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Eine wahre Geschichte

„Die Festnahme“ auf Netflix: Wo ist Joaquín „El Chapo“ Guzmán heute?

Der Netflix-Film „Die Festnahme“ erzählt von der Festnahme des mexikanischen Kartellbosses Joaquín „El Chapo“ Guzmán. Doch wo befindet sich der frühere Anführer des Sinaloa-Kartells heute?

Die Polizisten aus Die Festnahme vor ihrem Auto.
Der deutsche Titel „Die Festnahme“ versteckt das eigentliche Thema hinter seiner Schwammigkeit. Foto: Netflix

Joaquín „El Chapo“ Guzmán gehörte zu den meistgesuchten Verbrechern der Welt. Als Anführer des Sinaloa-Kartells ließ er Kokain, Heroin, Marihuana und Methamphetamin in zahlreiche Länder schmuggeln. Berüchtigt wurde er außerdem für mehrere spektakuläre Gefängnisausbrüche.

Der mexikanische Netflix-Film „Die Festnahme“ – international unter dem Titel „Facing El Chapo“ bekannt – konzentriert sich auf die Ereignisse rund um seine letzte Festnahme im Januar 2016. Der Film erzählt die Geschichte aus der Perspektive zweier mexikanischer Polizisten, die dem gesuchten Kartellboss bei einer Fahrzeugkontrolle auf die Spur kommen.

Guzmáns kriminelle Karriere reicht jedoch deutlich weiter zurück. Der spätere Kartellchef wurde am 4. April 1957 im mexikanischen La Tuna im Bundesstaat Sinaloa geboren. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, verkaufte als Kind Orangen auf der Straße und verließ die Schule früh. Sein Spitzname „El Chapo“ bedeutet sinngemäß „Der Kleine“ und geht auf seine geringe Körpergröße zurück.

Aufstieg zum Kartellchef

In den 1980er-Jahren stieg Guzmán in der mexikanischen Drogenwelt auf. Ende des Jahrzehnts gründete er das Sinaloa-Kartell, benannt nach seinem Heimatstaat. Nachdem der einflussreiche Drogenboss Miguel Ángel Félix Gallardo 1989 festgenommen worden war, übernahm Guzmán Teile von dessen Einflussgebiet.

Unter seiner Führung entwickelte sich das Sinaloa-Kartell zu einer der größten Organisationen im internationalen Drogenhandel. Guzmán wurde mit kriminellen Aktivitäten in mindestens 23 Ländern in Verbindung gebracht. Auch schwere Gewalt gehörte zum Umfeld des Kartells.

1993 wurde Guzmán in Guatemala festgenommen und nach Mexiko ausgeliefert. Dort erhielt er eine Haftstrafe von mindestens 20 Jahren. Doch auch aus dem Gefängnis heraus soll er weiterhin Einfluss auf sein Kartell ausgeübt haben.

Sein erster Ausbruch gelang ihm im Januar 2001 aus dem Hochsicherheitsgefängnis Puente Grande im Bundesstaat Jalisco. Nach Angaben der US-Behörden soll er mithilfe bestochener Gefängnismitarbeiter in einem Wäschewagen entkommen sein.

2014 wurde Guzmán in Mazatlán erneut gefasst. Lange blieb er jedoch nicht in Haft. Im Juli 2015 gelang ihm die Flucht aus dem Hochsicherheitsgefängnis Altiplano. Er entkam durch einen fast anderthalb Kilometer langen Tunnel, der von der Dusche seiner Zelle zu einem Gebäude außerhalb des Gefängnisgeländes führte. Dort wartete ein umgebautes Motorrad auf ihn.

Die letzte Festnahme

Joaquín „El Chapo“ Guzmán bei seiner Verhaftung im Jahr 2016.
Auch ein Jahrzehnt nach seiner Festnahme ist „El Chapo“ im Mexiko noch eine berüchtigte Legende. Foto: IMAGO / ZUMA Press

Während er noch auf der Flucht war, gab Guzmán dem Schauspieler Sean Penn für das Magazin „Rolling Stone“ ein Interview. Darin behauptete er: „Ich liefere mehr Heroin, Methamphetamin, Kokain und Marihuana als jeder andere auf der Welt.“ Die US-Staatsanwaltschaft warf ihm später vor, während seiner Zeit an der Spitze des Sinaloa-Kartells mehr als 12,6 Milliarden US-Dollar eingenommen zu haben.

Seine erneute Freiheit dauerte nur wenige Monate. Im Januar 2016 spürten die mexikanischen Behörden Guzmán in Los Mochis im Bundesstaat Sinaloa auf und nahmen ihn fest. Diese Operation bildet den realen Hintergrund für „Die Festnahme“. Der Netflix-Thriller zeigt dabei nicht den gesamten Aufstieg des Kartellbosses, sondern konzentriert sich auf den Zugriff und die Polizisten, die ihm dabei in die Quere kommen.

Ein Jahr später wurde Guzmán an die USA ausgeliefert. Dort musste er sich wegen Vorwürfen aus mehreren Anklagen verantworten. Ehemalige Mitglieder seines Kartells sagten gegen ihn aus. Zu den wichtigen Zeugen gehörte Pedro Flores, der gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Margarito als Informant der US-Drogenbehörde DEA tätig gewesen war.

Lebenslange Haft in Colorado

Im Februar 2019 befand eine Jury Guzmán in allen zehn Anklagepunkten für schuldig. Die Vorwürfe umfassten unter anderem den Handel mit Kokain und Heroin, Geldwäsche, Korruption und die Leitung eines fortbestehenden kriminellen Unternehmens. Im Juli desselben Jahres wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt.

Joaquín „El Chapo“ Guzmán sitzt heute im ADX Florence im US-Bundesstaat Colorado ein. Das Gefängnis gilt als eines der sichersten Hochsicherheitsgefängnisse der Vereinigten Staaten und wird wegen seiner Lage und der strengen Bedingungen auch „Alcatraz der Rocky Mountains“ genannt.

Die Haftanstalt wurde in einen Berg gebaut. Die Zellen bestehen aus Beton und sind so gestaltet, dass Fluchten verhindert werden sollen. Viele Gefangene verbringen bis zu 23 Stunden am Tag in ihrer Zelle. Die Fenster sind schmal und ermöglichen vor allem den Blick zum Himmel, nicht aber auf die Umgebung.

Auch Guzmáns Familie blieb mit den Folgen seines Kartellgeschäfts verbunden. Seine Ehefrau Emma Coronel Aispuro wurde 2023 aus der Haft entlassen, nachdem sie wegen ihrer Beteiligung an den Geschäften des Sinaloa-Kartells zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Zwei seiner Söhne, die als Anführer der Gruppierung Los Chapitos gelten, sind weiterhin auf der Flucht. Zwei weitere Söhne befinden sich in US-Gewahrsam.

Eine Rückkehr nach Mexiko oder eine Entlassung ist für Guzmán nicht absehbar. Der frühere Kartellboss sitzt weiterhin im ADX Florence, während „Die Festnahme“ auf Netflix noch einmal die Ereignisse zeigt, die zu seiner endgültigen Gefangennahme führten.

Quelle
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