„The Idaho Murders“ auf Netflix: Bryan Kohberger will Geständnis widerrufen
Die Netflix-Doku „The Idaho Murders“ bringt den schockierenden Vierfachmord an Studierenden der University of Idaho erneut ins öffentliche Bewusstsein. Doch ausgerechnet jetzt sorgt Täter Bryan Kohberger für eine brisante Wendung.

Die Netflix-Doku „The Idaho Murders“ rückt einen der erschütterndsten Kriminalfälle der vergangenen Jahre erneut in den Fokus. Während die Serie die Ereignisse rund um die brutale Tat von 2022 rekonstruiert, sorgt der verurteilte Täter Bryan Kohberger selbst für eine Überraschung: Er will sein Geständnis rückgängig machen.
Neue Dynamik nach der Netflix-Dokumentation
Bryan Kohberger sitzt derzeit in der Idaho Hochsicherheitsanstalt in Kuna, was rund 25 Kilometer von der Haupstadt Boise entfernt ist. Am 23. Juli 2025 wurde er von Richter Steven Hippler zu vier lebenslangen Haftstrafen ohne Möglichkeit auf Bewährung verurteilt – jeweils eine für die Morde an Madison Mogen, Kaylee Goncalves, Xana Kernodle und Ethan Chapin. Zusätzlich erhielt er zehn Jahre Haft wegen Einbruchs sowie Geldstrafen und zivilrechtliche Zahlungen in Höhe von insgesamt 270.000 US-Dollar.
Nun strebt Kohberger offenbar eine juristische Kehrtwende an. In einer Stellungnahme gegenüber der „New York Times“ erklärte er, er habe einen Antrag eingereicht, um ein neues Gerichtsverfahren zu erwirken und sein früheres Schuldbekenntnis aufzuheben.
Rückblick: Die Tat, die Amerika erschütterte
Am 13. November 2022 wurden die vier Studenten in ihrem Zuhause nahe dem Campus in Moscow, Idaho, brutal erstochen aufgefunden. Der Fall löste landesweites Entsetzen aus und dominierte monatelang gleichermaßen Schlagzeilen sowie soziale Medien. Kohberger, ein ehemaliger Kriminologie-Student, wurde im Dezember 2022 festgenommen.
Im Sommer 2025 bekannte er sich im Rahmen eines Deals mit der Staatsanwaltschaft schuldig. Dieser Schritt ersparte ihm die mögliche Verhängung der Todesstrafe. Teil der Vereinbarung war eine Empfehlung des zuständigen Staatsanwalts Bill Thompson, der eine lebenslange Freiheitsstrafe für jede der vier Taten vorsah – eben dieses Strafmaß wurde später verhängt.
In seiner aktuellen Erklärung behauptet Kohberger nun, „Gerechtigkeit wurde nicht erreicht“ und „die unbeantworteten Fragen häufen sich mit jedem neu enthüllten Indiz“. Zudem erklärte er: „Überschattet durch ein brüchiges Plädyoer, bot der Prozess der Öffentlichkeit nie jene Klarheit, die einen Abschluss ermöglicht hätte; und die Gerechtigkeit wird auf klägliche Weise verfehlt bleiben, solange dieses Bekenntnis nicht zurückgezogen wird.“
Welche konkreten neuen Beweise oder Argumente er für seinen Antrag anführen will, ließ er offen. Er äußerte sich weder zu den belastenden Indizien, noch dazu, warum er den Deal ursprünglich akzeptierte, wenn er sich offenbar als unschuldig betrachtet.
Wie realistisch ist ein Widerruf?
Juristisch gilt ein nachträglicher Widerruf eines Schuldbekenntnisses als äußerst schwierig. In der Regel sind dafür neue, substanzielle Beweise oder gravierende Verfahrensfehler notwendig. Ohne solche neuen Erkenntnisse sind die Erfolgsaussichten erfahrungsgemäß gering.
Weder seine Anwältin Anne Taylor noch Staatsanwalt Bill Thompson haben sich bislang öffentlich zu Kohbergers neuem Vorhaben geäußert.
Für die Angehörigen der Opfer bedeutet die Entwicklung womöglich eine erneute emotionale Belastung. Ob die Gerichte sich tatsächlich noch einmal mit dem Fall befassen werden, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Durch die Netflix-Doku und Kohbergers überraschenden Wendung steht der Fall der Idaho-Morde erneut im Zentrum der öffentlichen Diskussion.










