Russell Brand nach Vergewaltigungsurteil in Haft – wie geht es jetzt weiter?
Schwerwiegendes Urteil gegen Russell Brand: Der britische Schauspieler und Comedian ist in London wegen Vergewaltigung und dreifacher sexueller Nötigung schuldig gesprochen worden.

Für Russell Brand hat ein aufsehenerregender Gerichtsprozess mit einer Verurteilung geendet. Der 51-jährige Schauspieler, Comedian und ehemalige Fernsehmoderator wurde am Donnerstag vor dem Southwark Crown Court in London in vier Anklagepunkten schuldig gesprochen. Die Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass Brand eine Frau vergewaltigt und drei weitere Frauen sexuell angegriffen hatte. Die Vorwürfe betrafen unterschiedliche Vorfälle aus seiner Zeit als erfolgreicher Entertainer.
Das genaue Strafmaß steht noch nicht fest. Der zuständige Richter kündigte jedoch bereits eine erhebliche Freiheitsstrafe an. Bis zur Verkündung des Strafmaßes am Montag bleibt Brand in Haft.
Russell Brand verurteilt: So entschied das Gericht
In dem vierwöchigen Prozess musste sich Russell Brand wegen insgesamt sieben Anklagepunkten verantworten. Dazu gehörten drei Vergewaltigungsvorwürfe, drei Vorwürfe sexueller Nötigung sowie ein Vorwurf der versuchten sexuellen Belästigung. Die Anschuldigungen bezogen sich auf sechs Frauen und einen Zeitraum von rund zehn Jahren ab 1999.
Nach achteinhalb Stunden Beratung fällten die Geschworenen ihre Entscheidung: In vier Fällen wurde Brand schuldig gesprochen, in drei weiteren freigesprochen. Zu den Schuldsprüchen gehört die Vergewaltigung einer jungen Frau, die Brand Anfang 2009 nach einem seiner Auftritte im Londoner Hammersmith Apollo kennengelernt hatte. Nach Überzeugung der Geschworenen vergewaltigte er sie später in seinem Londoner Stadthaus.
Darüber hinaus wurde Brand wegen sexueller Übergriffe auf drei Frauen verurteilt, die im Umfeld von MTV, dem Radiosender Choice FM und dem britischen Fernsehsender Channel 4 arbeiteten. Von zwei weiteren Vergewaltigungsvorwürfen und dem Vorwurf eines versuchten sexuellen Übergriffs wurde er freigesprochen.
Russell Brand: Richter ordnet nach Schuldspruch Haft an
Nach der Urteilsverkündung entschied Richter Bennathan, dass Russell Brand bis zur Festsetzung seiner Strafe in Haft bleiben muss. Brands Verteidiger Ian Winter hatte darum gebeten, seinen Mandanten über das Wochenende auf freien Fuß zu setzen. Der Schauspieler solle die Gelegenheit erhalten, sich von seinen Kindern zu verabschieden.
Der Richter lehnte diesen Antrag jedoch ab. Er begründete seine Entscheidung mit der Befürchtung, Brand könnte sich dem weiteren Verfahren entziehen. Nach Angaben aus dem Gerichtssaal zeigte sich der 51-Jährige während der Urteilsverkündung äußerlich weitgehend regungslos. Kurz bevor die Geschworenen ihre Entscheidung bekannt gaben, soll er seiner Ehefrau Laura seine Liebe bekundet haben.
Nach der Entscheidung wurde Brand von Justizbeamten abgeführt. Seine Frau verließ das Gericht kurz darauf.
Wie verteidigte sich Russell Brand gegen die Vorwürfe?
Russell Brand hatte während des Verfahrens sämtliche Anklagepunkte bestritten. Seine Verteidigung argumentierte, dass er sich an einige der geschilderten Situationen nicht erinnern könne. Bei anderen Vorfällen habe es sich nach seiner Darstellung um einvernehmliche sexuelle Kontakte gehandelt.
Brands Anwälte stellten außerdem infrage, ob nach der umfangreichen Medienberichterstattung über die Anschuldigungen im Jahr 2023 noch ein faires Verfahren möglich gewesen sei. Damals hatten eine Dokumentation des britischen Senders Channel 4 sowie Recherchen der Zeitungen „The Times“ und „The Sunday Times“ zahlreiche Vorwürfe gegen den Entertainer öffentlich gemacht.
Die Staatsanwaltschaft zeichnete vor Gericht dagegen das Bild eines Mannes, der seine Bekanntheit und seinen Einfluss ausgenutzt habe. Mehrere betroffene Frauen schilderten nach Darstellung der Anklage ähnliche Verhaltensmuster.
In vier Fällen folgten die Geschworenen schließlich der Anklage.
Weitere Ermittlungen gegen Russell Brand bekannt geworden
Mit dem Urteil ist die juristische Aufarbeitung der Vorwürfe gegen Russell Brand möglicherweise noch nicht abgeschlossen. Wie nach dem Prozess bekannt wurde, ermittelt die Londoner Metropolitan Police wegen zweier weiterer Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Schauspieler.
Die Polizei hat entsprechende Unterlagen an die britische Staatsanwaltschaft, den Crown Prosecution Service, übermittelt. Dabei handelt es sich um eigenständige Ermittlungen. Eine Anklage oder gerichtliche Entscheidung in diesen weiteren Fällen geht aus den bislang vorliegenden Informationen nicht hervor. Für Brand gilt insoweit die Unschuldsvermutung.
BBC und Channel 4 reagieren auf das Urteil
Der Fall hat auch eine Debatte darüber ausgelöst, wie Fernsehsender und Produktionsfirmen in der Vergangenheit mit Beschwerden über Russell Brands Verhalten umgegangen sind. Channel 4 würdigte nach der Urteilsverkündung den Mut der Frauen, die im Prozess ausgesagt hatten. Auch die BBC äußerte sich. Der britische Sender verwies auf eine Untersuchung aus dem Jahr 2025, in der der frühere Umgang mit Beschwerden über Brand überprüft worden war.
Dabei ging es unter anderem um acht Anschuldigungen aus seiner Zeit bei der BBC. Der Sender räumte ein, dass sich manche Betroffene damals offenbar nicht in der Lage gesehen hätten, Bedenken über Brands Verhalten zu äußern. Die BBC erneuerte ihre Entschuldigung für frühere Versäumnisse und die damalige Arbeitskultur.
Russell Brand: Wie geht es nach dem Urteil weiter?
Russell Brand gehörte über Jahre zu den bekanntesten britischen Comedians. Neben seiner Karriere als Moderator war er auch in Hollywood-Filmen zu sehen. Später verlagerte er seine öffentliche Tätigkeit zunehmend auf eigene Online-Kanäle. Nun steht der 51-Jährige vor einer erheblichen Freiheitsstrafe.
Am Montag soll das Gericht das genaue Strafmaß verkünden. Bis dahin bleibt Brand in Haft. Parallel dazu laufen weitere polizeiliche Ermittlungen. Welche rechtlichen Folgen sich daraus ergeben, ist derzeit noch offen.






