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„Metroid Prime 4: Beyond“ im Test: Das lange Warten endet! Doch hat es sich gelohnt?

Das Comeback, auf das Fans seit einem Jahrzehnt gewartet haben, ist da. Doch so großartig sich „Metroid Prime 4: Beyond“ in seinen besten Momenten anfühlt, so deutlich stolpert es auch über seine eigenen Ambitionen.

Samus Aran schaut in Metroid Prime 4 Beyond in die Kamera
Kann „Metroid Prime 4: Beyond“ die hohen Erwartungen erfüllen? Foto: Nintendo

Im Gegensatz zu „Super Mario“ & Co. war die „Metroid“-Reihe immer wie der kleine nischige Bruder im Hause Nintendo, der zwar nie außerordentlich erfolgreich war, aber eine extrem treue Fanschar hinter sich vereinen konnte. Letztendlich war es auch der Titel, der dem beliebten Metroidvania-Genre mit Titeln wie „Hollow Knight: Silksong“ & Co. überhaupt erst auf die Sprünge geholfen hat. Dementsprechend spannend war es zu sehen, wie riesengroß die Erwartungshaltung für „Metroid Prime 4: Beyond“ war.

Seit der ursprünglichen Ankündigung 2017 – und dem kompletten Reboot der Entwicklung – haben Fans auf ein brandneues Prime-Abenteuer auf einer modernen Nintendo Konsole hingefiebert, das das ikonische Gefühl von Isolation, Erkundung und atmosphärischer Sci-Fi-Spannung ins moderne Zeitalter hebt. Und tatsächlich liefert das Action-Adventure einige spektakuläre Highlights, die zeigen, warum diese Reihe ihren wohlverdienten Kultstatus besitzt. Gleichzeitig offenbart der vierte Teil aber auch spürbare Schwächen, vor allem in der offenen Hub-Wüste, die dem Geist und Charme der Reihe komplett zuwiderlaufen.

Atmosphäre: Wenn „Prime 4“ glänzt, dann richtig

Samus Aran auf dem ersten Planeten in Metroid Prime 4 Beyond, der sehr grün und dschungelig ist
Samus Aran muss wieder Foto: Nintendo

Kaum eine Reihe versteht es so gut wie „Metroid Prime“, Spieler:innen in eine dichte, mysteriöse Welt zu werfen. „Beyond“ macht hier vieles richtig: Die einzelnen Regionen sind grandios gestaltet, voller Details, beeindruckender Beleuchtung und einem Sounddesign, das sofort weite Sci-Fi-Einsamkeit spürbar macht. Sobald sich eine Tür öffnet und Samus in eine neue Höhle, Forschungsstation oder vergessene Ruine tritt, kommt dieses unvergleichliche Prime-Gefühl sofort zurück. Retro Studios zeigt eindrucksvoll, dass sie diese DNA immer noch absolut verinnerlicht haben.

Auch die Geschichte rund um die uralte Lamorn-Zivilisation bietet genug narrativen Stoff, um der Erkundung auch einen spannenden Story-Hintergrund zu geben. Samus wirkt wieder wie die schweigsame, stoische Jägerin, die allein mit ihren Gedanken und ihren Werkzeugen durch fremde Welten streift. Das funktioniert nahezu perfekt, solange das Spiel genau das tut, was Prime immer getan hat: dich allein zu lassen.

Viel wurde im Vorfeld über die neuen Sidekicks wie „Miles MacKenzie“ & Co. schon geschrieben. Zum ersten Mal begleitet Samus zeitweise eine Handvoll Galactic-Federation-Figuren. Sie sind gut vertont und bringen in manchen Momenten echte Würze in die Story, auch wenn Miles gerade zu Beginn eher wie ein Fremdkörper wirkt, aber doch weit weniger nervig ist, als es zunächst den Anschein hat. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass „Prime 4“ gar keine Sidekicks bräuchte. Jede Szene, in der Samus allein ist, fühlt sich einfach stärker an. Zum Glück lässt das Spiel der ikonischen Bounty Hunterin viel Raum für einsame Erkundung.

Eine leere Welt, die viel zu groß und abgetrennt vom Rest wirkt

Das größte Fragezeichen bleibt die neue offene Hub-Wüste „Sol Valley“, die als zentrale Verbindung zwischen den Regionen dient. Zum ersten Mal steuert sich Samus dort per neuem Bike, das technisch sauber läuft, flott beschleunigt und überraschend gut ins „Prime“-Universum integriert wurde – zumindest auf dem Papier. In der Praxis bleibt allerdings schnell Ernüchterung zurück: Die Wüste ist schlicht nicht spannend genug gestaltet, um das neue Gefährt wirklich auszureizen.

Statt aufregender Verfolgungsjagden, versteckter Wege oder cleverer Abkürzungen erwartet Spieler:innen meist nur eine sehr weitläufige, aber erstaunlich leere Fläche. Ein paar immer gleiche Gegner, vereinzelte Kristalle zum Einsammeln und ein paar Mini-Schreine – das war’s. Das Bike wird dadurch eher zum reinen Transportmittel, nicht zum Feature, das die Erkundung bereichert.

Noch deutlicher spürt man das, wenn das Spiel Samus zwingt, stundenlang durch dieses Gebiet zu fahren, nur um bestimmte Ressourcen einzusammeln. Die Aufgabe wirkt mehr nach Füllmaterial als nach spannendem Spielmoment. Und das ist besonders schade, denn Metroid Prime war immer dann am stärksten, wenn Räume klein, verzweigt und voller Geheimnisse waren – nicht, wenn Samus durch eine offene Ödnis braust, die sie möglichst schnell hinter sich lassen möchte.

Gute Dungeons, aber weniger „Metroidvania“ als gedacht

Die eigentlichen Regionen liefern glücklicherweise genau das, was Fans lieben: verwinkelte Innenräume, clever platzierte Upgrades, anspruchsvolle Plattforming-Passagen und ein Gefühl von Fortschritt, das direkt an frühere Prime-Highlights erinnert. Allerdings sind viele Areale dieses Mal weniger miteinander verzahnt. Statt eines riesigen Spinnennetzes aus Wegen und Abkürzungen gibt es stärker abgetrennte Zonen, die man meist nur einmal linear durchläuft und vielleicht noch später, um das eine oder andere nicht erreichbare Upgrade doch noch mitzunehmen.

Das schadet nicht zwingend der Qualität, aber es sorgt dafür, dass „Prime 4“ sich weniger explorativ anfühlt als die Vorgänger. Die Erwartung war groß: ein moderner Prime-Ableger, der das klassische Metroidvania-Leveldesign zurückbringt. Tatsächlich ist „Beyond“ eher eine Mischung aus Prime 2, Prime 3 und modernen Action-Adventure-Strukturen.

Technisch liefert „Metroid Prime 4: Beyond“ grundsätzlich ab: Auf der Nintendo Switch 2 läuft das Spiel flüssig, mit beeindruckender Weitsicht und fantastischem Artstyle. Man merkt dem Titel hin und wieder jedoch an, dass es als Crossplatform-Spiel auch für die Nintendo Switch entwickelt wurde. Besonders in der Open World bzw. auf dem neuen Bike wirken Texturen dann doch mal sehr verwaschen und simpel, aber das Spiel fängt sich spätestens in den Dungeons wieder. Und auch im Handheld-Modus sieht das Spiel richtig gut aus und kann natürlich auch mit der coolen Maussteuerung überzeugen, wenngleich „Metroid Prime 4“ nicht zwangsläufig DAS Spiel ist, das eine ultrapräzise Maussteuerung nötig hat.

Kampfsystem und Fähigkeiten: Klassisch, flott, mit neuen Twists

Im Kern spielt sich „Beyond“ fantastisch. Samus reagiert präziser, schneller und flexibler als je zuvor. Die neuen psychischen Lamorn-Fähigkeiten bringen willkommene Abwechslung in Puzzles und Kämpfe, ohne das klassische Prime-Gefühl zu zerstören. Viele Bosskämpfe sind spektakulär inszeniert und erinnern daran, warum Retro Studios seit jeher zu den besten Nintendo-Partnern zählt.

Probleme entstehen erst dann, wenn das Spiel in alte Muster verfällt: zu viele Gegnerwellen, zu viel „Shooter-Korridor“ statt purem Erkunden. Zum Glück bleiben diese Passagen in der Minderheit.

Wie lange dauert „Metroid Prime 4: Beyond“?

Die Spielzeit von „Metroid Prime 4“ liegt im Durchschnitt bei rund 13–15 Stunden, wenn du dich auf die Hauptstory konzentrierst. Wer allerdings alle Upgrades, Geheimnisse, optionalen Schreine und Scans finden möchte, landet schnell bei 20–25 Stunden oder sogar mehr.

Fazit: Ein starkes Comeback mit klaren Schwächen

„Metroid Prime 4: Beyond“ ist ein starkes, teilweise auch brillantes Spiel, das die Faszination der Reihe in vielen Momenten modernisiert und mitreißend einfängt. Es liefert intensive Atmosphäre, tolle Bosskämpfe und abwechslungsreiche Sci-Fi-Welten, wie sie nur Prime erschaffen kann. Aber: Die offene Hub-Wüste bleibt ein strukturelles Problem, das das Pacing lähmt. Das Leveldesign ist stellenweise weniger raffiniert als in den Vorgängern. Und manche Ideen fühlen sich unausgereift an.

Trotzdem ist „Beyond“ ein hervorragendes Metroid-Spiel, allerdings nicht das Meisterwerk, das viele nach all den Jahren erwartet haben. Ein sehr gutes Spiel, das in seinen besten Momenten sogar an die legendären Vorgänger heranreicht, aber eben nicht durchgehend.

„Metroid Prime 4: Beyond“ erscheint am 04. Dezember für Nintendo Switch und Nintendo Switch 2

Quellen

  • Nintendo