„Joko & Klaas machen Urlaub“: Kann das neue Format dauerhaft bestehen?
Mit ihren verrücktesten Aktionen werden Joko und Klaas wohl nie wieder konkurrieren können. Überraschend gut funktioniert ihre neue Show trotzdem.

Die Quoten der ersten Folgen von „Joko & Klaas machen Urlaub“ sind überschaubar. Dennoch zeigt das neue ProSieben-Format, dass Unterhaltung der beiden nicht unbedingt von lebensgefährlichen Challenges leben muss.
„Joko & Klaas machen Urlaub“: Weniger Wahnsinn, mehr Wohlfühlfernsehen
Die Frage liegt nahe: Kann „Joko & Klaas machen Urlaub“ überhaupt mit früheren Erfolgen wie „Duell um die Welt“ oder „Circus HalliGalli“ mithalten? Die ehrliche Antwort lautet: nein.
Das muss die Sendung allerdings auch gar nicht. Schließlich haben Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf in den vergangenen Jahren praktisch jede Grenze des deutschen Unterhaltungsfernsehens ausgelotet.
Sie sprangen mit Karabinerhaken durch die Haut beim Bungee-Jumping, klebten sich ohne Sicherung an Hochhäuser, aßen halluzinogenen Honig, schossen mit Giftpfeilen aufeinander oder stürzten sich sogar mit einem Schlauchboot einen mehr als 100 Meter hohen Wasserfall hinunter. Wie soll man das noch toppen?
Die beiden wollen die Kontrolle zurück
Genau deshalb wirkt die neue Idee fast logisch. Statt immer größerer Challenges planen Joko und Klaas ihre Reise weitgehend selbst.
Wie Joko in der Sendung erklärt, wolle man die Planung diesmal selbst übernehmen. Das sorgt automatisch für weniger Eskalation und deutlich weniger lebensgefährliche Situationen.
Mit inzwischen 47 und 42 Jahren scheint das auch eine nachvollziehbare Entwicklung zu sein. Von Anfang an wurde kommuniziert, dass es in der neuen Sendung keine klassischen Challenges oder Wettbewerbe geben werde. Die Frage lautete daher schnell: Ist das Ganze am Ende einfach nur Urlaub?

Nur Urlaub? Ganz und gar nicht!
Wer die ersten Folgen gesehen hat, merkt schnell, dass davon keine Rede sein kann.
Auf ihrer Island-Tour entlang des berühmten Golden Circle wird bereits in den ersten Minuten deutlich, dass Joko und Klaas auch ohne Extrem-Stunts für Chaos und Unterhaltung sorgen.
Im Tomaten-Restaurant inklusive Bar probiert sich das Duo durch alle möglichen alkoholischen Getränke: Tomatenbier, Schnaps aus ausgehöhlten Tomaten und Bloody Marys. Die Folge endet damit, dass Aufnahmeleiter Ole die beiden fahren muss, weil sie selbst nicht mehr hinter das Steuer dürfen.
Zwischendurch möchte der betrunkene Joko eine Tischplatte durch den fahrenden Camper werfen und versucht heimlich Spiegeleier während der Fahrt zu braten. Natürlich bemerkt Ole das sofort.
Gerade diese Momente erinnern stark an die Anfangszeiten der beiden. Plötzlich wird Fangen gespielt, aus einer geplanten Tomatensuppe wird ein wilder und stark alkoholisierter Abend und man hat das Gefühl, zwei Freunden zuzusehen, die einfach machen, worauf sie Lust haben.
Zwischen Elfen, Camping-Frust und Lottofieber in Folge eins und zwei
Zu den größten Stärken der Sendung gehören die Gespräche zwischen den beiden, die einfach (wie immer) authentisch und lustig sind. Schon in Folge eins weckt Klaas Joko mitten in der Nacht im Camper auf, weil seiner Meinung nach Aufstehzeit ist. Joko wiederum hasst Camping, besonders bei Minusgraden, und würde lieber sofort ins Hotel umziehen.
Dazu kommen Diskussionen über die Existenz von Elfen, spontane Lotto-Leidenschaften und beeindruckende Naturaufnahmen Islands. Genau dieser Mix aus Reise-Doku und typischem Joko-Klaas-Humor macht den besonderen Reiz der Sendung aus.
Viele schöne (und lustige!) Momente in Folge drei und vier
Besonders spaßig wird es in einem angeblich luxuriösen Hotel auf Island: Joko bucht zwar die teuerste Suite, spart dann aber am Einzelzimmer. Das Ergebnis: gemeinsames Zimmer, statt Luxus auf Distanz.
Dazu kommt Jokos Wunsch, gemeinsam in einer heißen Quelle zu baden. Das Problem: Die Quelle ist eher lauwarm, als wirklich heiß …
Noch schöner wird es auf einer Pferdefarm. Dort versucht Klaas, Jokos bekanntes Pferdetrauma zu überwinden. Mit Umhängen und Decken ausgestattet geht es schließlich auf einen Ausritt durch die isländische Landschaft, der zu den stärksten Bildern der Staffel zählt.

Folge fünf und sechs lebt von fermentiertem Hai und Nordlichtern
Als Nächstes stehen vor allem die isländischen Spezialitäten im Mittelpunkt. Fermentierter Hai, Schafshoden, Leberpudding und eingelegter Schafskopf sorgen vor allem bei Joko für sichtbaren Ekel. Klaas bleibt dagegen erstaunlich entspannt.
Später werden die beiden mit einem echten Island-Klassiker belohnt: Nordlichter.
Auch die Hotelwahl sorgt erneut für Diskussionen. Statt klassischer Zimmer gibt es diesmal transparente Bubble-Unterkünfte mitten im Wald. Joko hält die Kälte allerdings nicht lange aus und verschwindet nachts kurzerhand in ein Hotel in der Nähe. Das Auto nimmt er gleich mit.
Die Fans sind begeistert
Die Zuschauer:innen auf Instagram scheinen genau das zu mögen.
Dort ist von einer „Feel-Good-Show“ die Rede, andere loben die Mischung aus Humor, Naturaufnahmen und Reise-Fakten. Einige Fans sehen sogar das Potenzial für eine der besten Joko-und-Klaas-Sendungen überhaupt.
Ein weiterer häufiger Kritikpunkt spricht sogar für die Sendung: Viele Zuschauer:innen beschweren sich, dass die Folgen zu kurz seien. Besser kann ein Feedback kaum sein.
Schwache Quoten, aber vielleicht eine lange Zukunft? Die Zuschauerzahlen nach Tag eins auf ProSieben:
Mit rund 480.000 Zuschauer:innen und etwa 320.000 Menschen aus der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen blieben die Einschaltquoten zunächst hinter den Erwartungen zurück. Gleichzeitig lief mit „Das große Backen“ starke Konkurrenz, die mehr als eine Million Zuschauer:innen erreichte.
Trotzdem spricht einiges dafür, dass das Format eine Zukunft haben könnte: Joko und Klaas produzieren die Sendung über ihr eigenes Unternehmen „Florida TV“. Zum Florida-Universum gehört unter anderem auch Klaas' erfolgreiche Podcast „Baywatch Berlin“.
Und vielleicht ist genau das der entscheidende Punkt: „Joko & Klaas machen Urlaub“ muss kein neues „Duell um die Welt“ sein. Stattdessen zeigt sie zwei langjährige Freunde auf Reisen, die noch immer eine bemerkenswerte Chemie besitzen.
Wer die verrücktesten Aktionen der Fernsehgeschichte erwartet, wird möglicherweise enttäuscht. Wer Joko und Klaas vermisst hat, bekommt dagegen genau das, was viele offenbar sehen wollen: zwei Moderatoren, die einfach gemeinsam Spaß haben.









