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"Homecoming" Staffel 2 - Kritik: Lohnt sich die Serie? | Amazon Prime

Mit "Homecoming" - Staffel 1 landete Amazon einen überraschend stylischen und nostalgischen Thriller-Hit. Ob die 2. Staffel mit Janelle Monáe in der Hauptrolle überzeugen kann, verraten wir in der Kritik!

Homecoming Staffel 2 Amazon Video
In Staffel 2 von "Homecoming" findet sich Serienneuzugang "Jackie" (Janelle Monáe) auf einem Boot wieder - ohne Erinnerungen. Ob sich die 2. Staffel der Thriller-Serie lohnt, lest ihr in der Kritik. Amazon Prime Video

Wie in einem schlechten Alptraum erwacht Jackie (Janelle Monáe) in einem Ruderboot mitten auf einem See. Wie ist sie dorthin gekommen? Was ist ihr passiert? Jackie weiß es nicht. Panisch blickt sie sich um und ruft um Hilfe. Eine Person am Ufer, für Jackie lediglich eine Silhouette, setzt sich plötzlich in Bewegung und flüchtet. Bin ich deshalb hier? Wer war das? Jackie weiß es nicht. Als sie endlich am Ufer ankommt, wird ihr eine Sache bewusst: Jackie (so zumindest der Name auf der ID-Card, die sie aus ihrer Jacke holt) hat vergessen, wer sie ist. Die Suche nach ihrer Identität steht im Zentrum von "Homecoming" – Staffel 2.

 

Die Essenz der Langsamkeit

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"Homecoming" - Staffel 2              Amazon Prime Video

Flashback ins Jahr 2018: Kurz nachdem "Homecoming" – Staffel 1 auf Amazon Prime veröffentlicht wird, sind die Stimmen von Kritikern und Zuschauern gleichermaßen gespalten. Das liegt nicht unbedingt an der auffälligen Perücke, die Julia Roberts als Hauptdarstellerin "Heidi Bergman" zur Schau stellt, sondern am stark entschleunigten Tempo der Verschwörungsgeschichte, die Mr. Robot-Schöpfer Sam Esmail in der 1. Staffel erzählt. Eine Privatinstitution namens "Geist", die Veteranen mit posttraumatischen Belastungsstörungen mithilfe einer mysteriösen Therapie "heilen" möchte, bildeten das Grundgerüst für eine komplexe Narration mittels zweier Erzählebenen, falschen Fährten, Split-Screens, aufwendigen Kamera-Fahrten und unterschiedlichen Kadrierungen, in der im Endeffekt doch herzlich wenig "passiert".

Doch genau das ist der Clou von Esmails "Homecoming": Während uns die aktuelle Thrillerkost im Serienformat á la "Haus des Geldes" mit nonstop Action, Wendungen und eben Thrills torpediert, entfaltet sich die Spannung in "Homecoming" wie in einer guten John le Carré-Novelle. Und dank der tollen Inszenierung, der fantastischen Musik-Untermalung und der ungewöhnlichen Erzählweise findet der Thrill eben auch oft im Kopf der Zuschauer statt, weil die Figuren eben keine "Superagenten" sind, sondern bspw. ein Büro-Zettelheld des Verteidigungsministeriums, der seinen Job einfach nur gründlich machen will und plötzlich auf Ungereimtheiten im großen Stil trifft.

 

Auf Identitätssuche

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"Homecoming" - Staffel 2             Amazon Prime Video

Nimmt man die Prämisse der 1. Staffel heran, zeichnet sich schnell der große Unterschied von "Homecoming" – Staffel 2 ab: Zwar ist Sam Esmail diesmal auch diesmal wieder als Produzent an Bord, doch die Serie hat von Beginn an trotz vielen Ähnlichkeiten und ähnlicher stilistischer Merkmale einen gänzlich anderen "Vibe". Besonders die ersten zwei Folgen, in denen Jackie langsam versucht ihre Identität zu rekonstruieren, wirken erzählerisch ziemlich holprig und stilistisch komplett konträr zum Rest der äußerst kurzen sieben Folgen aus denen "Homecoming" – Staffel 2 besteht. Das Bindeglied zwischen Staffel 1 und 2 bildet nicht nur die mysteriöse Geist-Corporation und ihr roter Saft, der unliebsame Erinnerungen für immer verschwinden lässt, sondern auch Darstellerin Hong Chau als "Audrey Temple", die in der 1. Staffel bekanntlich Bobby Cannavales "Colin" in einem kurzen und schmerzlosen Meeting zum Sündenbock der Geist-Verfehlungen gemacht hat. Und trotz des Abgangs von Julia Roberts, die hier tatsächlich fehlt, bringt ihre Nachfolgerin Janelle Monáe extrem viel Charisma auf die TV-Bildschirme, auch wenn ihre Figur etwas unterentwickelt wirkt. Viele Fans dürften sich außerdem darüber freuen, dass der wiederum exzellente Stephan James als "Walter Cruz" eine der tragenden Rollen in "Homecoming" – Staffel 2 spielt.

Ähnlich wie in Staffel 1 arbeitet der Plot von "Homecoming" – Staffel 2 ebenfalls auf zwei Ebenen: Da sind zum einen "Jackie" und "Walter", die als Leidtragende versuchen ihre Erinnerungen und ihr Leben wiederzufinden. Auf der anderen Seite stehen Revoluzzerin Audrey und Neuzugang Leonard Geist (Chris Cooper), der verzweifelt verhindern möchte, dass ihm seine Firma komplett entgleitet. Doch dieses Mal entgleitet den Machern die Kunst, vor allem die leisen Töne zu treffen oder die Geschichte komplett in eine andere Richtung zu öffnen, um sich bspw. mit den moralischen Komponenten von "Homecoming" & Co. auseinanderzusetzen. Stattdessen treiben die Verantwortlichen ihre Hauptfiguren von einer Wendung in die Nächste und vergessen dabei, dass sie bis auf "Walter Cruz" keine Figur haben, die in irgendeiner Form eine emotionale Bindung beim Zuschauer auslöst.

Bitte nicht falsch verstehen: "Homecoming" bietet auch in der 2. Staffel kurzweilige Serien-Kost mit einem insgesamt starken Ensemble und einer zum Ende hin auch packenden Geschichte. Doch das Gesamtpaket bleibt deutlich hinter Staffel 1 zurück, weil die vielen Elemente, die "Homecoming" so außergewöhnlich machen, diesmal vor allem vom Skript nicht wirklich überzeugend zusammengehalten werden.

Serienkritik von David Rams

"Homecoming" - Staffel 2 startet ab dem 22. Mai in deutscher Synchronfassung und Originalversion exklusiv bei Prime Video (unter diesem Link könnt ihr Prime Video 30 Tage kostenlos testen, falls ihr noch kein Abo besitzt). Einen Trailer zu Staffel 2 seht ihr hier:

 

 



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