Klage gegen Disney wegen sexuellem Missbrauch am Set: Raquel Lee Bolleau erhebt schwere Vorwürfe
Die ehemalige Kinderdarstellerin Raquel Lee Bolleau verklagt Disney. Sie wirft einem damaligen Mitarbeiter vor, sie während Dreharbeiten im Alter von 14 Jahren mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Was genau passiert ist …

Schwere Vorwürfe gegen Disney: Raquel Lee Bolleau, die als Kind unter anderem durch die Nickelodeon-Sendung „The Amanda Show“ bekannt wurde, hat Klage gegen The Walt Disney Company eingereicht. Im Zentrum stehen die Dreharbeiten zum Disney-Channel-Film „Das Verpuffungsphänomen“ aus dem Jahr 2001.
Wie Entertainment Weekly unter Berufung auf die vorliegende Klageschrift berichtet, beschuldigt Bolleau einen damals für Disney tätigen Mann, sie während der Produktion wiederholt sexuell missbraucht zu haben. Bolleau war zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt. Disney selbst wird in der Zivilklage Fahrlässigkeit vorgeworfen: Das Unternehmen habe sie nicht ausreichend geschützt und trotz erkennbarer Warnsignale keine Untersuchung eingeleitet.
Die Vorwürfe sind bislang nicht gerichtlich festgestellt. Der mutmaßliche Täter wird in der Klage nicht namentlich genannt.
Raquel Lee Bolleau: Das wirft sie einem Disney-Mitarbeiter vor
Die Klage wurde am Freitag, 21. August 2026, beim Los Angeles County Superior Court eingereicht. Darin beschreiben Bolleaus Anwält:innen den Beschuldigten als einen damals mittelalten männlichen Disney-Mitarbeiter.
Nach Bolleaus Darstellung soll der Mann sie zunächst dazu gedrängt haben, Alkohol zu konsumieren. Anschließend habe er sie während der Produktion von „Das Verpuffungsphänomen“ mehrfach vergewaltigt, sexuell angegriffen, missbraucht und belästigt.
Die mutmaßlichen Übergriffe sollen sich unter anderem in dem Hotel in Salt Lake City ereignet haben, in dem Cast und Crew während der Dreharbeiten untergebracht waren. Bolleau behauptet außerdem, dass es später auch während eines Rückflugs nach Los Angeles zu einem Übergriff gekommen sei.
Auch am Filmset selbst soll der Mann sie bedrängt haben. Laut Klage flüsterte er ihr unter anderem anzügliche Bemerkungen über die vorangegangene Nacht zu und nutzte Umarmungen, um ihr körperlich nahezukommen. Dies sei teilweise in Sichtweite anderer Erwachsener geschehen.
Raquel Lee Bolleau wirft Disney schwere Versäumnisse vor
Bolleaus Klage richtet sich wegen Fahrlässigkeit gegen Disney. Sie argumentiert, dass es während der Dreharbeiten deutliche Anzeichen dafür gegeben habe, dass etwas nicht stimmte, ohne dass Verantwortliche eingegriffen hätten.
Infolge der mutmaßlichen Übergriffe habe sich ihr Verhalten stark verändert. Ihre professionelle Leistung sei eingebrochen, zudem habe sie krank und berauscht gewirkt. In der Klageschrift wird dies als deutlicher Gegensatz zu der engagierten und gewissenhaften jungen Schauspielerin beschrieben, die zu Beginn zur Produktion gekommen sei.
Statt nach den Ursachen für die Veränderung zu suchen, sollen Verantwortliche Bolleau nach ihrer Darstellung selbst die Schuld an ihrem Verhalten gegeben und sie als „out of control“, also außer Kontrolle, bezeichnet haben. Eine weitere bereits geplante Rolle sei schließlich gestrichen worden.
Raquel Lee Bolleau fordert Schadenersatz
Mit ihrer Klage verlangt die heute erwachsene Schauspielerin Schadenersatz unter anderem für mutmaßliche wirtschaftliche Verluste und emotionales Leid. Hinzu kommen Strafschadenersatz sowie die Erstattung von Anwalts- und weiteren Kosten. Eine konkrete Gesamtsumme wird in der Klageschrift laut Entertainment Weekly nicht genannt.
Ihre Anwält:innen Douglas Wigdor und Jane Kim verweisen in einem Statement darauf, dass in den vergangenen Jahren zahlreiche ehemalige Kinderstars öffentlich über Missbrauchserfahrungen durch Erwachsene in der Unterhaltungsindustrie gesprochen hätten. Personen, die direkt oder indirekt an solchen Vorgängen beteiligt seien, müssten ihrer Ansicht nach zur Verantwortung gezogen werden.
Noch vor „Das Verpuffungsphänomen“ gehörte Bolleau zum Cast der „Amanda Show“ mit Amanda Bynes. Die Nickelodeon-Sketchshow wurde von Dan Schneider geschaffen, dessen Produktionen in den vergangenen Jahren ebenfalls Gegenstand einer breiten Debatte über den Umgang mit minderjährigen Darsteller:innen geworden sind.
Besonders große Aufmerksamkeit erhielt das Thema 2024 durch die Dokumentarserie „Quiet on Set: The Dark Side of Kids TV“. Darin sprach unter anderem Bolleaus früherer „Amanda Show“-Kollege Drake Bell öffentlich über den sexuellen Missbrauch, den er als Minderjähriger durch den damaligen Dialogcoach Brian Peck erlitten hatte. Peck wurde wegen Straftaten gegen Bell verurteilt.









