Böhmermann-Nachfolger: „Journal Deluxe“ als politisches Kontrastprogramm gegen Links?
Nach dem angekündigten Böhmermann-Aus setzt das ZDF auf Florian Schroeder. Neue Details zu „Journal Deluxe“ lassen aufhorchen: Ein internes Konzept gibt Einblicke in die politische Ausrichtung und nennt überraschende mögliche Gäste.

Das Timing dürfte viele Fans aufhorchen lassen: Nur wenige Tage nach der Ankündigung des Böhmermann-Aus und dem baldigen Ende von „ZDF Magazin Royale“ kündigte das ZDF im September ein neues Satireformat an. Moderiert wird „Journal Deluxe“ von Kabarettist Florian Schroeder. Auch der Name, der an „Neo Magazin Royale“ erinnert, erweckt den Eindruck einer Böhmi-Nachfolge bzw. eines Ersatzes – der allerdings in die gegensätzliche Richtung geht. Kein Wunder, dass viele da den Eindruck bekommen, in öffentlich-rechtlichen Fernsehen bricht eine neue Ära an.
„Journal Deluxe“ startet Ende Oktober
Ganz klassisch als Nachfolge für Jan Böhmermann ist Schroeders neue Sendung offiziell nicht angekündigt. Sein Format bekommt zunächst außerdem keinen prominenten Platz im ZDF-Hauptprogramm. Die Premiere ist bereits am Donnerstag, 29. Oktober ab 18 Uhr in der Mediathek verfügbar.
Im Fernsehen läuft die erste Ausgabe erst am Dienstag, 3. November – und zwar um 0.45 Uhr. Was genau die Zuschauer:innen erwartet, hatte das ZDF zunächst nur in groben Zügen verraten. So hieß es beispielsweise, dass Gäste dabei ebenso eine Rolle spielen wie politische und gesellschaftliche Themen.
Wer ist Florian Schroeder?
Florian Schroeder (47) ist Kabarettist, Moderator und Buchautor. Er wurde am 12. September 1979 in Lörrach geboren und studierte Germanistik und Philosophie in Freiburg. Schon während des Studiums begann er seine Bühnenkarriere als Kabarettist und Parodist. Fernsehzuschauer kennen ihn unter anderem aus „Spätschicht“, „Die Florian Schroeder Satireshow“ und „Schroeder darf alles“. Zu seinen Büchern gehören „Schluss mit der Meinungsfreiheit!“ und „Unter Wahnsinnigen – Warum wir das Böse brauchen“. 2021 erhielt er den Deutschen Kleinkunstpreis.
Seine politische Satire arbeitet mit Provokationen und zugespitzten Vergleichen. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, bezeichnete er die Berliner Linke in einem Youtube-Video als „deutschen Ableger der Hamas“. Berlin nannte er in diesem Zusammenhang den „Gazastreifen der deutschen Kommunalpolitik“, bevor er nachlegte: „Das ist vielleicht ein bisschen unfair gegenüber dem Gazastreifen.“ Das Beispiel zeigt, wie Schroeder mit bewusst drastischen Pointen politische Akteur und gesellschaftliche Zustände aufs Korn nimmt.
Florian Schroeder will anders an Satire herangehen
Schroeder soll in „Journal Deluxe“ aktuelle Entwicklungen aufgreifen, hinterfragen und kommentieren. Für Schroeder selbst soll sich das Format dennoch von bekannten Satiremustern unterscheiden. Er kündigt eine neue Perspektive an, die liberaler sein und unterschiedliche Stimmen zu Wort kommen lassen soll.
Der Kabarettist war bereits im Fernsehen mit „Schroeder darf alles“ zu sehen. Die ARD stellte die Sendung allerdings nach zehn Folgen wieder ein.
Neue Details zu „Journal Deluxe“ lassen aufhorchen
Ein Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ gibt nun konkretere Einblicke in die geplante Ausrichtung von „Journal Deluxe“. Der Redaktion liegt nach eigenen Angaben ein ausführliches Sendungskonzept aus dem Februar 2026 vor. Darin wird das Format als Gegenpol zu bisherigen Comedyshows beschrieben – mit einem besonderen Fokus auf Grüne und Linke.
In der Präsentation heißt es: „Die Show versteht sich als Contrapunkt zu allen gängigen Comedy-Formaten und setzt an bei der Kritik an denen, die sonst selten kritisiert werden: Grüne, Linke und Co.“ Allerdings soll diese Kritik laut Konzept „nicht aus einem reaktionären, sondern einem böse-ironischen Blickwinkel der eigenen ‚Hood‘ gegenüber“ erfolgen. Die Einschätzung, Grüne und Linke würden sonst selten kritisiert, soll den Ausführungen zum Sendungskonzept zu entnehmen sein.
Aufhorchen lässt auch die Liste möglicher Talkgäste, die das interne Dokument laut „Süddeutscher Zeitung“ enthält: Genannt werden unter anderem AfD-Chefin Alice Weidel, „Welt“-Journalist Ulf Poschardt, Tech-Milliardär Peter Thiel, Publizistin Gabriele Krone-Schmalz und Jette Nietzard von der Grünen Jugend. Wichtig ist dabei: Bestätigte Einladungen oder Auftritte lassen sich daraus nicht ableiten.
Die öffentlich kommunizierte ZDF-Beschreibung fällt allgemeiner aus. Schroeder werde „als präziser Beobachter und schlagfertiger Kommentator die Gegenwart sezieren“, heißt es dort laut dem Bericht. Außerdem verspricht der Sender: „Substantielle Satire trifft Leichtigkeit und spielerische Konfrontation mit unterschiedlichen Gästen.“ Das interne Papier legt nun zumindest nahe, dass hinter diesen Formulierungen eine deutlich konkretere politische Schwerpunktsetzung steckt. Wie viel davon tatsächlich in „Journal Deluxe“ zu sehen sein wird, zeigt sich zum Auftakt.
Was wird jetzt aus Jan Böhmermann?
Der Zusammenhang mit Böhmermann liegt trotzdem auf der Hand. Die letzte Folge „ZDF Magazin Royale“ läuft am 18. Dezember, danach ist Schluss. Währenddessen wird über die wahren Gründe für das Aus von Jan Böhmermann im ZDF disktutiert und spekuliert.
Böhmermanns bisherigen Sendeplatz am Freitagabend nach der „heute-show“ hat Schroeder allerdings nicht bekommen, eine direkte Nachfolge ist seine Show also offenbar nicht. Gleichzeitig verhandelt das ZDF aktuell bereits mit Böhmermann über ein mögliches neues Format.







