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Nicht alles, was glänzt, ist Gold

„Tatort“ heute: Lannert und Bootz als Ehetherapeuten in der Scheinwelt – Kritik zum Fall „Ex-It“ aus Stuttgart

Ein Auto im Neckar und ein totes Kind auf dem Rücksitz: Der Stuttgarter „Tatort“ „Ex-It“ macht diese Woche keine Gefangenen. Ob das gut oder schlecht ist, verraten wir in unserer Kritik …

Richy Müller steht vor einem Sofa, auf dem Kim Riedle anzüglich posiert.
Lannert (Richy Müller, r.) in unbekannten Gefilden: Diese Woche suchen die Stuttgarter nach dem entführten Kind eines It-Girls (Kim Riedle, l.). Foto: SWR/Benoît Linder

Eine furchtbare Ausgangslage für das Stuttgarter „Tatort“-Team: Ein Auto wird im Neckar gefunden – auf der Rückbank ist ein totes Baby. Passend zum trüben Sonntagswetter bringen Lannert und Bootz aus Stuttgart eine ebenso trübe Stimmung mit. Aber funktioniert das auch?

„Ex-It“: Das ist die Handlung des Stuttgarter „Tatort“

Pony Hübner (Kim Riedle) wollte nur noch schnell Zigaretten holen, doch als sie zu ihrem Auto zurückkehren will, ist dieses plötzlich weg. Nur kurze Zeit später wird ebenjenes Auto im Neckar gefunden – auf der Rückbank ein toter Säugling. Das andere Kind ist spurlos verschwunden. Ermittler Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) stehen vor einem Rätsel, denn Hübners ehemalige Karriere als It-Girl bringt allerlei suspekte Gestalten mit sich.

Modern, aber nie bemüht: Warum „Ex-It“ begeistert

Nachdem der letzte Stuttgarter „Tatort“ schon positiv auffiel, weil er gelungen moderne Themen wie soziale Isolation und parasoziale Beziehungen in seine Geschichte einwebte, macht „Ex-It“ das ganz ähnlich. Doch statt Licht auf wichtige Themen zu werfen, wird eher abgerechnet: In diesem Falle mit „It-Girls“ – Personen, die laut dem „Tatort“ aus unerklärlichen Gründen berühmt sind.

Doch nicht nur die fragwürdige Existenz von „It-Girls“ wird angeprangert, sondern auch der ganze Apparat, der dahintersteht: die Klatschpresse, die dubiosen Manager und all die Randerscheinungen, wie die bucklige Verwandtschaft, die auch ein Stück vom Popularitätskuchen abhaben möchte. Das wirkt zwar etwas plump, aber gleichermaßen passend, denn wer ist meist plumper als Leute aus ebenjener Scheinwelt?

Strukturiert, aber verklausuliert? „Ex-It“ macht ein großes Fass auf

Nichts ist so, wie es scheint – auch in der Scheinwelt der Stars und Sternchen. Vor allem aber in diesem „Tatort“. Denn neben zwei verschiedenen Perspektiven einer Ehe kann man vor allem von der Narration allerlei Drehungen und Wendungen erwarten. Doch im Gegensatz zu vielen „Tatort“-Fällen, bei denen man sich in absurden Story-Entwicklungen verliert, ergibt alles, was man hier geboten bekommt, durchaus Sinn. Es ist zwar vorherzusehen, wohin sich die Geschichte entwickelt – dafür gibt es einfach zu wenig Charaktere, die die Schuld tragen könnten –, aber das ist auch gar nicht schlimm. Stattdessen analysieren Lannert und Bootz in einer Parallelmontage eine kaputte Ehe. Und so viel Ruhe und Menschlichkeit sieht man im „Tatort“ selten.

Kopie einer Kopie: „Ex-It“ bricht mit dem „Tatort“-Muster nicht

So positiv all diese Vorschusslorbeeren sein mögen, gibt es auch hier zwei fundamentale Probleme, die ich in den vorherigen Wochen schon mehrfach angemerkt habe:

Das erste Problem sind wieder einmal die Kinder. Das ist mittlerweile das vierte Mal binnen eines Monats, dass ein Fall Kinder in den Fokus der Handlung stellt – und langsam hängen diese mir zum Hals heraus. Egal, ob in Dresden, dem Schwarzwald oder Wiesbaden … überall werden Kinder entführt oder verloren. Das wird allmählich repetitiv und lässt Raum für die Frage, ob noch Qualitätskontrollen in der ARD stattfinden.

Die Frage wird sogar noch berechtigter, wenn man bedenkt, dass der Fall dem letzten Stuttgarter Fall „Überlebe wenigstens bis morgen“ sehr ähnelt. Tauscht man das Wannabe-It-Girl gegen ein echtes It-Girl aus und die parasoziale Beziehung gegen soziale Isolation, hat man es mit fast demselben Fall zu tun. Dieselbe Kritik wurde auch den Fällen „Die Schöpfung“ aus Köln und „Das Verlangen“ aus München vorgeworfen.

Perfekte Sonntagsunterhaltung für alle, die es etwas melancholischer mögen

Lannert und Bootz wirken zwar nicht so, aber sie bleiben eines der einfühlsameren „Tatort“-Teams. Sie nehmen sich Zeit für die Menschen und ihre Geschichten – und achten nebenbei darauf, dass sie auch in guten Fällen zu sehen sind. Wer also etwas über kaputte Ehen, die Scheinwelt der „Stars“ und große Emotionen lernen will, sollte einschalten.

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