Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: Nächstes Land plant Gebühren-Aus – was heißt das für Deutschland?
In Tschechien soll die Rundfunkgebühr abgeschafft werden, Frankreich kämpft mit Budgetkürzungen. Auch in Deutschland steht der Beitrag unter Druck. Doch was würde das Gebühren-Aus bedeuten?

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht in Europa zunehmend unter Druck. In Tschechien will die Regierung die bisherige Finanzierung von Radio und Fernsehen durch staatliche Mittel ersetzen. Frankreich hat die Rundfunkgebühr bereits abgeschafft und muss nun mit Einschnitten bei den Budgets seiner Sender umgehen.
Auch in Deutschland wird über die Zukunft des Rundfunkbeitrags gestritten. Die AfD fordert dessen Abschaffung und einen deutlich verkleinerten „Grundfunk“. Doch eines wird in der Debatte leicht übersehen: Wenn die Gebühr verschwindet, sind die Kosten für ARD, ZDF und Deutschlandradio nicht automatisch weg. Entscheidend ist, wer künftig zahlt – und wie unabhängig die Sender bleiben.
Tschechien plant die Abschaffung der Rundfunkgebühr
In Prag haben mehrere Hundert Menschen gegen die Pläne der Regierung von Andrej Babiš demonstriert. Das Vorhaben sieht vor, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk künftig direkt aus dem Staatshaushalt zu finanzieren. Das Budget der Sender könnte dadurch um 15 Prozent schrumpfen. Am 24. Oktober 2026 stimmte das Abgeordnetenhaus dem Gesetzentwurf zunächst zu. Endgültig verabschiedet ist das Gesetz zur Abschaffung damit aber noch nicht.
Kritiker befürchten allerdings bereits jetzt, dass die neue Finanzierungsform die Unabhängigkeit der Sender gefährden könnte. Zu den Gegnern des Vorhabens gehören die Europäische Rundfunkunion, die Europäische Journalisten-Föderation und Reporter ohne Grenzen. Die Regierung weist die Bedenken zurück und erklärt, redaktionelle Freiheit und Programmqualität sollten erhalten bleiben.
Frankreich erlebt die Folgen
Auch Frankreich zeigt, dass das Ende einer Rundfunkgebühr nicht zwangsläufig für finanzielle Entlastung bei den Sendern sorgt. Dort wurde die Abgabe 2022 abgeschafft und durch eine Finanzierung aus staatlichen Mitteln ersetzt. Für 2026 wurden die Zuwendungen an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk allerdings um insgesamt 86 Millionen Euro gekürzt.
Allein die staatliche Rundfunkgesellschaft „France Télévisions“ muss rund 80 Millionen Euro weniger einplanen, bei Radio France beträgt das Minus 4,1 Millionen Euro. Gewerkschaften warnen vor weiteren Einschnitten und fordern mehrjährige finanzielle Planungssicherheit. Die Frage nach der Finanzierung öffentlich-rechtlicher Medien bleibt politisch umkämpft. Eine andere Geldquelle löst die Auseinandersetzung über die Kosten also nicht mal so eben.
Rundfunkbeitrag in Deutschland abschaffen?
Auch in Deutschland ist die Finanzierung von ARD, ZDF und Deutschlandradio ein politisches Streitthema. Die AfD-Fraktion brachte im Mai 2026 einen Antrag in den Bundestag ein, der die Abschaffung des Rundfunkbeitrags vorsieht. Statt des bisherigen Angebots fordert die Partei einen stark verkleinerten, beitragsfreien „Grundfunk“, der sich vor allem auf Nachrichten und eine grundlegende Versorgung konzentrieren soll.
Die Begründung der AfD besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen. Einerseits kritisiert die Partei die journalistische Ausrichtung der öffentlich-rechtlichen Sender. Sie wirft ihnen vor, politisch einseitig, zu „links-woke“ und regierungsnah zu berichten. Andererseits lehnt sie die verpflichtende Finanzierung ab: Bürger:innen sollten nicht für ein Angebot zahlen müssen, das sie möglicherweise gar nicht nutzen oder dessen Inhalte sie ablehnen.

Diese Argumente treffen auf eine breitere Diskussion darüber, wie teuer der öffentlich-rechtliche Rundfunk sein darf, wie transparent seine Mittel eingesetzt werden und ob das Programm die gesellschaftliche Vielfalt angemessen abbildet. Solche Fragen sind legitim und sollten kritisch diskutiert werden. Die Vorwürfe der AfD sind allerdings zunächst die Position einer politischen Partei, keine allgemeingültige Feststellung über die journalistische Arbeit sämtlicher öffentlich-rechtlicher Redaktionen.
Die Forderung nach einem „Grundfunk“ würde zudem eine grundsätzliche Veränderung bedeuten: Neben Nachrichten und Informationen würden auch Kultur, Dokumentationen, Unterhaltung und Angebote für kleinere Zielgruppen zur Debatte stehen. Wie stark das Programm schrumpfen müsste, hinge davon ab, wie ein solches Modell konkret ausgestaltet und finanziert würde.
Was der Rundfunkbeitrag für Journalismus und Medienvielfalt bedeutet
Der Rundfunkbeitrag sichert in Deutschland die Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Sender. Aktuell liegt er bei 18,36 Euro im Monat pro beitragspflichtigem Haushalt. Für 2027 ist eine Erhöhung auf 18,64 Euro monatlich vorgesehen. Bei einer Volksabstimmung Anfang 2026 stimmte die Mehrheit sogar gegen eine Seknung des Rundfunkbeitrags.
Für den Journalismus ist entscheidend, dass die Sender ihre Arbeit aus einer gesetzlich geregelten Finanzierungsquelle bestreiten können, statt jedes Jahr neu um Geld aus dem Staatshaushalt verhandeln zu müssen. Eine solche Konstruktion kann die redaktionelle Unabhängigkeit stärken, weil die Finanzierung nicht unmittelbar von der jeweiligen Regierung abhängt.
+++Rundfunkbeitrag: Wann du Anspruch auf Befreiung hast+++
Sie garantiert allerdings nicht automatisch, dass jede journalistische Entscheidung ausgewogen oder fehlerfrei ist. Dafür braucht es zusätzlich professionelle Standards, Kontrolle und kritische Öffentlichkeit. Auch für Medienschaffende hat die Finanzierung konkrete Folgen. Öffentlich-rechtliche Sender beauftragen journalistische Beiträge, Dokumentationen und Reportagen, produzieren Kultur- und Informationssendungen und bieten regionale Berichterstattung. Das schafft Arbeit für Redaktionen ebenso wie für freie Journalist:innen, Produktionsfirmen und andere Kreative.
Gerade Themen und Zielgruppen, die sich kommerziell nur schwer finanzieren lassen, können durch ein beitragsfinanziertes Angebot eine Bühne erhalten. Bei einem grundlegenden Umbau wäre deshalb nicht nur zu klären, welche Sendungen wegfallen könnten. Es ginge auch darum, welche redaktionellen Strukturen erhalten blieben, wie viele Aufträge künftig vergeben würden und ob weniger Geld die Vielfalt der Berichterstattung einschränken könnte. Ein kleineres Angebot könnte Kosten senken, würde aber möglicherweise auch die Zahl der Themen, Perspektiven und journalistischen Arbeitsplätze reduzieren.
Wird Deutschland die Rundfunkgebühr abschaffen?
Ein Gebühren-Aus ist hierzulande bislang nicht beschlossen. Dass die AfD eine Abschaffung fordert, bedeutet nicht, dass sich eine entsprechende Mehrheit dafür gefunden hat. Gleichzeitig zeigen die Entwicklungen in anderen Ländern, dass sich die Debatte nicht allein um die monatliche Belastung der Haushalte dreht. Sie betrifft auch die Frage, wie öffentlich-rechtliche Medien künftig finanziert werden und welche Sicherungen ihre Unabhängigkeit schützen.
Würde Deutschland den Rundfunkbeitrag abschaffen, müsste eine andere Finanzierung an seine Stelle treten. Eine staatliche Finanzierung wäre eine Möglichkeit – sie müsste aber verlässlich ausgestaltet sein, damit der Rundfunk nicht durch kurzfristige politische Budgetentscheidungen unter Druck gerät. Ein deutlich kleineres Programm könnte wiederum bedeuten, dass weniger regionale Berichte, Kulturangebote und journalistische Produktionen entstehen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, ob der Rundfunkbeitrag bleibt. Es geht ebenso darum, welchen Auftrag ARD, ZDF und Deutschlandradio künftig erfüllen sollen, wie effizient sie mit ihrem Geld umgehen und wie ihre Unabhängigkeit gesichert werden kann.






