Das Ende der Kreativität?

Slop war gestern: KI-Videos sehen langsam richtig gut aus

Einige feiern selbstkreierte KI-Videos, andere schimpfen über herzloses „Slop“. Doch der Fortschritt ist nicht aufzuhalten, wie ein neuer Clip eindrücklich beweist.

Standbild aus „Swapped“.
„Swapped“ auf Netflix sieht durch die starren Hintergründe teilweise aus wie eine KI-Produktion, ist aber keine. Foto: Skydance Animation/NETFLIX

Hollywood kann einpacken!“ – das ist mittlerweile die typische Einleitung geworden, wenn jemand ein neues, KI-generiertes Video bei X, Threads oder auf einer anderen Social-Media-Seite postet. Diese Beiträge, oft begleitet von Text, der durch seine Länge und floskelhafte Formulierung ebenfalls kaum von Menschenhand geschrieben sein dürfte, präsentieren Trailer oder kurze Szenen, die das volle Potenzial von KI-Produktionen beweisen sollen.

Die Kommentare darunter quellen über vor lauter Begeisterung und Zuspruch – Personen mit verifizierten und damit auch priorisierten Social-Media-Profilen sind meist auch zeitgleich KI-Fans.

Doch natürlich gibt es auch kritische Stimmen, die solche Beiträge vor allem belächeln. Denn auch wenn es vielleicht beeindruckend – oder besorgniserregend – ist, wie sehr sich KI-Videos in den letzten Jahren entwickelt haben, sind diese Internet-Clips doch selten mehr als inhaltsloses Demo-Material ohne Handlung. KI erkennt, wie Filme aussehen und kann den Look einigermaßen imitieren, aber (die meisten) Filme haben doch etwas mehr zu bieten.

Hollywood kann also doch noch nicht einpacken – aber die Betonung liegt auf dem „noch“.

Sieht auch nicht schlechter aus als „Swapped“

Natürlich kann jeder für sich selbst entscheiden, wie sehr und in welchen Bereichen er oder sie KI akzeptiert oder ablehnt. Bei Bildern und Videos spielt nicht für jeden eine Rolle, ob man leicht erkennen kann, dass KI die digitalen Finger im Spiel hatte, aber es ist doch ein entscheidender Faktor. Das „KI wird eh nie menschliche Kreativität ersetzen“-Argument klingt stark, ist aber auch relativ, sobald die Grenzen verschwimmen man eben gar nicht mehr erkennt, was von Menschen erschaffen wurde.

Und dieser Punkt kommt näher, wie sich an einem aktuellen Internet-Clip erkennen lässt. In 47 Sekunden wird eine kleine, humorvolle Szene mit drei Tauben gezeigt, die so oder so ähnlich auch in einem DreamWorks-Film zu finden sein könnte. Auffällig dabei: Nicht nur die Animation ist überzeugend, sondern auch die Vertonung und das Timing. Der recht reglose Hintergrund oder die wenigen Kameraperspektiven könnten kritisiert werden, aber es wird schwieriger, schnelle, offensichtliche Kritikpunkte zu finden.

KI-Kritiker werden sich davon kaum überzeugen lassen, doch es zeigt, wo die Reise hingeht und dass sich Filme und Serien, die mithilfe von KI erstellt wurden, bald nur noch aus moralischen oder kreativen, nicht aber aus qualitativen Gründen ablehnen lassen.

KI ist gekommen, um zu bleiben

Der hier im Fokus stehende Tauben-Clip basiert auf klaren Befehlen, einem detaillierten Skript und Vorgaben – der Humor und die Geschichte sind weiterhin menschliche Kreationen. Aber das Design der Tauben und der Stadt übernimmt die KI einfach aus anderen Animationsproduktionen. Das klappt auf den ersten Blick erstaunlich gut, sorgt aber auch unweigerlich dafür, dass Tauben in Animationsfilmen irgendwann alle gleich aussehen.

Es bringt nichts, sich komplett gegen KI zu wehren, denn selbst wenn man sie selbst nicht benutzt, führt durch den technischen Fortschritt kein Weg an ihr vorbei. Aber wir laufen auch Gefahr, zu sehr auf die KI zu vertrauen und Einfachheit einer lohnenden Anstrengung vorzuziehen.

Es gibt keinen Kampf zwischen Hollywood und KI, denn einerseits ist künstliche Intelligenz natürlich auch schon längst in Hollywood angekommen und andererseits vertraut KI auf Hollywood, weil sie eben nichts wirklich Neues kreieren kann.

Die Alternative wären Kopien von Kopien, der Rückgang von Kreativität und eine karge Film- und Serienwelt ohne Mehrwert, in der jeder seine eigene Unterhaltung herstellen kann, die jedoch niemanden wirklich unterhält. Beide Seiten der KI-Debatte profitieren also davon, wenn man den Weg in die technische Zukunft gemeinsam geht.

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