20 Jahre nach der Flucht

Natascha Kampusch: „Mediziner überfordert“ - So geht es ihr jetzt wirklich

Vor 20 Jahren bewegte ihre Geschichte die Welt: Die entführte Natascha Kampusch konnte fliehen. Doch sie konnte das Martyrium nie hinter sich lassen. Die Familie erhebt jetzt schwere Vorwürfe.

Natascha Kampusch
Natascha Kampusch erzählte ihre Geschichte immer wieder - und wurde dafür oft angegriffen. Foto: IMAGO / Eventpress

Sie wurde entführt, da war Natascha Kampusch gerade 10 Jahre alt. 3096 Tage Jahre hielt ein Mann sie gefangen. Dann konnte sie fliehen. Das war vor 20 Jahren. Ihre Geschichte ging um die Welt. Viele staunten über eine junge Frau, die so offen über ihr Martyrium reden konnte. Doch von dieser scheinbar sicheren Frau ist nichts geblieben, sagt ihre Familie.

Sie wurde immer wieder als Lügnerin bezeichnet

Dabei sah es nach ihrer Flucht zuerst so aus, als würde die damals 18-Jährige ihren Weg gehen. Sie schrieb eine Autobiografie, bekam eine eigene Talkshow. Doch davon sei nicht geblieben, erklärt ihre Schwester Claudia Nestelberger in der ORF-Dokumentation „Natascha Kampusch – Gefangen in Freiheit“. Der Grund: Immer wieder wurde ihre Geschichte angezweifelt.

Sogar hochrangige Staatsvertreter bezeichneten sie als Lügnerin. Fünfmal wurde der Fall überprüft, zuletzt sogar unter Beteiligung des deutschen Bundeskriminalamts und des US-amerikanischen FBI. Immer wieder war das Ergebnis eindeutig: Natascha Kampusch sagt die Wahrheit. Doch ihr Ruf blieb beschädigt.

Natascha Kampusch ist meist in ihrer eigenen Welt

Die Folge: Heute, 20 Jahre nach ihrer Flucht, brach Natascha Kampusch zusammen. „Jeder weiß, wie Natascha früher vor der Kamera gesprochen hat. Das gibt es jetzt überhaupt nicht mehr“, sagt ihre Schwester. „Sie ist meist in einer eigenen Welt. Sie ist wieder in einer Art Gefangenschaft. Es ist herzzerreißend und wir fühlen uns hilflos.“ Sogar Mediziner seien mit der aktuellen Situation überfordert.

Für die Familie war die Dokumentation wichtig. Denn zum Jahrestag der Flucht gab es wieder viele Presseanfragen. Und die Familie weiß: Viele werden über Natascha Kampusch berichten. Deshalb wollen sie ihre Geschichte erzählen – und dabei auch sensibel über den Zusammenbruch von Natascha sprechen. Dafür kehrte sie auch zu dem Haus zurück, in dem Natascha gefangen gehalten wurde – ein besonders emotionaler Moment.

Sendehinweis:

16. März 2026, um 20.15 Uhr in ORF 2: „Natascha Kampusch – Gefangen in Freiheit