Tarantinos Rassismus Intermezzo

„Ein gewählter Mangel an Ehre“: Quentin Tarantino rechnet mit „Pulp Fiction“-Star ab

Quentin Tarantino sieht sich in letzter Zeit sehr viel Kritik ausgesetzt – diesmal geht es um einen exzessiven Gebrauch des N-Worts.

Quentin Tarantino steht im Anzug auf einer Bühne und spricht in ein Mikrofon.
Quentin Tarantino sorgt (erneut) für einen Aufreger – diesmal werden ihm rassistische Tendenzen vorgeworfen. Foto: IMAGO / ABACAPRESS

Wer über Film spricht, wird wohl oder übel nicht an Quentin Tarantino vorbeikommen. Doch der Stern des Kult-Regisseurs scheint seit geraumer Zeit nicht mehr so hell zu leuchten, wie er es einst tat. Nun hat sich eine „Pulp Fiction“-Darstellerin zum Verhalten des Filmemachers geäußert – und findet ziemlich harsche Worte.

Quentin Tarantino: Was wird der Regielegende vorgeworfen?

Wenn man sich die Umstände rund um Quentin Tarantino anschaut, dann kann man weniger von Vorwürfen als von Tatsachen sprechen. Tatsachen, die Rosanna Arquette nun anprangert.

Arquette, die einst in Tarantinos „Pulp Fiction“ die Frau eines Drogendealers (Eric Stoltz) spielte, ist der festen Ansicht, dass der Regisseur das N-Wort in seinem berühmtesten Film oder generell in seinen anderen Filmen nicht hätte nutzen dürfen. Sie ist zwar der Meinung, dass „Pulp Fiction“ ein „ikonischer, großartiger Film“ sei, merkt aber auch an, dass sie das N-Wort über alles hasst. Noch unglücklicher macht sie jedoch die Tatsache, dass Tarantino für dieses Wort eine Art „Freifahrtschein“ hat. „Das hat nichts mit Kunst zu tun. Es ist nur rassistisch und gruselig.“ Und mit dieser Meinung steht Arquette nicht allein da.

Lee im Doppelpack: Diese Regisseure stimmen der Tarantino-Kritik zu

Spike Lee ist ebenso wenig erpicht darauf, dass Quentin Tarantino inflationär mit dem N-Wort um sich wirft. Bereits 1997, als „Jackie Brown“ erschien, kritisierte der afroamerikanische Regisseur seinen Kollegen: „Ich bin nicht gegen das Wort. Aber Quentin scheint in das Wort verliebt zu sein. Was will er sein – ein ehrenamtlicher schwarzer Mann?“

Spike Lees Meinung schließt sich auch Regisseur Lee Daniels an: „Das ist mein Wort. Und du hast kein Recht, es zu sagen.“ Und trotz dieser harschen Kritik – auch seitens Betroffener – wird Tarantino dennoch verteidigt.

Unterstützer: Quentin Tarantino verteidigt sich selbst

Per se ist Quentin Tarantino sein eigener größter Verteidiger. So hat er 2012 nach seinem Oscar-Gewinn für „Django Unchained“ behauptet, dass ihm gerne jemand vorwerfen könne, dass er das N-Wort mehr benutze als der Bundesstaat Mississippi vor dem Bürgerkrieg, aber dass niemand das behaupten würde – zumindest bis jetzt.

Kurz nach Rosanna Arquettes Statement bezüglich Tarantinos Tendenzen, nutzt Quentin Tarantino das Branchenmagazin Variety als Sprachrohr, um seinen Unmut bezüglich Arquettes Aussage kundzutun – und findet dabei wenig nette Worte: „Ich hoffe, dass die Publicity, die von den 132 verschiedenen Medien-Outlets, die deinen Namen schreiben und dein Bild abdrucken, es wert war, mich und einen Film zu disrespektieren, in dem du meiner Erinnerung nach sehr aufgeregt mitgespielt hast.“ Und die Vorwürfe hören hier nicht auf. „Aber nachdem ich dir einen Job gegeben habe, und du das Geld genommen hast, hast du dich entschieden ihn (den Film) abzuwerten, was meiner Vermutung nach, aus Zynismus heraus passiert ist, zeigt, dass du einen gewählten Mangel an Klasse, und darüber Ehre besitzt.“

Gibt sonst noch wer Tarantino Rückenwind?

Auch Samuel L. Jackson, der in etlichen Quentin-Tarantino-Filmen mitgespielt hat, sieht die Lage als halb so schlimm. 2019 teilte dieser Esquire Folgendes mit: „Man kann einem Autoren nicht sagen, dass er bestimmten Ethnizitäten nicht bestimmte Wörter in den Mund schreiben oder legen darf.“ Darüber hinaus: „Außerdem packe ich auf das, was Quentin schreibt, meistens noch fünf N-Wörter drauf.“

Das wäre nicht das erste Mal, dass Quentin Tarantino sich Kritik ausgesetzt sieht. Abgesehen von den etlichen Vorwürfen, dass der Regisseur dazu neigt, seine Fetische in seinen Filmen unterzubringen, stehen auch viele Personen der Tatsache, dass er in Tel Aviv lebt, sehr kritisch gegenüber.