Quibi 2.0

Disney+ im TikTok-Format: Streamingdienst führt vertikale Videos ein

Kürzer, schneller, vertikal: Die Jugend von heute hat die eigenen Sehgewohnheiten durch TikTok angepasst. Disney+ will nun auf die Erfolgswelle aufspringen.

Smartphone mit Disney+-Logo vor einem bunten Hintergrund.
Ob Disney+ mit diesem Schritt wirklich neue Abos verkaufen kann? Foto: IMAGO / NurPhoto

Streamingdienste kommen und gehen, doch kaum ein Streamingdienst verschwand so schnell wieder wie Quibi im Jahr 2020. Der Dreamworks-CEO Jeffrey Katzenberg präsentierte im April 2020 mit Quibi ein Angebot exklusiv für Smartphones, dessen Inhalte sowohl vertikal als auch horizontal wiedergegeben werden konnten. Serien und Shows wurden speziell für Quibi produziert, teils mit bekannten Namen hinter den Kulissen.

Quibi sollte sich vor allem an Pendler richten, die Inhalte auf dem Smartphone sehen – die meisten Episoden waren 10 bis 15 Minuten lang. Grundsätzlich eine interessante Idee, denn der Erfolg von TikTok zeigt, wie gefragt kurze Videos im vertikalen Format sind – heutzutage noch mehr als 2020.

Doch Quibi schloss bereits im Dezember 2020 die Pforten. Der Grund: Die Corona-Pandemie sorgte dafür, dass es 2020 kaum Pendler gab. Die meisten Leute blieben zu Hause und hatten wenig Interesse daran, Serien auf dem Smartphone zu sehen.

Wäre alles anders gekommen, wenn Quibi 2026 gestartet wäre? Vielleicht, denn mittlerweile folgen andere Streamingdienste Quibis Beispiel. Und während Netflix bisher nur Clips aus anderen Serien und Filmen in vertikaler Form anbietet, geht Disney+ demnächst einen Schritt weiter …

Disney+ setzt auf vertikale Videos

Disney+ plant noch in diesem Jahr die Einführung von vertikalen Videos innerhalb seines Streamingangebots. Ziel ist es, die tägliche Nutzung der Plattform zu steigern und stärker mit sozialen Netzwerken und anderen digitalen Angeboten zu konkurrieren, die bereits erfolgreich auf kurze, hochformatige Inhalte setzen. Angekündigt wurde das neue Feature im Rahmen einer Tech- und Datapräsentation auf der CES in Las Vegas, bei der Disney seinen Fokus klar auf Nutzerbindung und Werbeformate legte.

Im Unterschied zu klassischen Trailern oder Bonusclips sollen die vertikalen Videos fester Bestandteil des Nutzererlebnisses werden. Denkbar sind eigenständige Kurzformate, neu geschnittene Szenen aus bestehenden Serien und Filmen oder speziell für das Hochformat produzierte Inhalte. Wichtig sei dabei, dass sich das neue Angebot organisch in die Plattform einfügt und nicht wie ein Fremdkörper wirkt.

Ein eigenständiges Angebot

Bei Disney versteht man die kurzen Videos ausdrücklich nicht nur als Werbung für längere Inhalte. Vielmehr sollen sie das Streamingangebot insgesamt ergänzen und neue Sehgewohnheiten bedienen. Vertikale Videos eigneten sich besonders gut für kurze, regelmäßige Nutzungsmomente – also genau jene „Snackable“-Erfahrungen, die viele Nutzer inzwischen von TikTok, Instagram Reels oder YouTube Shorts gewohnt sind.

Erfahrungen mit dem Format konnte der Konzern bereits über andere Plattformen sammeln, etwa im Sportbereich. Diese Erkenntnisse fließen nun in die Weiterentwicklung von Disney+ ein, wobei der Fokus klar auf Unterhaltung und personalisierten Feeds liegt. Nachrichten- oder Sportinhalte spielen dabei für den deutschen Markt höchstens eine untergeordnete Rolle, da ESPN beispielsweise hierzulande nicht verfügbar ist.

Streaming passt sich neuen Sehgewohnheiten an

Der Schritt zeigt, wie stark sich die Streaminglandschaft verändert. Gerade jüngere Zielgruppen wie Gen Z und Gen Alpha erwarten Inhalte, die sich flexibel und ohne lange Aufmerksamkeitsspanne konsumieren lassen. Lange Spielfilme oder Serienepisoden auf dem Smartphone verlieren an Relevanz, während kurze, visuell optimierte Clips an Bedeutung gewinnen – selbst auf dem Fernseher im Wohnzimmer.

Disney+ folgt damit einem Trend, den andere Plattformen vorgemacht haben: Erst kamen die Kurzvideos, dann die nahtlose Integration in bestehende Apps. Für den Streamingdienst bedeutet das einen strategischen Wandel – weg vom reinen Abrufdienst hin zu einer Plattform, die Nutzer idealerweise täglich öffnen, auch wenn sie gerade keine komplette Folge oder einen Film schauen möchten.

Quellen

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