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„A Toxic Love Story“: Wo ist Michelle Hadley heute – und was wurde aus Ian Diaz und Angela Connell?

„A Toxic Love Story“ erzählt einen Fall voller Manipulation, Lügen und Verrat. Doch was geschah wirklich zwischen Michelle Hadley, Ian Diaz und Angela Connell – und wo sind sie heute?

Michelle sitzt an einem Holztisch und erzählt ihre Geschichte
Was ein Albtraum: Michelle Hadley wird von ihrem Ex-Verlobten und seiner Frau eine fiese Falle gestellt. Foto: COURTESY OF NETFLIX

Mit „A Toxic Love Story“ bringt Netflix nach „Elize: Schatten einer Frau“ direkt den weiteren aufsehenerregenden True-Crime-Fall auf den Bildschirm. Im Mittelpunkt steht Michelle Hadley, die beschuldigt wird, einen perfiden Plan gegen die neue Partnerin ihres Ex-Freundes geschmiedet zu haben.

Doch je tiefer die Ermittlungen reichen, desto mehr Lügen, Manipulationen und überraschende Wendungen kommen ans Licht – und plötzlich ist unklar, wer in diesem Fall wirklich Opfer und wer Täter ist.

Triggerwarnung

In diesem Artikel geht es um sexualisierte Gewalt. Bei manchen Menschen kann dieses Thema negative Reaktionen auslösen. Bitte sei achtsam, wenn das bei dir der Fall ist!

Michelle Hadley und Ian Diaz: Vom Traum zum Albtraum

Michelle Hadley lernte den damaligen US-Marshal Ian Diaz 2013 über eine Dating-App kennen. Damals habe sie sich nach einem klassischen „Leben mit weißem Gartenzaun“ gesehnt, wie sie in der Netflix-Doku erzählt.

Diaz habe zunächst genau diesem Bild entsprochen. Er sei „aufmerksam, süß und nachdenklich“ gewesen, erinnert sich Hadley. Das Paar verlobte sich und kaufte im Juni 2015 gemeinsam eine Eigentumswohnung. Für Michelle fühlte sich dieser Schritt wie eine natürliche Entwicklung der Beziehung an.

Doch dann wendete sich das Blatt, laut Michelle wurde Ian zunehmend unberechenbarer. Sie erzählt, dass er sie immer stärker dazu drängte, bei einer Fantasie mitzumachen, bei der er zusehen wollte, wie sie mit einem anderen Mann Sex hat. Obwohl sie mehrfach ablehnte, blieb Ian hartnäckig. An einem Valentinstag ließ sie sich schließlich darauf ein.

„Ich erinnere mich nur daran, dass ich das Gefühl hatte, ein wunderschöner Teil von mir wäre gestorben“, sagt Michelle in der Dokumentation. „Dieser Teil von mir, der unabhängig von all der Hässlichkeit in der Welt existiert hatte – und er hat ihn einfach verdammt noch mal zerstört.

Doch auch danach wurde Ians Verhalten Michelle zufolge nicht besser. Er soll zunehmend kontrollierend geworden sein, habe ihre Aufenthaltsorte verfolgt und ihr Angst gemacht. „Ian hatte immer seine Waffe bei sich. Ich hatte einfach das Gefühl, dass er ständig da war und mich beobachtet hat“, erzählt Michelle in der Doku. „Als wäre ich ein gejagtes Tier.“

Kurz darauf kam die Trennung. Im August 2015 zog Hadley aus der gemeinsamen Wohnung aus. Rückblickend sagt sie in der Dokumentation: „Alles nahm eine Wendung zum Schlechteren.“ Nach der Trennung schrieb Michelle einige wütende Nachrichten an Diaz. Eine davon enthielt die Worte: „Mach dich bereit, die Wahrheit kommt ans Licht. Gottes Gesetz steht über allen Gesetzen, auch über dem Gesetz der Menschen … Lilith.“

Wofür wurde Michelle Hadley verurteilt?

Im Januar 2016 lernte Ian Diaz Angela Connell in einem Starbucks in Anaheim kennen. Diaz sagte später gegenüber der Polizei, sie sei „alles gewesen, was ich mir jemals von einer Frau gewünscht habe“.

Nur einen Monat später heirateten die beiden. Connell zog in die Wohnung ein, die Diaz zuvor mit Michelle geteilt hatte. Doch wenig später begann Connell, bedrohliche Nachrichten von einer Person namens „Lilithistruth“ zu erhalten. Darin wurde behauptet, sie habe jemandem ein „wertvolles Zuhause“ gestohlen und werde beobachtet.

Als die Polizei fragte, wen sie hinter den Nachrichten vermuteten, nannten Connell und Diaz beide Michelle Hadley. Der Konflikt eskalierte, als ein gefälschtes Craigslist-Profil auftauchte, das mit Bildern von Connell erstellt worden war und einen Mann für eine sexuelle Fantasie suchte. Kurz darauf behauptete Connell, in der Garage ihres Hauses angegriffen worden zu sein.

Bei ihrem Notruf sagte sie laut Aufzeichnung: „Jemand kam von hinten, hat mich gegen die Wand gestoßen, mich gewürgt und gesagt, dass ich es bekommen werde und dass es Zeit ist, dass ich vergewaltigt werde.“

Noch am selben Abend wurde Michelle Hadley festgenommen und später wegen Stalking und Belästigung verurteilt.

Eine Frau lächelt einen bärtigen Mann im Anzug an.
Foto: COURTESY OF NETFLIX

Warum wurde der Fall nochmal neu aufgerollt?

Die Öffentlichkeit sah sie zunächst als Täterin eines bizarren Rachefeldzugs. Doch nach und nach kamen Zweifel an Angela Connells Geschichte auf.

Ihr Ex-Freund Jason Rayburn berichtete in der Dokumentation, dass Connell ihm zu Beginn ihrer Beziehung erzählt habe, sie habe Krebs im Stadium 4. Sie habe ihn jedoch nie zu ihren angeblichen Chemotherapie-Terminen mitgenommen. Als er schließlich eine Arztpraxis aufsuchte, erfuhr er, dass Connell dort nicht wegen Krebs behandelt wurde, sondern wegen einer Muttermalentfernung.

Auch andere Lügen kamen ans Licht. So soll Connell unter anderem behauptet haben, beim Justizministerium zu arbeiten. Außerdem wurde bekannt, dass sie ein fremdes Foto aus einer Chemotherapie-Sitzung genutzt hatte, um ihre eigene Krankheitsgeschichte zu untermauern.

Schließlich stellte sich heraus: Auch die Schwangerschaft mit Zwillingen, von der Connell berichtet hatte, existierte nicht. Diaz entdeckte ein manipuliertes Ultraschallbild und veränderte Schwangerschaftstests.

Für Diaz’ Umfeld änderte das alles die Perspektive. Eine Freundin von ihm sagt in der Doku: „Habe ich mich plötzlich gefragt: Kamen all diese E-Mails wirklich von Michelle?

Die Wahrheit hinter „Lilithistruth“

2017 begann das US-Justizministerium eine Untersuchung gegen Angela Connell und später auch gegen Ian Diaz. Ermittler untersuchten, ob Diaz seine Position als Deputy US Marshal missbraucht hatte.

Jason Higley, ein Ermittler des DOJ, berichtet in der Dokumentation, dass ihm bei der Analyse der Beweise vor allem Diaz’ Verhalten auffiel. Er habe eine deutliche Feindseligkeit gegenüber Michelle gezeigt und Connell offenbar beeinflusst.

Die entscheidende Spur führte schließlich zu einem Mann namens Rick, der auf die Craigslist-Anzeige reagiert hatte. Ursprünglich ging man davon aus, dass Michelle hinter dem Profil steckte. Digitale Ermittlungen zeigten jedoch, dass eine Nachricht von Diaz’ persönlichem E-Mail-Konto stammte.

Die Ermittler kamen zu dem Schluss: Diaz selbst hatte sich als „Lilithistruth“ ausgegeben.

Wo ist Michelle Hadley heute?

Nach ihrer Freilassung widmet sich Michelle Hadley heute der Unterstützung von Überlebenden von Missbrauch und Manipulation. Mit ihrer Geschichte möchte sie anderen Betroffenen Mut machen.

„Ich möchte, dass sie weiß, dass sie nicht allein ist“, sagt Michelle in der Dokumentation. Jede Frau, die etwas Ähnliches erlebt habe, sei auf der anderen Seite stärker geworden: „Wir können ein Licht im Sturm sein.“

Besonders setzt sie sich gegen finanzielle Gewalt ein. Michelle verlor ihre Ersparnisse durch die gemeinsame Eigentumswohnung mit Diaz und erhielt das Geld nie zurück.

Ihr Appell richtet sich nicht nur an Betroffene, sondern auch an die Gesellschaft: „Lasst uns aufhören, die Verantwortung allein auf die Schultern der Überlebenden zu legen. Lasst uns als Gesellschaft mehr Verantwortung für die Folgen solcher Fälle übernehmen.“

Sie weiß, dass öffentliche Aufmerksamkeit auch negative Reaktionen bringen kann. Doch für Michelle zählt vor allem eines: „Wenn ich auch nur eine Frau erreichen kann, die sich in dieser Situation befindet, dann war es das wert.“

Was wurde aus Angela Connell?

Angela Connell bekannte sich wegen Betrugs, Freiheitsberaubung und falscher Anzeige schuldig. Sie verbrachte fünf Jahre im Gefängnis und verließ nach ihrer Entlassung Kalifornien.

Über ihr heutiges Leben ist wenig bekannt. Die Produzenten von „A Toxic Love Story“ wollten auch ihre Sicht der Ereignisse zeigen, doch Connell lehnte eine Teilnahme an der Dokumentation ab.

Sitzt Ian Diaz heute im Gefängnis?

Ja. Ian Diaz verbüßt derzeit eine zehnjährige Bundesstrafe wegen Cyberstalkings, Verschwörung, Meineids und Behinderung eines Bundesverfahrens.

Seine Verurteilung wurde im Januar 2025 vom Berufungsgericht bestätigt. Auch Diaz wurde für die Netflix-Dokumentation kontaktiert, lehnte jedoch ein Interview ab.

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