„Wuthering Heights“: Opulent, verführerisch – aber nicht für jeden
Emerald Fennells „Wuthering Heights“ wurde bereits im Vorfeld heftig diskutiert – und wird es auch nach Erscheinen tun. Warum sich die düstere Buchverfilmung trotzdem lohnt.

Emerald Fennell hat in ihrer Karriere als Regisseurin gerade einmal drei Filme in ihrer Vita und dennoch bereits den Ruf inne, mit ihren Werken zu schocken. „Promising Young Women“, Fennells großartiges, oscarprämiertes Drama ließ das Publikum mit einem krassen Plot-Twist zurück, „Saltburn“ wurde dank einer denkwürdigen Badewannenszene 2023 zum meist diskutierten Film des Jahres und sagen wir mal so – „Wuthering Heights – Sturmhöhe“ sinnliche und intensive Liebesgeschichte zwischen Cathy und Heathcliff hat das Potenzial, das Internet wieder einmal zu sprengen. Vor allem, da der Film genau diese Zielgruppe ziemlich zufriedenstellen wird: eine junge Generation, die jede Menge spice erwartet – und den in Fennells Interpretation des Klassikers von Emily Brontë auch zur Genüge bekommt.
„Wuthering Heights – Sturmhöhe“: Ist die Kritik im Vorfeld berechtigt?
Die britische Autorin erzählt die Geschichte der jungen Catherine, die mit ihrem alkoholkranken, zuweilen brutalen Vater aufwächst. Als der den jungen Heathcliff mit auf das Anwesen bringt, entwickelt sich eine enge Verbindung zwischen den beiden. Doch aufgrund des unterschiedlichen Standes scheint ihre Liebe keine Chance zu haben. Cathy entscheidet sich dazu, den reichen Edgar Linton zu heiraten, doch Heathcliff lässt sie einfach nicht los …
Bereits im Vorfeld bekam der Film viel Gegenwind. Margot Robbie sei mit Mitte 30 zu alt für die Rolle der eigentlich 19-jährigen Cathy. Und Heathcliff, der im Buch nicht weiß ist, wird von dem Australier Jacob Elordi gespielt. Hinzukommt, dass vielfach die Befürchtung geäußert wurde, die britische Regisseurin mache in ihrer Interpretation des Materials eine auf Sex und Lust basierende Liebesgeschichte, statt der wirklichen Tragik der Story gerecht zu werden.

Tatsächlich legt Emerald Fennells den vollen Fokus auf die beiden Hauptcharaktere und lässt dabei große Teile der Vorlage außer Acht. Dennoch schaffen es Margot Robbie und Jacob Elordi, deren Chemie unbestreitbar ist, die Obsession der beiden Liebenden, die nicht ohne, aber auch nicht miteinander können, mit einer Wucht rüberzubringen, die einem als Zuschauer:in fast schon unangenehm zur Seite blicken lässt. Überzeugend ist das vor allem durch die Vorlage, die die beiden bekommen. „Adolescense“- Star Owen Cooper und Co-Star Charlotte Mellington spielen die jüngere Versionen zu Beginn und ihnen gelingt es diese ungezügelte junge Liebe mit überraschender Kraft auf die Leinwand zu bringen.
Emerald Fennell Interpretation ist meisterhaft inszeniert
„Wuthering Heights“ erscheint kurz vor Valentinstag. Wer das Buch nicht gelesen hat und eine reine Lovestory erwartet, der wird enttäuscht. Romantisch ist der Stoff ohne Frage – auch, wenn die unzähligen „Ich liebe dich“ früher oder später ermüdend werden und ihre Kraft verlieren – doch das Drama ist vor allem eines: düster und zu weilen auch ziemlich brutal.

Das lässt Emerald Fennell ihr Publikum aber fairerweise auch gleich zu Beginn wissen. Bevor der Zuschauende etwas sieht, bekommt er lautes Gestöhne zu hören und natürlich wandert die Fantasie direkt in eine Richtung – nur um dann mit einer Hinrichtung auf einem Marktplatz konfrontiert zu werden. Danach ist jedoch nicht Schluss: Nach dem öffentlichen Hängen feiert die Menge und gibt sich ganz der Sünde hin. Es wird getrunken, geknutscht und wild gefummelt.
Auch im Verlauf des Films gibt es einige dieser unhinged Momente. Vor allem aber ist der Film voller sexueller Anspielungen. Eine Schnecke, die eine Schleimspur hinter sich herzieht, läutet Cathys sexuelles Erwachen ein. Und das Kneten eines Brotteigs wurde wahrscheinlich noch nie so sinnlich in Szene gesetzt. „Wuthering Heights“ ist durch und durch für den und aus dem female gaze, also der weiblichen Perspektive, entstanden: Heathcliff schützt Cathys Gesicht in einer Szene mit seinen Händen vor dem Regen. In einer anderen hebt er sie am Korsett nach oben, um sie zu küssen. Es sind die kleinen Momente, die Emerald Fennell für ihr eh vor allem weiblichen Publikum geschaffen hat.
Manchmal zu viel – und das ist gut!
Allgemein ist die Ästhetik die große Stärke des Films. „Wuthering Heights“ ist opulent – und zwar in jeglicher Hinsicht. Angefangen von dem starken, dramatischen Soundtrack von Künstlerin Charli XCX über die rauen, windgepeitschten Landschaften Nordenglands bis hin zu den fast unwirklichen Bildern, die nicht selten an Fantasy erinnern. Auch bei den Kostümen hat Emerald Fennell dick aufgetragen. In dem Moment, in dem Cathy zur reichen Ehefrau von Mr. Linton wird, werden ihre Kleider immer opulenter und opulenter. Zuweilen wirkt der Anblick deplatziert, erfüllt aber seinen Zweck: Cathys neues Leben in der Villa könnte nicht stärker im Kontrast zu ihrem Alltag auf Wuthering Heights stehen. Auch wenn Emerald Fennell gerne dickt aufträgt, eine subtilere Interpretation hätte wahrscheinlich die gleiche Kraft gehabt.
Auch wenn „Wuthering Heights“ stellenweise redundant daherkommt, ist man unweigerlich gefesselt von der toxischen Beziehung, die von Minute zu Minute zerstörerischer wirkt. Dennoch: Die Buchverfilmung wird nicht jeden berühren. Und das liegt nicht unbedingt daran, dass Fennells Interpretation sich doch stärker vom Roman unterscheidet als gedacht. Vielmehr könnten die düstere Romanze und die komplizierten Figuren einige abstoßen. Heathcliff und Cathy sind wahrlich keine guten Menschen. Sie sind egoistisch, grausam, eifersüchtig und leiden mit Hingabe. Dennoch: Dem Bann ihrer zum Scheitern verurteilten Liebe kann man sich einfach nicht entziehen.









