„Resident Evil“: Vorschau - Die ersten 18 Minuten fühlen sich endlich wie die Spiele an
Eine gelungene „Resident Evil“-Adaption galt lange als Utopie. „Weapons“-Regisseur Zach Cregger will das ändern. Nachdem wir 18 Minuten des Films gesehen haben, sind wir zuversichtlich, dass das eindrucksvoll gelingen könnte.

Ich bin nicht sicher, wie häufig Footage-Screenings in den IMAX-Headquarters in Los Angeles wirklich enthusiastische Reaktionen des Fachpublikums hervorrufen. Im Fall von „Resident Evil“ von „Barbarian“- und „Weapons“-Regisseur Zach Cregger war die Stimmung spätestens nach dem Titelschriftzug und der anschließenden Premiere des brandneuen Trailers herausragend gut. Kein Wunder: Fans der unheimlich beliebten Spielereihe warten schon sehr lange auf eine wirklich gelungene „Resident Evil“-Adaption – die Filme von Paul W.S. Anderson und Milla Jovovich waren das für viele leider nicht.
Der Bruch mit dem Bekannten
Dabei geht Cregger mit „Resident Evil“ bewusst ein großes Risiko ein: Statt sich auf Kultfiguren wie Leon S. Kennedy, Claire Redfield und Co. zu stürzen, stellt er einen absoluten Nobody namens Bryan in den Mittelpunkt. Gespielt wird er von Austin Abrams, der vielen spätestens nach „Weapons“ in Erinnerung geblieben sein dürfte. Als einbrechender Junkie hatte Abrams dort einige der stärksten Szenen des Films.
Es ist zu vermuten, dass wir fast den kompletten Anfang des Films gesehen haben. Darin trifft Bryan als Kurier in einem Krankenhaus ein, um ein Organ abzuliefern. Von den Ärzt:innen und Mitarbeitenden wird er jedoch konsequent ignoriert und stolpert von einem Fettnäpfchen ins nächste. Als er eigentlich schon zu seiner Lebensgefährtin aufbrechen will, wird ihm noch eine Notlieferung angeboten – für den doppelten Preis, versteht sich. Die heiße Ware beziehungsweise das kühle Organ soll ausgerechnet nach Raccoon City gebracht werden. Spätestens hier dürften bei allen „Resident Evil“-Fans die Alarmglocken läuten.
Ein Unglück jagt das nächste
Wir verfolgen Bryan nicht nur dabei, wie er idiotischerweise ohne Schneeketten auf verschneiten Straßen Richtung Raccoon City aufbricht, sondern erleben parallel auch, wie ihn private Probleme mit seiner Partnerin beschäftigen. Dass darunter seine Aufmerksamkeit leidet, bereut er wenig später zutiefst: Mitten im dichten Schneetreiben läuft ihm plötzlich eine Frau vors Auto.
Im Herzen ist Bryan ein guter Typ. Also lässt er die schwer verletzte Frau nicht einfach im Straßengraben liegen, sondern verfrachtet sie schwer verletzt und stocksteif auf den Beifahrersitz. Allein diese Situation sorgte im Saal bereits für jede Menge Lacher.
Typisch für Zach Cregger wechseln sich dabei unfassbar spannende und herrlich absurde Momente beinahe im Sekundentakt ab. Szenen mit Bryan, einer Taschenlampe, dichten Wäldern und einer infizierten Frau sind nicht nur beklemmend inszeniert, sondern teilweise auch überraschend komisch. Die Mischung aus Humor und Survival-Horror spitzt sich im weiteren Verlauf immer weiter zu. Nachdem Bryan mit seiner blutüberströmten Beifahrerin von einem Polizisten angehalten wird, jagt plötzlich ein Unglück das nächste.
Cregger macht selbst aus einer scheinbar simplen Verfolgungsjagd rund um ein verunglücktes Auto ein nervenaufreibendes Spannungsspektakel. Dass das erst der Anfang ist, bestätigte der Regisseur anschließend auch im Q&A. Seine Idee sei gewesen, Bryan von einem großen Setpiece zum nächsten stolpern zu lassen – wobei jede neue Station größer und extremer werden soll als die vorherige.
Wie das Ganze im fertigen Film aussehen wird, zeigt auch der brandneue Trailer sehr gut:

Warum „Resident Evil“ alle überraschen dürfte
Dass die Formel schon in den ersten Minuten so gut aufgeht, liegt an Creggers erneut starker Inszenierung und dem exzellenten Spiel von Austin Abrams, der den ganz normalen Typen, der plötzlich mitten in einer Zombie-Apokalypse landet, perfekt verkörpert. Genau das war laut Cregger auch seine Absicht: kein unbesiegbarer Actionheld, sondern ein gewöhnlicher Mensch, der sich irgendwie durch das Chaos kämpfen muss.
Der Film befreit sich bewusst von den ikonischen und manchmal auch etwas albernen Wurzeln der Spielreihe, zelebriert den Kanon der Games aber trotzdem in fast jeder einzelnen Sekunde. Fehlende Munition, auffällige schwarze Schreibmaschinen und effektive Kopfschüsse werden Fans in Creggers Adaption definitiv entdecken.
So oder so könnte „Resident Evil“ eines der spannendsten Horror-Experimente der vergangenen Jahre werden und mit seinem mutigen Konzept auch Neueinsteiger:innen ins Kino locken, die einfach einen intensiven Horrorfilm sehen wollen. Genau das wünscht sich auch Zach Cregger: Als riesiger Resident Evil-Fan möchte er die langjährigen Fans der Spiele ebenso begeistern wie Zuschauer:innen, die mit dem Franchise bislang kaum Berührung hatten. Ob ihm das gelingt, werden wir zwar erst ab dem 17. September erfahren – die ersten 18 Minuten machen jedoch bereits einen ausgesprochen vielversprechenden Eindruck.
Quellen
Constantin Film






