Kein „Tatort“ heute, dafür aber verschenktes Potenzial beim „Polizeiruf“ – Kritik zum Fall „Diebe“
Der „Tatort“ setzt (warum auch immer) aus und stattdessen ist der „Polizeiruf“ dran. Leider ermittelt in „Diebe“ das schwächste Team der Reihe …

Und wieder geht die Woche mit einem Krimi in der ARD zu Ende, doch anstelle eines „Tatort“ bekommt das Publikum einen „Polizeiruf“ zum Wochenabschluss aufgeboten. Ein trauriger Umstand, denn das Team aus Rostock macht das, was es am besten kann – Quatsch erzählen und niemanden begeistern.
„Diebe“: In welchem Fall ermittelt der Rostocker „Polizeiruf“?
Im Rahmen eines Einbruchs finden Mutter Mascha (Meira Durand) und ihre Tochter Holli (Mathilda Graf) eine tote Frau vor – und flüchten vom Tatort. Wenig später befindet sich dort die Rostocker Polizei rund um Böwe (Lina Beckmann), König (Anneke Kim Sarnau), Pöschel (Andreas Guenther) und Thiesler (Josef Heynert) und ermittelt in viele verschiedene Richtungen.
Während König versucht, ihre Vaterprobleme in den Griff zu bekommen, widmet sich Böwe der drogenabhängigen Mutter und ihrer Tochter. Und auch Pöschel und Thiesler haben mit einem Schneeballsystem, welches Senioren abzocken will, alle Hände voll zu tun.
Zu viel los und ungelenk: Was möchte man eigentlich in „Diebe“ erzählen?
Es ist ein klassisches Problem in den ARD-Krimis: Die Geschichte des Rostocker Teams ist erneut derartig überladen, dass man nicht wirklich weiß, was eigentlich erzählt werden soll. Hier werden Fässer über Fässer aufgemacht, die Themen wie Ostdeutschland, Verschwörungen, Vaterprobleme, Muttergefühle und Stress auf dem Revier mitbringen. Fügt sich all das zu einer homogenen Masse? Natürlich nicht.
Viel eher fühlt sich hier alles wie eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme an, die in die 90 Minuten Laufzeit die thematische Unentschlossenheit einer mittelmäßigen Netflix-Serie (Pleonasmus) einwebt. Man versucht zwar, Brücken zu schlagen, aber nur weil die vermeintliche Täterin und eine der Ermittlerinnen beide jeweils Probleme mit Themen rund um ihre Eltern haben, ist das noch lange kein gelungener Zirkelschluss.
Somit wird erneut bewiesen, dass das Team aus Rostock dort versagt, wo das Vierergespann aus Saarbrücken brillieren darf. Dieses ermittelt auch zu viert, weiß aber, dass man in einer Episode stets den Fokus auf eine Hauptfigur legen sollte. Zumal die Rostocker nicht einmal aus Angst heraus so viel erzählen müssten, da doch ohnehin jeder und jede weiß, dass diese ungelenke Kriminaltruppe noch tausendmal in die Verlängerung geschickt wird.
Klischees und anderer Quatsch: Unentschlossenheit an allen Ecken
Wenn man jetzt noch mit einrechnet, dass „Diebe“ klassisch durchschnittlich – zuweilen eher unterdurchschnittlich – ist, dann wird schnell ein Schuh draus … wenn auch eher ein Schuh der furchtbaren Fernsehunterhaltung.
In der Mitte gibt es einen exemplarischen Moment dafür. Es findet eine Montage statt, in der alle Charaktere zu trauriger Musik melancholisch irgendwo sitzen dürfen und über ihre Probleme nachdenken. Das ist weder eine bahnbrechende Idee noch wirklich zielführend, denn die Rostocker Probleme sind derartig oberflächlich, dass es eine solche Szene nicht einmal brauchen würde. Viel eher symbolisiert diese Montage erneut, dass zu viele Figuren in dieser Geschichte herumhampeln.
Dem schließen sich teils regelrecht grausige Dialoge an, die beweisen, dass man nicht nur thematisch, sondern auch tonal unentschlossen ist. Ständig werden den Charakteren Witze oder witzig gemeinte Sprüche in den Mund gelegt, die aber so schlecht geschrieben sind, dass man sich fragen muss, ob man überhaupt einen Witz erzählen wollte.
Wahrscheinlich ist das aber wie immer der Versuch, einfach auf allen Partys gleichzeitig mittanzen zu wollen. Ganz nach dem Motto: Was Faber aus Dortmund mit seinem Pathos nicht kann, können wir genauso wenig, und was die Münsteraner versuchen, können wir nicht einmal erträumen. Oder um es kurz zu halten: Wenn es ein Team gibt, das wirklich keine Scherze reißen sollte, dann sind es die Rostocker.
Viel Lärm um nichts: Der Rostocker „Polizeiruf“ versagt konsequent überall
Wie so häufig beweist die Truppe aus Rostock, dass sie das schwächste Glied im „Polizeiruf“-Kosmos ist. Umso mehr tut es weh zu wissen, dass andere Teams, wie das Magdeburger, demnächst in die Pause geschickt werden, während man in Rostock heiter weitermachen darf.
Auch wenn dieser Fall eine Wiederholung aus dem Jahr 2024 ist, fällt auf, dass man König und Böwe viel eher in eine Pause schicken sollte, denn augenscheinlich hat man nach über 14 Jahren nicht viel zu erzählen – spätere Fälle zementieren diese These sogar noch stärker.









