„Ku’damm 77“ erklärt: Was hinter Helgas Entwicklung wirklich steckt!
In „Ku’damm 77“ zeigt Maria Ehrich ihre Figur Helga so verletzlich und widersprüchlich wie nie zuvor. Im großen TVMovie-Interview spricht die Schauspielerin offen über Lampenfieber, harte Kritik im Netz und ihren Wunsch, die Kultreihe für immer weiterzuerzählen.

Mit „Ku’damm 77“ kehrt nicht nur eine der beliebtesten deutschen TV-Reihen zurück, sondern auch eine Figur, die über Jahre hinweg polarisiert, berührt und immer wieder herausfordert. Helga Schöllack, gespielt von Maria Ehrich, steht erneut im Zentrum einer Geschichte, die von unterdrückten Gefühlen, gesellschaftlichen Zwängen und den Spätfolgen ungelöster Traumata erzählt. Während sich das Berlin der Siebziger langsam verändert, kämpft Helga mehr denn je mit sich selbst und fällt dabei schmerzlich in alte Muster zurück.
Für Maria Ehrich ist die Rückkehr an den Ku’damm weit mehr als ein weiterer Dreh. Seit über zehn Jahren begleitet sie die Figur durch verschiedene Jahrzehnte, Brüche und Neuanfänge. In „Ku’damm 77“ zeigt sie Helga verletzlicher, widersprüchlicher und realistischer denn je. Im Gespräch mit TVMovie spricht die Schauspielerin offen über ihre anhaltende Nervosität vor TV-Starts, den Umgang mit teils harter Kritik im Netz und darüber, warum Helgas Rückschritte für sie eine logische und notwendige Entwicklung sind.
„Ku’damm 77“: Maria Ehrich im Interview
TVMovie: Bist du vor einem TV-Start immer noch aufgeregt oder hat das mit der Zeit abgenommen?
Maria Ehrich: Es hat sich ein bisschen verändert. Als ich angefangen habe, war ich schon Monate vorher aufgeregt und konnte an nichts anderes denken. Mittlerweile habe ich es besser im Griff. Trotzdem bin ich am Tag der Veröffentlichung immer noch sehr nervös. Ich kann es dann kaum abwarten und habe gleichzeitig dieses Gefühl von „Ich will es nicht sehen und ich muss es sehen“. Das hält sich ziemlich die Waage.
TVMovie: Schaust du dann, was Fans sagen – wie die Reaktionen sind? Oder worauf achtest du?
Maria Ehrich: Ich wünschte, ich könnte das entspannter. Ich mache das nur selten, weil ich zu viel Angst vor negativer Kritik habe. Im Ku’damm-Team gibt es ein, zwei Leute, die total resistent dagegen sind und das teilweise sogar witzig finden. Wenn die dann negative Kommentare in unsere WhatsApp-Gruppe schicken, kann ich das besser verdauen – da hat es schon jemand vor mir gesehen. Private Nachrichten lese ich hingegen öfter. Aber Kommentare auf Social Media finde ich hardcore, weil viele anonym sind und einfach schreiben, was sie wollen. Das ist oft ziemlich fies.
TVMovie: Das kann ich mir total vorstellen. Ich frage mich, ob man jemals ein dickes Fell bekommt …
Maria Ehrich: Ich mache das seit über 20 Jahren – und ich habe es immer noch nicht. Das liegt aber wahrscheinlich an mir.
TVMovie: Kannst du mich mal mitnehmen zur Leseprobe: Wie war das, als ihr im großen Team wieder zusammen wart und zum ersten Mal das Drehbuch gelesen habt?
Maria Ehrich: Wir hatten eine große Pause zwischen „Ku’damm 63“ und „Ku’damm 77“. Erst der Zeitsprung, dann Corona – wir wussten lange nicht, ob es weitergeht. Bei der Leseprobe war ich völlig albern und habe ständig gekichert. Wir haben alle so viel gelacht, weil wir uns so gefreut haben, dass es weitergeht. Die Schauspielerin, die Linda spielt, war an dem Tag zum Casting da, setzte sich zu uns und bekam unser gesamtes Chaos ab. Danach haben wir uns bei ihr entschuldigt. Es war wild – aber total schön.
TVMovie: Warst du beim Casting deiner „Tochter“ viel eingebunden?
Maria Ehrich: Ja, wir haben vier junge Frauen gecastet und alle waren super. Marie kam als Letzte rein und hat uns komplett umgehauen – buchstäblich, sie hat im Spiel mit dem Stuhl geworfen. Sie hatte so viel Feuer, genau das, was die Rolle braucht. Wir wussten direkt, dass sie es ist.

TVMovie: Wie viel Helga steckt in Friederike? Die beiden sind ja ziemlich unterschiedlich.
Maria Ehrich: Friederike ist sehr emotional und herzlich – und Helga eigentlich auch, nur ist bei ihr vieles verschüttet durch ihre Erziehung und die Erwartungen von außen. Ihr Leitsatz ist ja: „Ich bin nicht genug.“ Deshalb ist sie stur, geht über Grenzen und man möchte sie manchmal einfach schütteln. Hätte sie eine andere Mutter gehabt oder wäre in einer anderen Zeit aufgewachsen, wäre sie vielleicht wie Friederike geworden – sensibel, leidenschaftlich, mit dem Herz auf der Zunge. Friederike stemmt sich zwar gegen ihre Mutter, trägt aber dennoch Helgas inneren Kern in sich. Das ist eigentlich ein schönes Bild.
TVMovie: Was glaubst du, würde Helga wirklich glücklich machen?
Maria Ehrich: In der Zeit, in der wir sie jetzt sehen, würde sie wahrscheinlich „Luxus“ sagen. Aber eigentlich braucht Helga ein Hobby – etwas, das nur sie mag. Sie weiß gar nicht, was ihr selbst Freude macht, weil sie sich immer nur nach außen präsentiert. In „Ku’damm 77“ singt sie kurz, völlig betrunken. Sie hat keine große Stimme, aber ich stelle mir vor, dass Musikalität oder Tanzen ihr gut getan hätten.
TVMovie: Wann hast du zuletzt gesungen? Ich habe dich immer noch aus „Rock it!“ im Kopf.
Maria Ehrich: In der besagten Szene, aber das war eher schiefes Betrunken-Singen. Privat singe ich total gerne. Vor ein paar Wochen habe ich wieder mit Gesangsunterricht angefangen. Interessanterweise fällt es mir schwer, vor Menschen zu singen – dabei bin ich Schauspielerin und gewohnt, gesehen zu werden. Beim Dreh der Ku’damm-Szene war ich super vorbereitet, aber am Drehtag war meine Stimme plötzlich weg. Das war psychosomatisch. Privat übe ich jetzt einfach, weil es Spaß macht.
TVMovie: Könntest du dann im Ku’damm-Musical mitspielen? Das wäre doch praktisch.
Maria Ehrich: Sehr praktisch.
TVMovie: Hast du dir vorher Gedanken gemacht, wohin Helgas Weg führt? Und hat das dann zur finalen Storyline gepasst?
Maria Ehrich: Ehrlich gesagt war ich anfangs nicht begeistert. In „63“ wirkt Helga ja fast glücklich: Sie hat die Tanzschule, ihr Kind – man denkt, sie hat es verstanden. Und in „77“ hat sie plötzlich ein Alkoholproblem und fällt zurück in alte Muster. Ich wusste zuerst nicht, warum das nötig ist. Annette, unsere Autorin, hat mir erklärt, dass Traumata bleiben, wenn man sie nicht bearbeitet. Nur weil Helga einmal eine bessere Phase hatte, ist nicht plötzlich alles gut. Es ist realistischer, dass sie zurückfällt – gerade in einer Zeit, in der Frauen sich noch nicht so leicht emanzipieren konnten. Als ich das verstanden habe, fand ich es viel spannender.
TVMovie: Wie bist du bei der Rollenarbeit vorgegangen, gerade bei den neuen zeitlichen Sprüngen?
Maria Ehrich: Wir spielen die Figuren seit zehn Jahren – man kennt sie. Trotzdem hatte ich am ersten Drehtag Sorge, ob ich wieder reinkomme. Ich habe mich besonders mit Helgas Alkoholisierung beschäftigt, weil das schwer zu spielen ist. Zeitlich waren wir durch das Drehbuch gut geführt: Annette hat viele Hinweise eingebaut, worüber man sich informieren könnte. Früher sind wir noch in Bibliotheken gerannt, haben Bücher auf dem Kopf balanciert, um die Haltung zu lernen. Jetzt konnten wir vieles loslassen, weil die Figuren und die Welt so vertraut sind.
TVMovie: Wie schwer war es, sich die Haare abzuschneiden? Ich erinnere mich an deinen Instagram-Post.
Maria Ehrich: Ich verrate dir ein Geheimnis: Das war eine Perücke! Meine echten Haare wurden nur etwas gekürzt, damit sie darunter passen. Die gewünschte Frisur hätte mit meinen echten Haaren gar nicht funktioniert – deshalb war die Maskenabteilung froh über die Perücke.
TVMovie: Mit welcher Helga würdest du dich besser verstehen – der aus ’77 oder der aus ’63 bzw. ’56?
Maria Ehrich: Die Helga aus ’63 ist mir näher, weil sie freier wirkt und eher das tut, was ihr guttut. Die Helga aus ’77 fängt dagegen gerade erst an zu verstehen, was in ihr vorgeht, und schmeißt sich ungewollt ständig ins kalte Wasser. Die Gespräche mit ihr wären vermutlich spannender – aber wir würden auch öfter aneinandergeraten.
TVMovie: Wie war es, wieder neue Gesichter im Cast zu haben? Ihr seid ja ein eingeschworenes Team.
Maria Ehrich: Es war toll! Unsere Neuzugänge waren alle großartig und haben einen neuen Vibe mitgebracht. Hinter der Kamera waren auch viele bekannte Gesichter. Es fühlte sich an wie nach Hause kommen – besonders im Studio. Man verbringt so viele Stunden miteinander, das schweißt zusammen.
TVMovie: In der Branche ist das ja selten – oft ist man ein Projekt zusammen und dann geht jeder wieder seiner Wege, oder?
Maria Ehrich: Total. Man nimmt sich immer vor, in Kontakt zu bleiben, aber das Leben kommt dazwischen. Beim Ku’damm ist es anders: Wir werden quasi „gezwungen“, wieder zusammenzuarbeiten – und das fühlt sich jedes Mal sehr besonders an.
TVMovie: Eine allerletzte Frage: Ist Ku’damm für dich mit „77“ abgeschlossen oder wünschst du dir, dass es weitergeht?
Maria Ehrich: Ich wünsche mir, dass es weitergeht. Für immer.
TVMovie: Das wollte ich hören!
Darum geht es in den neuen Filmen!
Über der Tanzschule sind inzwischen drei Generationen der Schöllack-Frauen vereint: Monika und Helga, ihre Töchter Dorli und Friederike sowie die dominante Matriarchin Caterina. Eva gehört diesmal nicht zum häuslichen Gefüge – sie lebt getrennt von der Familie und zwar hinter Gefängnismauern. Das ohnehin fragile Gleichgewicht gerät erneut ins Wanken, denn alte Sehnsüchte und neue Versuchungen sorgen für reichlich Konfliktstoff. Träume von einer großen Tanzkarriere platzen, unerwartete Begegnungen mit Straßenmusikern wecken verschüttete Leidenschaft für Musik, ein Zahnarzt wird zur emotionalen Stütze – und eine Journalistin mischt sich mit ganz eigenen Interessen ein. Ruhe kehrt am Ku’damm also auch diesmal nicht ein.
„Ku’damm 77“: Starttermin bekannt
Der Dreiteiler ist bereits ab dem 27. Dezember 2025 in der ZDF-Mediathek verfügbar. Die lineare Ausstrahlung im Fernsehen beginnt am 12. Januar 2026.
Die Sendetermine im Überblick:
Teil 1: 12. Januar 2026, 20:15 Uhr
Teil 2: 13. Januar 2026, 20:15 Uhr
Teil 3: 14. Januar 2026, 20:15 Uhr







