„Schlechter kann es nicht werden“: Dunja Hayali lässt ihrem Ärger freien Lauf
In ihrer neuen ZDF-Doku geht Dunja Hayali den Problemen der Deutschen Bahn auf den Grund. Am Ende fällt ihr Urteil überraschend deutlich aus.

Wer regelmäßig mit der Deutschen Bahn unterwegs ist, kennt das Gefühl: Verspätungen, kurzfristige Gleiswechsel oder ausgefallene Züge gehören für viele Reisende inzwischen zum Alltag. Doch woran liegt es eigentlich, dass die Bahn seit Jahren mit denselben Problemen kämpft? Genau dieser Frage widmet sich Dunja Hayali in ihrer neuen ZDF-Dokumentation „Unsere Bahn, geliebt, verflucht – gefährlich?“. Dabei spricht die Journalistin mit Bahnmitarbeitenden, Betroffenen, Politiker:innen und der neuen Bahnchefin, und kommt zu einem ernüchternden Fazit.
Die Reportage ist ab dem 20. Juli im ZDF-Streamingportal verfügbar und läuft am 21. Juli um 20.15 Uhr im ZDF.
Dunja Hayali geht den Ursachen der Bahn-Krise auf den Grund
Für die rund 45-minütige Dokumentation reist Hayali quer durch Deutschland und begleitet den Bahnalltag aus verschiedenen Perspektiven. Sie spricht mit Lokführer:innen, trifft Pendler:innen, besucht Baustellen und führt ein Exklusivinterview mit Bahnchefin Evelyn Palla, die den dringend benötigten Neuanfang beim Staatskonzern gestalten soll.
Hayali macht dabei deutlich, dass die Probleme weit über unpünktliche Züge hinausgehen. Im Mittelpunkt stehen die marode Infrastruktur, die schleppende Digitalisierung und die Frage, ob die Defizite inzwischen sogar ein Sicherheitsrisiko darstellen.
Das Zugunglück von Garmisch-Partenkirchen rückt in den Fokus
Einen großen Teil der Dokumentation nimmt das Zugunglück von Garmisch-Partenkirchen aus dem Jahr 2022 ein. Damals entgleiste ein Regionalzug, fünf Menschen kamen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Als Ursache galten marode Betonschwellen, die dem Gewicht des Zuges nicht mehr standhielten. Hayali zitiert aus einem internen Untersuchungsbericht, wonach wichtige Informationen über beschädigte Schwellen offenbar nicht an die zuständigen Kontrolleure weitergegeben worden seien. Zwar hat die Deutsche Bahn nach dem Unglück Millionen Betonschwellen ausgetauscht, doch wie viele problematische Schwellen noch im Schienennetz verbaut sind, bleibt unbeantwortet.
Besonders eindrücklich sind die Gespräche mit Betroffenen. So berichtet ein Lokführer anonym, dass Hinweise auf mögliche Gefahrenstellen häufig folgenlos blieben. „Es gibt tatsächlich auch Momente, in denen ich mich überhaupt nicht wohlfühle“, schildert er seine Sorgen.
Auch die Begegnung mit einem Witwer, dessen Frau bei dem Unglück ums Leben kam, gehört zu den emotionalsten Momenten der Dokumentation. Trotz seines schweren Verlustes macht er deutlich, dass er den freigesprochenen Bahnmitarbeitern keine persönliche Schuld gibt. Über die Begegnung mit einem der Angeklagten sagt er: „Als ich zu dem hin bin, da sind wir beide in Tränen gewesen.“ Für Hayali wird dadurch vor allem eines deutlich: Die Ursachen der Probleme liegen tiefer als individuelles Fehlverhalten.
Warum Deutschland bei der Digitalisierung hinterherhinkt
Neben der Sicherheit nimmt die Dokumentation auch die Digitalisierung der Deutschen Bahn in den Blick. Nach Angaben des Films sind bislang lediglich rund zwei Prozent des deutschen Schienennetzes mit dem modernen Zugleitsystem ETCS ausgestattet.
Um zu zeigen, dass es auch anders geht, reist Hayali nach Belgien. Dort wurde das deutlich kleinere Schienennetz innerhalb weniger Jahre umfassend digitalisiert – möglich machte das ein langfristiger Masterplan, bei dem Politik, Bahn und weitere Beteiligte an einem Strang zogen.
Für Deutschland bleiben viele Fragen offen. Warum kommt der Ausbau so langsam voran? Wer trägt die Verantwortung? Klare Antworten erhält Hayali auch von der Politik nicht. CDU-Verkehrspolitiker Michael Donth räumt in der Dokumentation ein, dass im Bundesverkehrsministerium mitunter das notwendige Fachwissen gefehlt habe. Auch deshalb sei die Digitalisierung der Schiene nur schleppend vorangekommen.
Bahnchefin Evelyn Palla setzt auf einen Neuanfang
Im Gespräch mit Dunja Hayali beschreibt Bahnchefin Evelyn Palla, was sie sich für die Zukunft des Unternehmens wünscht. „Dass wir in Deutschland wieder stolz sind auf unsere Bahn und dass die Pünktlichkeit in einigen Jahren deutlich besser ist.“
Ob dieses Ziel realistisch ist, lässt die Dokumentation bewusst offen. Hayali verweist auf das Beispiel Belgien und betont, dass auch Deutschland mit einem konsequenten Modernisierungskurs große Fortschritte erzielen könnte. Dafür brauche es allerdings einen klaren Plan und den politischen Willen, diesen umzusetzen.
Am Ende zieht die Moderatorin ein ebenso ernüchterndes wie pointiertes Fazit: „Viel schlechter kann es ja auch nicht mehr werden.“






