Fernsehen

Sløborn-Star Lea van Acken über ihre Pandemie-Serie, die jetzt real scheint

In Sløborn spielt Lea van Acken die rebellische Ella, die in einer Welt lebt, in der ein tödliches Virus um sich greift. Was hat der Dreh während der realen Pandemie in der Schauspielerin ausgelöst? 

Emily Kusche als Evelin Kern in Sloborn
Sløborn erzählt die dramatische Ausbreitung der Taubengrippe auf der Welt. Merkmal der Grippe: Augen und Nase bluten. ZDF/Krzysztof Wiktor

Ein tödliches Virus verbreitet sich auf der ganzen Welt. Grund dafür: eine schwere Art der Vogelgrippe, die Taubengrippe, die sich auch auf den Menschen überträgt. Eine kleine deutsch-dänische Insel in Schleswig-Holstein, Sløborn, wird durch jugendlichen Leichtsinn ebenfalls infiziert. Immer schneller breitet sich das Virus aus, fordert Opfer, sobald es durch Händeschütteln übertragen wird.

Was noch vor einem Jahr als bittere Dystopie geplant war, ist heute Realität. Die Produzenten und Autoren der Serie „Sløborn“ hätten im Traum nicht daran gedacht, dass sich das Drehbuch, das die tödliche Taubengrippe abzeichnet, nur ein paar Monate nach Drehschluss bewahrheiten sollte. Auch wenn Corona lange nicht so tödlich verläuft wie die Infektionskrankheit in der Serie, finden sich doch erschreckende Parallelen zwischen Realität und ursprünglicher Fiktion.

Lea van Acken als Ella in Sloborn
Lea van Acken spielt die rebellische Ella in der Teenager-Gruppe auf Sløborn. ZDF/Krzysztof Wiktor

Lea van Acken (21), unter anderem bekannt als Anne Frank in „Das Tagebuch der Anne Frank“ oder aus der Netflix-Serie „Dark“ , spielt die rebellische Ella. Sie besucht Sløborn mit einer Gruppe weiterer straffälliger Jugendlicher. Auf einem Hof sollen sie arbeiten und dabei resozialisiert werden. Als die Pandemie auch die kleine Insel erreicht, spüren die Jugendlichen am eigenen Leib, was es bedeutet, verstoßen zu werden und am unteren Rand der Gesellschaft zu stehen.

Kurz vor der Free-TV-Premiere von „Sløborn“ sprach Lea van Acken mit TV Movie online über ihr Leben während des Lockdowns und wie sie die Dreharbeiten erlebte.

TV Movie Online: Das Drehbuch wurde geschrieben als Corona noch kein Thema war, im Gegenteil. Was dachtest du, als du es das erste Mal gelesen hast?

Lea van Acken: „Ich fand die Drehbücher wahnsinnig spannend, den ganzen kleinen Insel-Kosmos, auf dem alles basiert. Ich mochte auch, dass dieses Virus so schleichend kommt. Es ist ja nicht so, dass wir eine Katastrophen-Dystopie erzählen. Das machen wir zwar später, aber am Anfang geht es erstmal darum, die Charaktere, deren Probleme und deren kleinen Kosmos kennenzulernen. Erst dann kommt ja dieser Virus. Ich fand es inreressant zu sehen, wie unterschiedlich die Charaktere damit umgehen. Wie verhalten sich Menschen in solchen Situationen? Welche Ängste kommen hoch? Und sich dann im Nachhinein Corona anzugucken, als die Menschen angefangen haben, Klopapier zu horten... In der Serie ist das Virus aber viel extremer, die Leute starben sofort."

Welche Szene kam dir beim Dreh befremdlich vor, die jetzt vielleicht sogar normal ist?

Lea van Acken: „Es gab diese eine Szene, als wir als Jugendtrupp in der Hütte saßen und es hieß, die Insel müsse evakuiert werden. Wir wurden in Corona-Zeiten zwar nicht evakuiert, aber es gab dieses Bewusstsein, nicht mehr richtig zur Arbeit gehen zu dürfen, sondern zuhause bleiben zu müssen. Das hätte man vorher niemals geglaubt. Das Gleiche gilt auch dafür, dass sich Leute vorschreiben lassen, nicht mehr in 5er-Gruppen im Park sitzen zu dürfen. Das ist schon interessant. Auch wie man dann da so sitzt und diskutiert, wie auch in der Serie, in der wir gesagt haben, 'Wir lassen uns jetzt nicht evakuieren, auf keinen Fall', und dann passiert es doch."

Wie hat dich der Dreh der Serie beeinflusst als sich die Corona-Pandemie angebahnt hat?

Lea van Acken: „Klar, habe ich schon auch an die Serie gedacht und auch darüber gesprochen, aber Corona war doch noch mal eine eigene Erfahrung. Ich habe es nicht direkt mit der Serie verbunden. Viel eher habe wie viele andere von Tag zu Tag geschaut, wie sich die Lage verändert."

Hast du Angst vor Corona?

Lea van Acken: „Vor Corona an sich nicht, ich habe aber auch keine Risikopatienten in meinem Umfeld. Ich wusste, dass es meiner Familie gut geht. Ich hatte eher vor gesellschaftlichen Szenarien Angst."

Gab es während des Lockdowns Momente, in denen du besonders an den Dreh gedacht hast?

Lea van Acken: „Nein, weil meine Situation ganz anders war als die von Ella in der Serie. Ich saß mit meiner Familie draußen auf dem Land und da kam keine Polizei vorbei, die uns evakuieren wollte. Wir durften auch noch einkaufen gehen, in der Serie mussten wir zählen, wie viel wir noch zu essen übrig haben. Da hatte ich schon das Gefühl, dass wir in Deutschland in einer super Versorgungslage sind."

Sløborn zeigt neben der Pandemie noch so viele weitere gesellschaftliche Probleme, die gerade aktuell sind. Es werden der Rechtsdruck, Verschwörungstheorien und auch das Verhalten, bzw. Image der Polizei, in der Serie eher die Bundeswehr, gezeigt. Wie stehst du zu den Entwicklungen, die gerade real sind?

Lea van Acken: „Ich glaube, dass das alles gerade Bewusstsein schafft und den Menschen klar macht, dass sie ein Problem haben. Rassismus ist leider kein Märchen und hat nach dem Zweiten Weltkrieg nicht aufgehört, sondern ist immer noch real und hat ganz oft auch mit Gewalt zutun - sowohl in Amerika als auch im Rest der Welt. Wo befeuern wir diese Debatte? Wo befeuern wir möglicherweise auch eigenen rassistische Gedanken? Also es ist erstmal eine Reflektion, sich damit auseinanderzusetzen."

Du spielst in der Serie Ella, den rebellischen, strafanfälligen Teenager. Im echten Leben scheinst du das komplette Gegenteil zu sein, setzt dich lieber für andere Menschen ein. Wie viel Ella steckt in dir?

Lea van Acken: „In der Rollenvorbereitung sucht man immer Bedürfnisse, Wünsche, Gefühle, Anteile, die übereinstimmen. Das ist bei mir das Bedürfnis nach Kontrolle, das auch Ella hat. So nähere ich mich einem Charakter an und entwickle Empathie. Gerade Ella ist ein sehr extremer Charakter, der nicht unbedingt Sympathieträger ist. Als Schauspielerin muss ich aber meinen Charakter sympathisch finden und ich muss ihn verstehen und möchte das auch. Da ist diese Durchsetzungsfähigkeit, die sich bei ihr allerdings anders äußert als bei mir. Ich glaube, damit konnte ich mich identifizieren, als jemand, der oftsagt: 'Wir machen das jetzt!' Das lebe ich persönlich natürlich anders aus. Aber das war eine Parallele, die ich mir gesucht habe. Es war interessant jemanden zu spielen, der so anders ist als ich selbst, aber auch ein tolles Geschenk, das mir das zugetraut wurde."

Gibt es bei dir im Leben etwas, wogegen du rebellieren möchtest? Oder tust du das sogar schon?

Lea van Acken: „Ich möchte gegen Ungerechtigkeiten und Ignoranz rebellieren. Wenn Menschen sagen, der Klimawandel sei nicht real und sich deshalb aus der Verantwortung ziehen, beispielsweise. Ich würde nicht von rebellieren sprechen, aber ich möchte auf jeden Fall darüber sprechen. Ich möchte sagen: 'Lass uns losgehen und was machen, wir müssen auf die Straße, wir können nicht nur zuhause sitzen und so weiter machen.' Das ist wichtig, auch wenn man vermeintlich machtlos fühlt. Trotzdem zählt jede Stimme. Und jeder kann, wenn er sich mit Dingen auseinandersetzt, die eine Sache finden, für die er sich einsetzen kann."

Was ist denn bei dir die eine Sache?

Lea van Acken: „Es gibt zwei. Ich habe mich damit auseinandergesetzt, warum ich etwas tue, und warum mir etwas wichtig ist. So kam ich auf den Klimaschutz und den Naturschutz, weil ich ein Landkind bin. Die Natur war immer mein Zuhause. Ich bin in Städten mit vielen Dingen überfordert. Ich merke, sobald ich in irgendeinem Wald bin, ich fühle mich sofort zuhause. Deshalb habe ich wohl schon ein fast egoistisches Bedürfnis, die Natur zu schützen. Es macht mir Angst, wenn ich daran denke, dass meine Kinder vielleicht keine sauberen Strände mehr erleben werden. Und wer weiß, wie sich überhaupt alles verändern wird, ob sie überhaupt noch gesunde Natur mitbekommen. In Bezug auf das Gefühl von Zuhause und Berechtigung habe ich begonnen, mit dem UN-Flüchtlingskommissariat zusammenzuarbeiten. Das geht für mich über bloßes Mitleid mit Vertriebenen hinaus. Für mich ist der Gedanke unvorstellbar, dass ich alle Möglichkeiten habe, und andere werden wegen Krieg alles zurücklassen müssen. Das ist für mich so schlimm und unvorstellbar, dass ich darüber gerne aufklären würde. Das Problem ist wohl ganz oft, dass nicht geredet wird, und dass sich nur wneige mit den betroffenenen Menschen auseinandersetzen. Da ist so viel Potential versteckt, das es gilt zu sehen und zu umarmen."

Sløborn ist eine achtteilige Dramaserie, die am 23. und am 24. Juli jeweils ab 20.15 Uhr bei ZDFneo ausgestrahlt wird. Ab dem 24. Juli ist sie außerdem auf DVD und Blu-ray erhätlich. 

Das Interview führte Sarah Klas



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