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FIFA 22 im Test: Die Zweiklassengesellschaft ist schon längst Realität!

Während in der Bundesliga noch über 50 + 1 diskutiert wird, macht FIFA 22 klar, wie Zweiklassengesellschaft in der Realität aussieht: Warum nur die Next-Gen-Fassung trotzdem eine vorsichtige Empfehlung bekommt, lest ihr im Test!

FIFA 22 Reveal
FIFA 22 im Test: Wie gut uns der neueste Teil der Fußball-Reihe gefallen hat, lest ihr in unserem Test! Foto: EA
Inhalt
  1. Next-Gen-Fassung, die den Namen auch verdient
  2. Wenig neue Features | Viele alte Basics
  3. Fazit zu FIFA 22

Eigentlich liefert EA in diesem Jahr die perfekte Steilvorlage: Als Konami vor einigen Monaten "eFootball" als "Gratis"-Konkurrenten für FIFA angekündigt hatte, ging ein Raunen durch die virtuelle Fußball-Fangemeinde: Schließlich brachte Konami mit PES zumindest zeitweise ein durchaus konkurrenzfähiges Produkt zum EA-Riesen auf den Markt, das möglicherweise gerade im Angesicht der alljährlichen Vollpreisupdate-Kritik an FIFA punkten könnte. Doch der Steilpass wurde zum brutalen Eigentor: Mittlerweile ist eFootball nämlich erschienen und wird ausgerechnet von Steam-Usern und Kritikern aufgrund der unzureichenden Inhalte, dem katastrophalen Spielgefühl und der furchtbaren Animationen komplett vernichtet. Zwar hat Konami mittlerweile reagiert und kontinuierliche Verbesserungen angekündigt, doch zum ernsthaften FIFA-Konkurrenten wird es wohl lange nicht reichen.

 

Next-Gen-Fassung, die den Namen auch verdient

FIFA 22 Mbappe
Kylian Mbappé in Action! Foto: EA

Dabei hatte EA selbst auch in diesem Jahr wieder genug Grund gegeben sich angreifbar zu machen: Nicht nur wegen der unsäglichen FUT-Thematik aka "Wie ziehe ich vor allem meinen jüngeren Spieler*innen mit GOLD-DELUXE-PACKS das Geld aus der virtuellen Hosentasche“, sondern auch wegen der „mindestens“ Zwei-Klassengesellschaft (die seit Jahren verhunzte Switch-Fassung zählen wir mal deutlich unter Last-Gen und PC mit), die die Veröffentlichung von FIFA 22 zwangsläufig ausruft: Während sich nämlich Xbox Series X|S und PlayStation 5-Besitzer*innen auf das echte Spielerlebnis mit "Hypermotion" freuen dürfen, schauen PS4-, Xbox One- und unsinnigerweise auch PC-Spieler*innen in die Röhre bzw. auf eine veraltete Engine. Während das Fehlen einer schnellen Speichermöglichkeiten und die generell-schwachen Spezifikationen der PlayStation 4 und Xbox One das Downgrade für Last-Gen noch irgendwie nachvollziehbar machen, sorgt man sich bei EA, dass viele PC-Spieler*innen wegen Hypermotion FIFA 22 gar nicht spielen könnten. Deshalb müssen auch jene PC-Zocker darunter leiden, die mehrere Tausend Euro in ihre High-End-Rechner stecken und nun FIFA 22 im Last-Gen-Modus spielen dürfen. Einfach unfassbar…

Doch ist die Next-Gen-Fassung wirklich soviel besser? Tatsächlich schon irgendwie. Jedenfalls spürbar besser. Während FIFA 21 noch im Nachgang ein Next-Gen-Upgrade spendiert bekam, das zwar ein bisschen besser lief, aber tatsächlich eher sehr halbherzig daherkam, macht FIFA 22 in der von uns getesteten PS5-Fassung wirklich einen deutlichen Sprung nach vorne. Das liegt nicht nur daran, dass Messis PSG-Trikot jetzt besonders viele schicke Details aufweist, sondern eher an einer Vielzahl von zusätzlichen Animationen, die das Spielgeschehen tatsächlich noch ein Ticken runder und flüssiger werden lassen. Das liegt auch daran, dass das Spielgeschehen laut EA nun von „Machine Learning“ profitiert und sich die KI-Spieler im Verlauf der Zeit immer besser an eure Aktionen anpassen: Tatsächlich verliefen unsere Testpartien sehr knapp. Die Abwehr arbeitete deutlich griffiger als im Vorgänger. Das Spielgeschehen bleibt weitgehend entschleunigt und langsam, auch wenn etwas unrealistische Pässe usw. noch immer regelmäßig die Immersion etwas zerstören. Trotzdem wirkt FIFA 22 gerade aufgrund der neuen Animationen und der verbesserten Defensive doch runder als in den Jahren zuvor.

 

Wenig neue Features | Viele alte Basics

Vorneweg die Neuerungen: Im "Create-a-Team-Modus" könnt ihr euch euren eigenen Verein erstellen und dementsprechend auch individualisieren. Bspw. könnt ihr euer Stadion eigenhändig erstellen und auch kleinste Details frei wählen, um der FIFA-Karriere quasi euren eigenen Stempel aufzudrücken. Das ist alles ganz nett, aber haut uns natürlich auch nicht vom Hocker. Ansonsten gibt es natürlich ein paar kleine Tweaks in der Karriere, aber nichts, was den Eindruck der letzten Jahre grundsätzlich verändern würde. Auch in puncto Volta gibt es sowohl Positives als auch Negatives zu vermelden: Der neue Arcade-Modus ist zumindest eine spaßige Ansammlung an kleinen Mini-Aufgaben, aber sorgt eben auch „nur“ für kurzweilige Unterhaltung, als einen ernsthaften Modus, der euch tagelang fesselt. Vorbei hingegen ist der Story-Modus des letzten Jahres: Der hat zwar nur die wenigsten FIFA-Fans wirklich gefesselt, doch schade, dass EA hier voll auf die Bremse tritt. Beim Neuzugang Codemasters hat uns der Story-Modus in F1 2021 bspw. aufgrund der coolen und abwechslungsreichen Szenarien richtig gut gefallen.

Die Kritik an FUT hatten wir schon in den vergangenen Jahren immer wieder deutlich gemacht. Und auch dieses Jahr ist das nicht anders: Ihr seht die Inhalte der FUT-Packs jetzt schon vorher, allerdings nur einmal innerhalb von 24 Stunden, wenn ihr euch gegen einen Kauf entscheidet. Ansonsten wäre der Ultimate Team-Modus eine großartige Ergänzung, wenn EA mit seiner Miktrotransaktionspolitik nicht komplett den Vogel abschießen würde. Teilweise hunderte von Euro müsst ihr reinbuttern, um euch die weltbesten Spieler á la Haaland & Co. sichern zu können, was zu viel Frust und Ärger führt.

 

Fazit zu FIFA 22

Klipp und klar: Wir raten euch dringend vom Kauf der PS4-, Xbox One- und PC-Fassung von FIFA 22 ab. Nur die PlayStation 5 und Xbox Series X|S bekommen dank Hypermotion in diesem Jahr einen so deutlich spielerischen Mehrwert geboten, dass die Last-Gen-Fassungen (und unverständlicherweise die PC-Version) einfach deutlich den Kürzeren ziehen – zum Vollpreis. Wer eine PS5 und/oder Xbox Series X|S bekommt auf dem Rasen zumindest spürbare Verbesserungen und ein Erlebnis geboten, dass tatsächlich einen Schritt in die richtige Richtung repräsentiert. Dafür gibt es andernorts wieder viel Licht und Schatten: FUT bleibt FUT. Die Abstinenz eines Story-Modus schmerzt zwar nicht so stark, aber ist trotzdem schade, weil man dieses Jahr bei F1 2021, ebenfalls aus dem Hause EA, mitbekommen konnte, was da möglich ist. Ansonsten bietet FIFA 22 wieder das gewohnte Paket an Atmosphäre und Lizenzen, wenngleich dieses Jahr deutlich mehr Nationalmannschaften fehlen, als in den Jahren zuvor.

FIFA 22 ist auf PlayStation 5, Xbox Series X|S, PC (Origin und Steam), Google Stadia, PlayStation 4 und Xbox One. Die FIFA 22 Legacy Edition erscheint für Nintendo Switch. Den Gameplay-Trailer seht ihr hier:

 


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