Olympia: Lindsey Vonn meldet sich mit Foto aus dem Krankenhaus
Nach ihrer dritten OP innerhalb kürzester Zeit meldet sich Lindsey Vonn mit einem neuen Foto aus dem Krankenhaus.

Nach ihrem schweren Sturz in der olympischen Abfahrt hat sich Lindsey Vonn erstmals selbst aus dem Krankenhaus zu Wort gemeldet. Am Mittwoch veröffentlichte die 41-Jährige ein Foto aus der Klinik – und gab ein persönliches Update zu ihrem Gesundheitszustand.
Auf Instagram schrieb der US-Skistar: „Heute hatte ich meine dritte Operation, und sie war erfolgreich. Erfolg hat heute eine ganz andere Bedeutung als noch vor ein paar Tagen. Ich mache Fortschritte, und auch wenn es langsam vorangeht, weiß ich, dass alles gut werden wird.“
Vonn hatte sich bei dem Sturz am Sonntag eine komplexe Tibiafraktur zugezogen – also einen schweren Schienbeinbruch, bei dem der Knochen in mehrere Teile zerbrochen ist. Mittlerweile hat sie bereits drei Operationen hinter sich.
Warum Vonn ein Metallgestell trägt
Auf dem Foto ist deutlich ein äußerer Fixateur zu erkennen – ein Metallgestell, das außerhalb des Körpers angebracht wird, um den gebrochenen Knochen zu stabilisieren.
Der Münchner Orthopäde Dr. Ulrich Boenisch erklärte gegenüber BILD das medizinische Vorgehen bei einer solchen Verletzung: „Wenn der Unterschenkel gebrochen ist, muss man immer auch mit einem Kompartment-Syndrom rechnen. Das heißt, dass die Weichteile durch Einblutungen so geschädigt sind, dass ein Überdruck im Gewebe entsteht und sekundär Gefäße, Nerven und Muskeln geschädigt werden.“
Weiter führt er aus: „Dann hat man vermutlich erstmal die Weichteile entlastet und in einem zweiten Schritt dann extern einen Fixateur angelegt, damit die Knochen wieder in die richtige Stellung gebracht werden.“
Das Metallgestell wird mit Querstangen oberhalb und unterhalb des Bruchs im Knochen fixiert. Eine äußere Längsverbindung stabilisiert den betroffenen Bereich zusätzlich. Laut Boenisch gibt es dabei zwei Möglichkeiten: „Entweder bringt man die Position so hin, dass es passt und der Trümmerhaufen wächst wieder zusammen. Oder die Weichteile und Gefäße sind zumindest so weit entlastet, bis man die verletzten Strukturen am Knochen wieder puzzleartig zusammenfügen und fixieren kann.“
Notfall mit Helikopter-Transport
Inzwischen wird immer deutlicher, dass es sich bei Vonns Einlieferung per Helikopter um einen kritischen Notfall handelte. Nach der Erstversorgung im Olympiakrankenhaus in Cortina d’Ampezzo wurde sie in das rund 100 Kilometer entfernte Ca’-Foncello-Krankenhaus in Treviso verlegt. Die Klinik verfügt über zahlreiche chirurgische Spezialisten und ist besonders für ihre neurochirurgische Abteilung bekannt.
Boenisch betont: „Wenn es darum geht, unfallchirurgisch versorgt zu werden, ist sie in Europa sehr gut aufgehoben. Eine Einheit wie das Unfallkrankenhaus Murnau wäre eine Top-Adresse. Man braucht eventuell auch Neurochirurgen oder Gefäßchirurgen. Das muss alles da sein.“ Und weiter: „Ich denke aber, auch die Kollegen in Treviso verstehen ihr Handwerk perfekt, um diese Verletzung positiv für Frau Vonn zu gestalten.“
Wann Vonn in die USA reisen kann, um sich dort weiter behandeln zu lassen, ist bislang offen. Ihr Vater erklärte jedoch bereits, dass sie „noch einige Tage“ im Krankenhaus bleiben werde.
Kreuzbandriss vor dem Start
Besonders dramatisch: Vonn war trotz eines wenige Tage zuvor erlittenen Kreuzbandrisses in das olympische Abfahrtsrennen gegangen. Eineinhalb Wochen vor dem Wettkampf hatte sie sich im Weltcup das vordere Kreuzband im linken Knie gerissen. Ob beim Sturz auf der Tofana weitere Bänderverletzungen hinzugekommen sind, ist derzeit nicht bekannt.
Für die behandelnden Ärzte stehen diese allerdings zunächst nicht im Fokus. Boenisch erklärt: „Bänderverletzungen sind bei einem Notfall wie diesem erstmal völlig zweitrangig. Wenn man sich die Position des Beines nach dem Sturz anschaut, sieht man, dass es nicht so steht, wie es stehen sollte. In erster Linie macht man dann das Bein wieder gerade. Dann kümmert man sich um die Weichteile und Gefäße.“
Trotz der schweren Verletzung zeigt sich Vonn kämpferisch und dankbar:
„Ich bin dankbar für all die unglaublichen medizinischen Mitarbeiter, Freunde und Familienmitglieder, die mir zur Seite stehen, und für die überwältigende Liebe und Unterstützung von Menschen aus aller Welt. Außerdem gratuliere ich meinen Teamkollegen und allen Athleten des Team USA, die mich inspirieren und mir etwas geben, worüber ich mich freuen kann.“










