„Lupin“-Fans entsetzt über neue Synchronstimme: Das steckt hinter der Änderung
Drei Jahre mussten „Lupin“-Fans auf neue Folgen warten – und dann klingt Assane Diop plötzlich völlig anders. Hinter dem überraschenden Sprecherwechsel steckt ein größerer Streit zwischen Netflix und der deutschen Synchronbranche.

Seit dem 23. Oktober ist „Lupin“ Teil 4 bei Netflix verfügbar. Omar Sy schlüpft darin erneut in die Rolle des Meisterdiebs Assane Diop. Wer die Serie auf Deutsch schaut, dürfte allerdings schon nach wenigen Sekunden gestutzt haben: Die vertraute Stimme des Hauptdarstellers ist verschwunden.
In den ersten drei Teilen wurde Omar Sy von Sascha Rotermund gesprochen. Nun übernimmt Synchronsprecher Alexander Doering. Schon als der deutsche Trailer erschien, reagierten zahlreiche Fans irritiert und teilweise ausgesprochen verärgert. Unter dem Video wurde unter anderem angekündigt, die neuen Folgen wegen der Umbesetzung gar nicht erst anschauen zu wollen.
Doch warum tauscht Netflix ausgerechnet nach drei Staffeln eine Stimme aus, die für viele Zuschauer längst untrennbar mit Assane verbunden war?
„Lupin“: Darum hat Omar Sy plötzlich eine neue Synchronstimme
Hinter dem Wechsel steckt ein seit Monaten schwelender Konflikt um künstliche Intelligenz und die Verträge deutscher Synchronsprecher.
Netflix möchte in seinen neuen Vereinbarungen Regelungen festhalten, durch die Sprachaufnahmen auch für das Training von KI-Systemen genutzt werden können. Der Verband Deutscher Sprecher (VDS) lehnt diese Vertragsbedingungen ab und empfiehlt seinen Mitgliedern, entsprechende Verträge nicht zu unterschreiben.
Sascha Rotermund gehört zu den Sprecher, die diesem Aufruf folgen. Bereits im Frühjahr wurde bekannt, dass er für die vierte „Lupin“-Staffel nicht mehr zur Verfügung stehen würde. Auch Anne Helm, die bislang Claire-Darstellerin Ludivine Sagnier ihre deutsche Stimme lieh, verweigerte die neuen Verträge.
Netflix hält dagegen, dass eine digital nachgebildete oder synthetische Stimme nur mit einer zusätzlichen ausdrücklichen Zustimmung der jeweiligen Sprecher eingesetzt werden dürfe. Mit dem Bundesverband Schauspiel (BFFS) hat der Streamingdienst bereits eine Vereinbarung zum Umgang mit KI geschlossen. Dem VDS gehen diese Regelungen jedoch nicht weit genug.
Nicht nur Assane: Gleich mehrere „Lupin“-Figuren klingen anders
Die Folge dieses Streits ist in Staffel 4 deutlich zu hören. Netflix hat nicht nur Assane neu besetzt.
Claire Laurent wird nun von Aline Staskowiak statt Anne Helm gesprochen. Hubert Pellegrini bekommt mit Rainer Doering ebenfalls eine neue Stimme. Bei Benjamin Férel übernimmt Ricardo Richter, Juliette Pellegrini wird von Damineh Hojat gesprochen und Sofia Belkacem von Marie-Terese Katt.
Kurios: Rainer Doering, der nun Hubert Pellegrini spricht, ist der Vater von Alexander Doering – also dem neuen deutschen Assane.
„Lupin“-Fans müssen sich wohl an Alexander Doering gewöhnen
Eine Rückkehr von Sascha Rotermund als Assane ist bislang nicht angekündigt. Solange sich Netflix und die ablehnenden Synchronsprecher beziehungsweise der VDS nicht auf neue Bedingungen einigen, dürfte sich daran zunächst wenig ändern.
Dass der Streit inzwischen weit über „Lupin“ hinausgeht, zeichnete sich schon seit Monaten ab. Auch andere Netflix-Produktionen sind von Umbesetzungen betroffen und mehrere bekannte Synchronsprecher lehnen die neuen Verträge ab.
Für deutsche „Lupin“-Fans bleibt damit vorerst nur die Wahl: sich an die neue Stimme zu gewöhnen oder auf die französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln auszuweichen.
Dass die Umstellung vielen schwerfällt, dürfte Netflix mittlerweile jedenfalls kaum entgangen sein. Schließlich begleitet Sascha Rotermunds Stimme Omar Sy als Assane bereits seit dem Start der Serie im Jahr 2021 – und war für viele Fans mindestens genauso sehr Teil der Figur wie dessen Mantel, Charme und ausgeklügelte Täuschungsmanöver.






