Dunja Hayali in der Kritik: Bahn erhebt schwere Vorwürfe gegen ihre ZDF-Doku
Nach Dunja Hayalis kritischer ZDF-Doku schlägt die Deutsche Bahn zurück. Der Konzern spricht von einem „Zerrbild“, methodischen Fehlern und einem „unseriösen“ Vergleich. Das ZDF weist die Vorwürfe zurück – korrigiert aber zwei Angaben.

Erst nahm Dunja Hayali (52) die Deutsche Bahn ins Visier, jetzt dreht der Staatskonzern den Spieß um: Nach der Ausstrahlung der ZDF-Dokumentation „Unsere Bahn: geliebt, verflucht – gefährlich?“ erhebt die DB schwere Vorwürfe gegen den Film. Die Reportage sei einseitig, lasse entscheidende Informationen außen vor und enthalte sogar methodische Fehler. Das ZDF hält dagegen und verteidigt die gemeinsame Recherche Hayalis und Filmemacher Sebastian Bellwinkels. Allerdings wurden in der online verfügbaren Fassung inzwischen zwei Stellen überarbeitet.
Deutsche Bahn kritisiert Dunja Hayalis ZDF-Doku scharf
In der rund 44-minütigen Ausgabe der Reportagereihe „Am Puls“ geht Hayali der Frage nach, warum Deutschlands Bahnnetz trotz jahrelanger Modernisierungspläne noch immer von Verspätungen, alter Technik und maroder Infrastruktur geprägt ist. Dafür begleitet sie Lokführer, spricht mit Reisenden und Verantwortlichen und führt ein Interview mit Bahnchefin Evelyn Palla. Auch das tödliche Zugunglück von Burgrain bei Garmisch-Partenkirchen und die Digitalisierung des Schienennetzes werden thematisiert.
Die Deutsche Bahn fühlt sich durch die Darstellung jedoch zu Unrecht an den Pranger gestellt. In ihrer Stellungnahme heißt es: „Dieser Film basiert in weiten Teilen rein auf Behauptungen und Meinungen und klammert entscheidende Fakten bewusst aus.“
Die Reportage zeige 43 Minuten lang jede Schwäche, aber keinen Fortschritt, und würdige die Leistungen der mehr als 200.000 Beschäftigten nicht. Dadurch entstehe nach Ansicht des Konzerns „keine sachliche Aufbereitung, sondern ein Zerrbild für die Zuschauenden“.
Bahn spricht von „methodischen Fehlern“
Noch weiter geht die DB mit ihrer Kritik an der journalistischen Umsetzung. Wörtlich heißt es: „Der Film enthält zudem methodische Fehler, die die journalistische und fachliche Expertise der Filme-Macher stark in Frage stellen.“ Ein zentraler Streitpunkt ist der Vergleich zwischen Deutschland und Belgien. Die Doku stellt heraus, dass das Nachbarland sein deutlich kleineres Bahnnetz innerhalb von etwa zehn Jahren umfassend modernisiert habe. Schon das ZDF weist in seiner eigenen Beschreibung darauf hin, dass ein direkter Vergleich wegen der unterschiedlichen Netzgrößen schwierig sei.
Nach Ansicht der Deutschen Bahn reicht diese Einordnung allerdings nicht aus. Die im Film angeführte belgische Pünktlichkeitsquote von rund 92 Prozent umfasse den gesamten Personenverkehr, während bei der deutschen Quote vor allem der problematische Fernverkehr betrachtet werde. Außerdem sei das belgische Netz nur ungefähr ein Fünftel so groß wie das deutsche und werde überwiegend im Nahverkehr genutzt. Die deutliche Bewertung des Konzerns: „Hier werden Kirschen mit Kürbissen verglichen.“
Die Pünktlichkeit im deutschen Fernverkehr entspreche zwar ebenfalls nicht den eigenen Ansprüchen. Beziehe man jedoch den gesamten Personenverkehr ein, liege Deutschland nach Darstellung der DB annähernd auf belgischem Niveau. Den in der Dokumentation gewählten Vergleich bezeichnet das Unternehmen deshalb als „in hohem Maße unseriös“.
Auch eine Aussage über digitale Stellwerke war falsch
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die schleppende Digitalisierung. In einer Grafik der ursprünglichen Fassung wurde angegeben, dass die Deutsche Bahn kein einziges vollständig digitales Stellwerk betreibe. Das stimmt nicht: Tatsächlich sind es nach Angaben des ZDF drei.
Der entsprechende Hinweis wurde inzwischen direkt auf der Streamingseite ergänzt. Dort stellt der Sender klar: „In der Dokumentation ‚Am Puls mit Dunja Hayali – Unsere Bahn: geliebt, verflucht, gefährlich?‘ vom 21. Juli 2026 wurde in einer Grafik die Anzahl der digitalen Stellwerke der Deutschen Bahn mit ‚0‘ angegeben. Richtig ist, dass die Deutsche Bahn drei vollständig digitale Stellwerke betreibt.“
Die DB kritisiert darüber hinaus, dass weitere Maßnahmen zur Digitalisierung nicht ausreichend vorkämen. Dazu zählt der Konzern unter anderem die Umrüstung von Fahrzeugen und die geplante Einführung moderner Zugsteuerungstechnik.
ZDF verteidigt Recherche – nimmt aber Korrekturen vor
Das ZDF weist den grundsätzlichen Vorwurf mangelhafter journalistischer Arbeit zurück. Gegenüber der „Bild“ erklärte eine Sprecherin, die Dokumentation sei sorgfältig recherchiert und bilde unterschiedliche Sichtweisen umfassend ab.
Die Zahl der digitalen Stellwerke sei in der Mediatheksfassung von null auf drei geändert worden. Nach Darstellung des Senders habe die Deutsche Bahn die dazu benötigten Informationen erst verspätet geliefert. Auch bei der Grafik zur belgischen Pünktlichkeit wurde nachgebessert: Der Begriff „Fernverkehr“ wurde durch „Personenverkehr“ ersetzt, weil sich die angeführte Quote auf den gesamten belgischen Zugverkehr bezieht.
Trotz der Korrekturen hält das ZDF an der zentralen Aussage des Films fest. Schon vor der Ausstrahlung hatte der Sender betont, dass die Reportage nicht nur die Probleme der Bahn, sondern auch deren Ursachen und mögliche Lösungsansätze untersuche. Der Vergleich mit Belgien solle vor allem zeigen, was mit einem langfristigen Masterplan und einer abgestimmten politischen Strategie möglich sei.
Die Dokumentation „Am Puls mit Dunja Hayali – Unsere Bahn: geliebt, verflucht – gefährlich?“ bleibt trotz der Debatte und der vorgenommenen Änderungen im ZDF-Streamingportal verfügbar.







