„Mordlichter – Tod auf den Färöer Inseln“: Lohnt sich der düstere ARD-Krimi?
In „Mordlichter – Tod auf den Färöer Inseln“ gerät Odine Johne zwischen Tierschutzaktivisten und alte Familiengeheimnisse. Wir verraten, warum sich der atmosphärische ARD-Krimi lohnt und wo seine Schwächen liegen.

Steile Klippen, peitschender Regen und ein Mord, der eine ganze Inselgemeinschaft erschüttert: „Mordlichter – Tod auf den Färöer Inseln“ setzt auf eine Kulisse, die sofort unter die Haut geht. Doch hinter den spektakulären Landschaftsbildern verbirgt sich nicht nur ein klassischer Kriminalfall. Der ARD-Film mit Odine Johne erzählt auch von verdrängter Vergangenheit und dem erbitterten Streit um eine jahrhundertealte Tradition.
Darum geht es in „Mordlichter – Tod auf den Färöer Inseln“
Journalistin Johanna kehrt nach vielen Jahren auf die Färöer-Inseln zurück. Mit dem Verkauf ihres Elternhauses möchte sie endlich einen Schlussstrich unter ihre Vergangenheit ziehen. Vor allem der ungeklärte Tod ihres Vaters, der auf See ums Leben kam, belastet sie bis heute.
Doch kaum ist Johanna wieder in ihrer Heimat, gerät sie mitten in einen hochexplosiven Konflikt. Internationale Tierschutzaktivisten protestieren gegen die Jagd auf Grindwale, während Teile der Inselbevölkerung den Walfang als festen Bestandteil ihrer Kultur verteidigen.
Als Johanna am Fuß einer Klippe die Leiche des französischen Aktivisten Pierre entdeckt, beginnt ein düsterer Mordfall. In seinem Rücken steckt eine Waffe, die zur Tötung von Walen verwendet wird. Die Ermittlungen übernimmt Bjørn, ein Polizist und alter Freund aus Johannas Jugend.
Ein Mordfall führt Johanna zurück in ihre eigene Vergangenheit
Schnell deutet vieles darauf hin, dass Pierre mehr wusste, als einigen Inselbewohnern lieb war. Die Aktivisten vermuten, dass Waljäger die Tiere heimlich mit Peilsendern versehen haben. Musste Pierre sterben, weil er diese Praxis aufdecken wollte?
Johanna beginnt, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Dabei merkt sie zunehmend, dass auf der Insel nicht nur im Mordfall geschwiegen wird. Auch ihre eigene Familie scheint ihr entscheidende Dinge verheimlicht zu haben.
Hauptdarstellerin Odine Johne erklärt über ihre Figur: „Als ihr klar wird, dass sie ihr Leben lang belogen wurde, will sie unbedingt Antworten finden und die Wahrheit endlich ans Licht bringen. Das kann ich nachempfinden.“ Aus der Suche nach dem Täter wird damit zugleich eine sehr persönliche Reise. Je näher Johanna der Wahrheit kommt, desto größer wird die Gefahr für sie selbst.
Walfang auf den Färöern: Der wahre Konflikt hinter dem Krimi
Der Film greift mit dem Grindwalfang ein Thema auf, das seit Jahren für heftige Diskussionen sorgt. Während Befürworter die Jagd als Teil der färöischen Tradition betrachten, kritisieren Tierschutzorganisationen die Tötung der Tiere scharf.
Regisseurin Ute Wieland wollte den Film dennoch nicht als einfache Anklage inszenieren. Im ARD-Interview stellt sie die Frage: „Haben wir das Recht, andere Nationen zu belehren, während es im eigenen Land genug Schlachthäuser, Massentierhaltung und Doppelmoral gibt?“
Genau darin liegt eine der Stärken des Films. „Mordlichter“ zeigt den Konflikt nicht nur als Hintergrund für einen Mord, sondern verbindet ihn mit Fragen nach Moral, Herkunft und Zugehörigkeit.
Ganz ausgewogen gelingt das allerdings nicht immer. Die Fronten zwischen Aktivisten und Traditionalisten wirken stellenweise sehr klar verteilt. Etwas mehr Ambivalenz hätte dem Stoff zusätzliche Tiefe geben können.
Die Färöer-Inseln werden zur eigentlichen Hauptfigur
Visuell zählt „Mordlichter – Tod auf den Färöer Inseln“ zu den eindrucksvolleren ARD-Krimis. Die wilden Küsten, das dunkle Meer und die grünen, fast menschenleeren Landschaften schaffen eine bedrohliche Atmosphäre.
Gedreht wurde auf den Färöer-Inseln und in Nordirland. Kamerafrau Eeva Fleig fängt die Landschaft in langen, ruhigen Einstellungen ein, die den Film deutlich von vielen klassischen Fernsehkrimis abheben.
Gerade Zuschauerinnen, die nordische Thriller und melancholische Krimis mögen, dürften an der Atmosphäre Gefallen finden. Die Insel wirkt abgeschieden, rau und wunderschön zugleich und wird fast zu einer eigenen Figur innerhalb der Geschichte.
Kann der Kriminalfall mit der starken Atmosphäre mithalten?
Nicht vollständig. Die Ausgangslage ist spannend, und auch eine frühe Wendung sorgt für Überraschung. Trotzdem entwickelt der Fall im weiteren Verlauf nicht immer den Nervenkitzel, den die düstere Inszenierung verspricht.
Auch die Geschichte einer Frau, die in ihre alte Heimat zurückkehrt und dort mit einem Verbrechen sowie ihrer tragischen Familiengeschichte konfrontiert wird, ist nicht völlig neu. Einige Figuren bleiben zudem eher blass.
Dafür überzeugt Odine Johne mit einer zurückgenommenen, ruhigen Darstellung. Ihre spröde Ausstrahlung passt hervorragend zu der kargen Landschaft und der verschlossenen Inselgemeinschaft.
Lohnt sich „Mordlichter – Tod auf den Färöer Inseln“?
Wer einen rasanten Thriller mit ständig neuen Wendungen erwartet, könnte enttäuscht werden. „Mordlichter“ lebt weniger von der Täterjagd als von seiner bedrückenden Stimmung, dem ungewöhnlichen Schauplatz und dem moralischen Konflikt rund um den Walfang.
Der Film ist vor allem für Zuschauerinnen interessant, die atmosphärische Krimis und nordische Landschaften mögen. Inhaltlich bleibt er stellenweise hinter seinen Möglichkeiten zurück, optisch ist er jedoch ein echtes Erlebnis.
Die Wiederholung von „Mordlichter – Tod auf den Färöer Inseln“ läuft am Samstag, 18. Juli, um 20.15 Uhr im Ersten.






