Schon die zweite Netflix-Doku rund um Boeing

„Freier Fall – Abrechnung mit Boeing“: Die wahre Geschichte hinter der Netflix-Dokumentation

Die Netflix-Dokumentation „Freier Fall – Abrechnung mit Boeing“ blickt zurück auf Whistleblower, Angehörige und die Frage, ob sich Boeings Sicherheitskultur tatsächlich verändert hat.

Ein Teil eines Flugzeugwracks.
„Freier Fall“ ist eine Fortsetzung der Doku „Absturz – Der Fall gegen Boeing“. Foto: Netflix

Für Boeing sind die Abstürze von Lion-Air-Flug 610 und Ethiopian-Airlines-Flug 302 bis heute mit einer schweren Krise verbunden. Die erste Maschine stürzte im Oktober 2018 kurz nach dem Start in die Javasee, die zweite verunglückte nur fünf Monate später im Zentrum Äthiopiens.

Bei beiden Flugzeugen handelte es sich um Maschinen des Typs Boeing 737 Max. Das neue, treibstoffsparendere Modell war 2017 von der US-Luftfahrtbehörde FAA zugelassen worden. Innerhalb von zwei Jahren nach der ersten Indienststellung wurde jedoch die gesamte 737-Max-Flotte vorübergehend aus dem Verkehr gezogen. Ein vergleichbarer technischer Fehler hatte bei den beiden Abstürzen insgesamt 346 Menschen das Leben gekostet.

Die Dokumentation „Freier Fall – Abrechnung mit Boeing“ setzt bei dieser Geschichte an, geht aber über die beiden Unglücke hinaus. Regisseurin Rory Kennedy untersucht, wie sich der Ruf des einst für Sicherheit und Ingenieurskunst bekannten Unternehmens weiter verschlechterte – und welche Rolle interne Kritik, Kostendruck und Unternehmensentscheidungen dabei spielten.

Von den Abstürzen zur nächsten Krise

Kennedy hatte bereits 2022 den Film „Downfall: Der Fall Boeing“ veröffentlicht. Darin ging es um die Entwicklung der Boeing 737 Max und um den Vorwurf, dass Profitstreben und der Konkurrenzkampf mit Airbus zu Entscheidungen geführt hätten, die die Sicherheit gefährdeten.

Nach Abschluss des ersten Films habe Boeing letztlich Verantwortung übernommen, berichtet Kennedy. Das Unternehmen habe Passagieren, Fluggesellschaften und dem US-Kongress versichert, aus den Fehlern gelernt zu haben. Zunächst habe es tatsächlich so ausgesehen, als würden sich Veränderungen durchsetzen. Doch kaum war die 737 Max wieder im Einsatz, seien erneut Schlagzeilen über Probleme bei Boeing erschienen.

Die Regisseurin entschied sich deshalb für eine Fortsetzung. Ausschlaggebend waren auch Whistleblower innerhalb des Unternehmens, die sich an sie wandten. Sie hätten nicht nur berichtet, dass sich die Zustände nicht verbessert hätten – in ihren Augen wurden sie sogar schlimmer.

Ein besonders einschneidendes Ereignis war der Zwischenfall mit einer Boeing 737 Max 9 von Alaska Airlines im Januar 2024. Während des Fluges löste sich ein hinterer Türverschluss. Die Maschine mit 171 Passagieren konnte landen, es gab keine Todesopfer. Eine Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass Boeing Teile des ausgelagerten Rumpfs und der Tür nicht ordnungsgemäß montiert hatte.

Wie sich Boeings Sicherheitskultur veränderte

Boeing galt nach dem Zweiten Weltkrieg lange als Vorzeigeunternehmen der amerikanischen Luftfahrt. Ingenieure und Qualitätsprüfer hatten großen Einfluss, Sicherheitskontrollen bestimmten die Arbeit. In einem älteren Werbefilm wird die Unternehmensphilosophie mit dem Anspruch beschrieben, alles „ein bisschen besser zu machen, als es sein musste“.

Laut den in „Freier Fall – Abrechnung mit Boeing“ zu Wort kommenden Whistleblowern änderte sich diese Kultur jedoch grundlegend. Qualitätsprüfer seien bei ihrer Arbeit behindert oder eingeschüchtert worden. Die Beschäftigten in der Produktion seien weniger erfahren gewesen oder nicht ausreichend überwacht worden. Zudem habe Boeing immer mehr Bauteile von externen Zulieferern bezogen.

Als wichtigen Wendepunkt beschreibt die Dokumentation die 14-Milliarden-Dollar-Fusion mit McDonnell Douglas im Jahr 1997. Danach habe die Steigerung des Shareholder Value zunehmend im Vordergrund gestanden. An der Unternehmensspitze folgten Manager, die laut der Darstellung stark von einer an der Wall Street orientierten Unternehmenskultur geprägt waren.

Besonders deutlich wurde dieser Wandel beim 787 „Dreamliner“. Boeing eröffnete 2009 ein Werk in North Charleston im Bundesstaat South Carolina, einem gewerkschaftsarmen Bundesstaat. Das Flugzeug sollte dort möglichst schnell und günstig produziert werden. Ein großer Teil der Struktur wurde an preiswertere Zulieferer ausgelagert.

In dem Werk wurden laut den Aussagen der Whistleblower unter anderem schlecht passende Rohre mit Vorschlaghämmern eingesetzt. Außerdem seien Löcher in Rumpfteilen und winzige Metallsplitter entdeckt worden, die erhebliche elektrische Probleme hätten verursachen können.

2013 musste die gesamte Dreamliner-Flotte vorübergehend am Boden bleiben, nachdem Lithium-Ionen-Batterien in zwei Maschinen Brände verursacht hatten. Für Kennedy besonders erschütternd waren heimliche Aufnahmen, in denen sich Boeing-Mitarbeiter über die mangelhafte Konstruktion lustig machten. „Es ist schockierend, daran zu denken, dass die Menschen, die das Flugzeug bauen, nicht in dieses Flugzeug steigen würden“, sagt die Regisseurin.

John Barnett und die Whistleblower

Eine zentrale Figur der Dokumentation ist John Barnett. Der langjährige Qualitätsprüfer arbeitete insgesamt 32 Jahre für Boeing und dokumentierte nach eigener Darstellung zahlreiche Mängel im Werk von Charleston. Nachdem seine Beschwerden intern nicht ausreichend aufgegriffen worden seien, habe er sich zunehmend unter Druck gesetzt gefühlt.

Boeing habe ihn nach Darstellung des Films immer wieder von einem Standort zum nächsten versetzt. Später sei er diszipliniert und von seiner Arbeit freigestellt worden, weil er die Unternehmenslinie nicht mitgetragen habe. Nach seinem Ruhestand im Jahr 2017 reichte Barnett eine Verleumdungsklage ein. Er warf Boeing vor, seine berufliche Zukunft absichtlich beschädigt zu haben, nachdem er öffentlich auf Sicherheitsprobleme hingewiesen hatte.

Im März 2024 kehrte Barnett nach South Carolina zurück, um in einem Verfahren gegen Boeing auszusagen. Während seiner Befragung erschien er am dritten angesetzten Tag nicht. Kurz darauf wurde er tot in seinem Lastwagen gefunden. Der Gerichtsmediziner des zuständigen Bezirks stufte die Schussverletzung als selbst zugefügt ein.

Barnetts Anwälte erklärten damals, er sei gut gelaunt gewesen und habe diesen Abschnitt seines Lebens abschließen wollen. Hinweise darauf, dass er sich das Leben nehmen könnte, hätten sie nicht gesehen. Barnett hinterließ eine Nachricht, in der unter anderem der Satz stand: „Ich hoffe, Boeing zahlt.“

Sein Tod löste im Internet Spekulationen aus. Einen Beweis dafür, dass eine andere Person verantwortlich war, fanden die Ermittler nach den Angaben im Ausgangstext nicht. Kennedy bezeichnet Barnetts Geschichte dennoch als den prägenden roten Faden ihres Films. „Wenn es einen einzigen Grund gab, aus dem ich zu dieser Geschichte zurückgekehrt bin, dann war es John“, sagt sie.

Boeing weist die Vorwürfe in einer Stellungnahme zurück. Einige Anschuldigungen seien unbelegt, andere Themen habe das Unternehmen bereits umfassend bearbeitet oder arbeite weiterhin daran. Unter der Führung des neuen Vorstandsvorsitzenden und mit Rückmeldungen der Beschäftigten seien neue Werte und Verhaltensweisen eingeführt worden, die die Unternehmenskultur stärken sollen.

Angehörige kämpfen weiter

„Freier Fall – Abrechnung mit Boeing“ richtet den Blick nicht ausschließlich auf die Beschäftigten des Konzerns. Auch die Angehörigen der Absturzopfer kommen zu Wort. Nach den beiden Unglücken schloss Boeing mit dem US-Justizministerium eine Vereinbarung, durch die Strafvorwürfe wegen Betrugs fallengelassen werden sollten, sofern das Unternehmen während einer dreijährigen Bewährungszeit keine weiteren Skandale oder Unfälle verursachte.

Für viele Hinterbliebene reichte das nicht aus. Sie forderten eine umfassendere Verantwortung Boeings und verbindliche Zusagen für mehr Sicherheit in der Luftfahrt. Eine von ihnen ist Naoise Connolly Ryan, deren Ehemann Mike Ryan beim Absturz der Ethiopian Airlines starb.

In der Dokumentation tritt sie gemeinsam mit anderen Aktivisten bei Anhörungen im US-Senat auf, während Boeing-Manager zu den Vorgängen befragt werden. Kurz vor der Veröffentlichung des Films sprach ihr eine Jury in Chicago in einem Zivilverfahren 29 Millionen US-Dollar zu.

Für Kennedy steht hinter der Geschichte ein grundsätzlicher Konflikt: Auf der einen Seite stehen die Beschäftigten und Familien, die nach Aufklärung und Verantwortung verlangen. Auf der anderen Seite steht ein Konzern, dessen Führung trotz der Krise weiterhin enorme Vermögen aufbaue.

„Man sieht, wie dieses Unternehmen tatsächlich zerstört wird, während die Menschen, die es leiten, zu den reichsten Menschen der Welt gehören“, sagt Kennedy. Für sie geht es deshalb nicht nur um Boeing. Die Geschichte zeige auch, dass Unternehmen und Regierungen stärker am öffentlichen Interesse statt am Profit einer kleinen Gruppe ausgerichtet werden müssten.

Quelle
Idris Elba in der 2026-Version von Masters of the Universe - Foto: Sony Pictures International/Amazon MGM Studios
Filme
Im Kino ein Flop, bei Amazon jetzt Bestseller – und endlich auch im Stream

Nur weil ein Film im Kino floppt, heißt nicht zwangsläufig, dass er schlecht ist. Das beweist „Masters of the Universe", der jetzt neu auf Prime Video kostenlos im Stream verfügbar ist.

Hallo Barbados, tschüss Hawaii. Doch der Abschied fällt Konny und Manu Reimann (hier in malerischer Strandkulisse) in den neuen Folgen sichtlich schwer.  - Foto:  © Kabel Eins
„Das ist ganz komisch. Hawaii ist dann Geschichte“
Die Reimanns: Enthüllung in neuen Folgen! Doch keine Trennung von Hawaii?

Der große Neustart auf Barbados hat begonnen – zumindest theoretisch. In der ersten Folge der neuen Staffel von „Willkommen bei den Reimanns“ wird allerdings deutlich, wie schwer Konny und Manu Reimann der Abschied von Hawaii tatsächlich fällt. Von einem schnellen Schlussstrich unter ihr bisheriges Leben kann jedenfalls keine Rede sein.

Harry Potter sitzt im Hogwarts Express und schaut zu Ron. - Foto: HBO Max
HBO Max
„Harry Potter“-Serie ändert wichtiges Detail: Fans dürfte es sofort auffallen

Die neue „Harry Potter“-Serie nimmt es mit der Vorlage nicht ganz so genau – und bei diesem Detail fällt das besonders auf!

Sir Crocodile in seinem Büro. - Foto: Casey Crafford/Netflix
Streaming-News
„One Piece“ Staffel 3: Alles zu Starttermin, Feuerfaust Ace und Sir Crocodile

Lange mussten Fans auf Staffel 2 von „One Piece“ warten – doch die Piraten-Action kehrt mit 3. Staffel kommt dafür schneller zu Netflix als gedacht!

Die Frauenkabine von Netflix Love is Blind UK - Foto: Netflix
Countdown: Neue Folgen
„Love is Blind: UK“, Staffel 3: Wann kommen Folge 9, 10 und das Wiedersehen?

Die letzten Folgen von „Love Is Blind: UK“ Staffel 3 stehen an: Zu welcher Uhrzeit laufen Episode 9, 10 und das Wiedersehen auf Netflix in Deutschland?

Erling Haaland mit seinem neuen Buzzcut auf dem Fußballplatz. - Foto: IMAGO / Shutterstock
Typveränderung
Erling Haaland trennt sich von seiner Mähne: Zlatan droht sogar mit Kontaktabbruch

Erling Haaland überrascht Fans mit einem Buzzcut. Zlatan, Guardiola und Co. reagieren auf den radikalen Frisurenwechsel.