielsession wird auch klar, wie das Fortschrittssystem in "Assassin’s Creed Valhalla" funktionieren soll: Ihr wählt ein Gebiet aus einer Landkarte und beansprucht es für euch. Danach wird eine umfangreiche Quest-Reihe freigeschaltet, die uns über die komplette Spielzeit der Preview-Session beschäftigt hat.

 

"Assassin’s Creed Valhalla": Wikinger in der Identitätskrise

Assassins Creed Valhalla
Stealth als Wikinger? Einige Designentscheidungen von Valhalla sind durchaus diskussionswürdig!     Ubisoft

Während wir stimmungsvoll mit unserem Drachenboot in Richtung Hauptquest segeln, können wir einzelne Siedlungen auf unserem Weg raiden oder folgten im weiteren Verlauf bspw. den Rufen einer Frauenstimme, die auf den ersten Blick in einem Turm gefangen gehalten wird und um Hilfe schreit. Als wir uns ihres vermeintlichen Übeltäters entledigen, kommt natürlich heraus, dass die gute Dame eigentlich nur ein amüsantes Rollenspiel aufziehen wollte und von uns nun überraschend "unterbrochen" wurde. Weltevents wie diese erweitern die Missionsvielfalt von "Assassin’s Creed Valhalla" mit einer speziellen Art von Nebenquests. Was die Hauptquest angeht, blieben große Überraschungen aus: Auf der Suche nach dem entflohenen Herrscher versuchen wir dessen Gattin aus einer Burg zu entführen, im feindlichen Gebiet nach Spuren suchen oder uns letztendlich doch einer Zielperson zu entledigen. Teilweise wirkt "Assassin’s Creed Valhalla" auch in der Hauptquest seltsam unentschlossen: Repräsentieren wir jetzt doch den brutalen Wikinger, der ohne Rücksicht auf Verluste plündert und zerstört oder sind wir eher der nordische Diplomat, der sinnvoll Allianzen schmiedet und die heimische Bevölkerung auf seine Seite ziehen will? Statt uns die Wahl zu lassen, springt das Spiel innerhalb von kurzer Zeit zwischen diesen Szenarien hin und her. Uns mit Eivor zu identifizieren, fiel deshalb richtig schwer.

Diese seltsame Ambivalenz spiegelt sich in verschiedenen Bereichen des Spiels wider: Rüstungen und Equipment lässt sich sinnvoll aufleveln, sodass sich der Grind nach neuem Loot tatsächlich in Grenzen halten dürfte. Gleichzeitig wirkt das Skillsystem seltsam beliebig: Wir verteilen nach Level-Aufstiegen Skill-Punkte in den Bereichen Bär, Wolf, Rabe, die für Fernkampf, Nahkampf und Aufklärung stehen. Tatsächlich fallen die Skill-Aufstiege nicht nur marginal und unspannend aus, sondern ähneln sich selbst in den einzelnen Skill-Bereichen frappierend. Und warum gibt es gerade als Wikinger plötzlich wieder Stealth-Einlagen inkl. spektakulärer Klettereinlagen entlang Burgmauern, die sich zwar nicht so schlecht spielen, aber gerade im Wikinger-Szenario seltsam unpassend wirken? Manchmal, so hat man eben das Gefühl, ist Valhalla doch nur ein neuer "Assassin’s Creed"-Skin mit neuen Funktionen, Missionen und Helden, dem es jedoch an Finetuning und mehr Detailtreue mangelt.

Was wir aktuell noch nicht final einschätzen können, ist das Storytelling des Spiels: Die Quest-Reihe überzeugte zwar mit relativ gut gezeichneten Figuren und kleineren Wendungen, die große Spannungskurve blieb jedoch aus, weil die Aufgaben dann doch nach dem relativ typischen Action-Adventure-Muster aufgebaut waren. Von der erzählerischen Klasse eines "The Witcher 3", an das wir zumindest dank der Szenerie des Öfteren denken mussten, ist "Assassin’s Creed Valhalla" leider weit entfernt.

 

"Assassin’s Creed Valhalla": Eine Szenerie zum Verlieben

Assassins Creed Valhalla Ubisoft
Auch im wunderschönen Norwegen spielt AC: Valhalla       Ubisoft

In welchem Bereich Valhalla allerdings nicht enttäuscht, ist die Darstellung der wunderschönen anglosächsischen Landschaft. Wir durften das Spiel über eine Remote-Lösung namens Parsec spielen, in der der Detailgrad noch ein wenig heruntergefahren werden musste, um ein flüssiges und möglichst latenzfreies Spielgeschehen zu ermöglichen (und das hat tatsächlich erstaunlich gut funktioniert). Trotzdem beeindruckte uns die Spielwelt vor allem mit ihrem schönen Detailgrad sowie der tollen Lichteffekte, auch ohne Raytracing-Unterstützung. Wenn wir mit Eivor kurz vor dem Sonnenuntergang auf einen Hügel zusteuern und einen Blick auf die Weite der malerischen Landschaft werfen, macht das schon richtig viel Eindruck und schürt die Vorfreude auf den finalen Release des Spiels. Auf Xbox Series X und auch PlayStation 5 soll "Assassin’s Creed Valhalla" sogar in 4K Auflösung mit 60 Bildern pro Sekunde laufen, was fast schon eine Sensation wäre, wenn man sich bspw. die mäßige Performance des hardwarehungrigen Vorgängers "Assassin’s Creed Odyssey" auf dem PC anschaut. Es bleibt also spannend, wie viel Grafikpower die Next-Gen tatsächlich auf die TV-Bildschirme zaubert, wenn "Assassin’s Creed Valhalla" als Cross-Gen-Titel pünktlich zum Release-Tag sowohl auf Xbox Series X | S als auch auf PlayStation 5 erscheint.

 

Assassin’s Creed Valhalla: Unser erstes Fazit der Preview

Knapp drei Stunden durften wir uns mit Eivor in "Assassin’s Creed Valhalla" austoben und hatten durchaus unseren Spaß: Besonders die coolen Raubzüge bzw. Belagerungen, samt epischer Musikuntermalung und dem spürbar verbesserten Kampfsystem sorgten für einige Highlights, die die Vorfreude auf den Release des Spiels durchaus anheizen. Allerdings bleiben nach unserer Anspielsession auch viele Fragezeichen, was Storytelling, Charakterentwicklung und die generelle Langzeitmotivation angeht. So ein bisschen wirkt es, als ob TitelheldIn Eivor noch ein wenig in der Identitätskrise steckt, zumindest wenn man den Eindrücken nach knapp drei Stunden Spielzeit und einer größeren Storyquest glauben möchte. Doch schon in weniger als einem Monat wissen wir hoffentlich, wohin die Reise der Wikinger tatsächlich gehen wird.

„Assassin’s Creed Valhalla“ erscheint am 10. November 2020 für PS4, Xbox One, PC und Xbox Series X | S. Das Spiel erscheint ebenfalls zum Launch der PlayStation 5 am 19. November 2020. Wer das Spiel auf Xbox One oder PS4 kauft, kann gratis auf die jeweilige Next-Gen-Fassung updaten.

Hier könnt ihr die PS4-Fassung des Spiels bei Amazon vorbestellen. Den Gameplay-Trailer seht ihr hier:

 

Text: David Rams



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