„Medaille wertlos": Skeleton-Fahrer wegen Ukraine-Helm disqualifiziert
Ein Helm sorgt für den größten Aufreger der Winterspiele und kostet einen Athleten die Olympia-Teilnahme …

Gänsehaut in Cortina d’Ampezzo: Skeleton-Fahrer Vladyslav Heraskevych (27) steht am Rand der Eisbahn – sein Helm in der Hand. Darauf sind die Gesichter von 20 ukrainischen Sportlern, die im Krieg ihr Leben verloren haben. Für Heraskevych ein Mahnmal. Für das IOC ein Regelverstoß.
Vladyslav Heraskevych gedenkt mit dem Held den Kriegsopfern
Schon beim Training für die Olympischen Winterspiele 2026 sorgt Vladyslav Heraskevych für Aufsehen: Mit seinem besonderen Helm rast er zur Bestzeit auf der Skeleton-Bahn in Cortina d’Ampezzo. Auf dem Helm sind die Gesichter von 20 ukrainischen Sportlern, die im Krieg ums Leben kamen. Viele davon hat er persönlich gekannt. Für Heraskevych ist der Helm ein Zeichen der Erinnerung.
Das IOC sieht das anders: Laut Regel 50 der Olympischen Charta dürfen politische Botschaften bei Wettkämpfen nicht gezeigt werden, damit sich alle Teilnehmenden auf den Sport konzentrieren können. Das Helmdesign verstößt also gegen die Vorschriften. Trotzdem sagt der 27-Jährige: „Ich werde diese Athleten nicht verraten. Die Medaille ist wertlos im Vergleich zu Menschenleben und der Erinnerung an diese Athleten.“
Olympia-Aus nach dem Helm-Streit
Am Morgen des Rennens spitzt sich die Lage zu. IOC-Präsidentin Kirsty Coventry kommt persönlich an die Bahn, nur 75 Minuten vor dem Start, um mit Heraskevych zu sprechen. Sie bittet ihn, auf einen anderen Helm umzusteigen. Das IOC schlägt einen Kompromiss vor: Der Erinnerungshelm darf nach dem Rennen in der Mixed Zone gezeigt werden, dazu könnte er einen schwarzen Trauerflor tragen.
Heraskevych stimmt nicht zu. Er will die Gesichter der gefallenen Athleten nicht verstecken, einen Ersatzhelm hat er nicht. Kurz darauf folgt die Entscheidung: Olympia-Aus für den Medaillenhoffnungsträger. „Ich spüre nur Leere“, sagt er und fügt später auf Instagram hinzu: „Das ist der Preis unserer Würde.“ Sein Team kündigt Berufung beim Sportgerichtshof CAS an.
Auch andere reagieren fassungslos. „Es ist ein Desaster“, sagt Lettlands Trainer Ivo Steinbergs. Das IOC betont, es gehe nicht um die Botschaft selbst, sondern um den Ort, an dem sie gezeigt wird. Sport müsse neutral bleiben. Für viele Zuschauer bleibt trotzdem ein bitterer Nachgeschmack.
Heraskevychs Statement nach dem Helm-Eklat
In einem Video auf Instagram nimmt Heraskevych Stellung zu dem Eklat. Nach seinen Worten habe nicht er den Streit verursacht, sondern das IOC – durch eine Auslegung der Regeln, die von vielen als diskriminierend empfunden wird.
Er verlange, mit seinem Helm starten zu dürfen, und fordere zugleich eine Entschuldigung für den Druck der vergangenen Tage. Zudem nutze er die Gelegenheit, um auf den Krieg in seinem Heimatland aufmerksam zu machen: Als Zeichen der Solidarität mit dem ukrainischen Sport bittet er um Stromgeneratoren für Sportanlagen, die unter den täglichen russischen Angriffen leiden.









