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(B)laue Augen

„Crooks“-Staffel 2 auf Netflix: Lau-es Lüftchen oder frischer Wind?

Netflix‘ krumme Jungs melden sich mit ihrer zweiten Staffel zurück – und verlagern diesmal alles nach Bangkok. Aber reicht das aus, um eine spannende Geschichte zu erzählen, oder braucht es mehr als das?

Christoph Krutzler (l.) und Frederick Lau laufen in der zweiten Staffel von „Crooks“ durch einen Flughafen.
Die „Crooks“ laufen wieder auf Hochtouren: Aber können Charly (Frederick Lau, r.) und Joseph (Christoph Krutzler) auch ein zweites Mal begeistern? Foto: Sasha Ostrov/Netflix

Nach einer mehr als erfolgreichen ersten Staffel gehen die „Crooks“ rund um Christoph Krutzler und Frederick Lau in eine zweite Runde. Und prinzipiell bleibt erst einmal vieles beim Alten – was einerseits die größte Stärke, aber andererseits auch die größte Schwäche der Serie ist.

„Crooks“: Wie geht es in Staffel 2 weiter?

Charly (Frederick Lau) versucht, ein sauberes Leben zu führen – in der Hoffnung, dass seine Ex-Freundin Samira (Svenja Jung) ihn wieder zurücknimmt. Doch diese ist von Charlys Taten weiterhin traumatisiert und geht mit ihrem Sohn Jonas (Jonathan Tittel) lieber in den Wanderurlaub.

Und während Samira in der Bergidylle ihre Zeit verbringen möchte, gerät Charly bereits in die nächste unvorteilhafte Situation, denn ein Schatten seiner Vergangenheit (Jan Georg Schütte) tritt wieder auf den Plan und zwingt den ehemaligen Kleinkriminellen zu einem Ultimatum: Die deutsche Regierung will die Münze zurück und Charly soll sie ihnen besorgen. Sollte er dies nicht tun, dann würden nicht nur er, sondern auch Samira und Jonas für den Mord an Rami (Kida Khodr Ramadan) verhaftet werden.

Das ist aber leichter gesagt als getan, denn die Münze befindet sich mit Joseph (Christoph Krutzler) in Bangkok. Als wäre das nicht genug, hat es nicht nur die dortige Unterwelt auf die Münze abgesehen, sondern auch alte Bekannte wie Rio (Lukas Watzl) und der „Zwanziger“ (Georg Friedrich). Ein Rennen gegen die Zeit beginnt …

Deutlich fokussierter: Was die zweite Runde „Crooks“ besser als die erste macht

Um vollends transparent zu sein: Für mich war die erste Staffel „Crooks“ eine Geduldsprobe. Die Serie hatte hier und dort ihre Momente (man erinnere sich an den Tod des „Roten“), aber die Folgen waren teilweise viel zu lang und stellenweise wurden zu viele Storystränge aufgemacht.

Dieses Problem hat Staffel 2 überwiegend eliminiert. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Staffel diesmal nur sechs Folgen hat, was die Geschichte automatisch dazu zwingt, zum Punkt zu kommen. Auch sind die Schauplätze diesmal weniger vielfältig als in der ersten Staffel, sodass man sich nicht ständig fragen muss, wo man eigentlich ist.

So kreiert man Raum für große Momente: Insbesondere die ersten beiden Folgen haben einen regelrechten Spaß daran, Bangkok zu entdecken, sodass man kurz davor ist, sich selbst ein Flugticket zu buchen. Man erforscht die interessantesten Orte und hier und dort wird auch mal ausgeteilt – aber es gibt ein ganz großes Problem, das die erste Staffel auch schon hatte …

Bangkok, Rio, Rosenthal: Alle Augen auf … wen eigentlich?

Es ist ein Phänomen, das ich nicht wirklich verstehen kann: Serien lieben es heutzutage, multiple Storystränge zu erzählen. Manchen Serien kann man klipp und klar vorwerfen beziehungsweise zugutehalten, dass es dafür repräsentative oder inklusive Gründe gibt. Ob dies aber bei „Crooks“ wirklich der Fall ist, da bin ich mir tatsächlich unsicher.

In Staffel 1 ist man etlichen Charakteren gefolgt, und ich war heilfroh, als man gegen Ende der Geschichte einige Figuren ausgeschaltet hatte, weil das immerhin bedeutete, dass der Fokus auf unseren eigentlichen Protagonisten, Charly und Joseph, liegen kann. Und Staffel 2 ist auch deutlich besser darin, den Fokus auf die Figuren zu legen – aber trotzdem ist hier zu viel los. Man folgt nicht nur dem altbekannten Lau-Krutzler-Duo, sondern auch Rio und Joe, Samira und Jonas, Bagrat und Katarina sowie einem osteuropäischen Gangsterboss … plus ein paar episodische Nebenhandlungen. Und früher oder später kommt die Frage auf: Geht es hier eigentlich noch um Charly und Joseph?

Asterix und Obelix: Frederick Lau und Christoph Krutzler sind ein grandioses Duo

Und dabei sollte es um Charly und Joseph gehen – nicht nur, weil sie die vermeintlichen Protagonisten sind, sondern weil sie als Duo auch an die großen Duos der Fiktion erinnern.

Wenn die beiden sich kabbeln, austeilen oder Pläne schmieden, dann hat man nicht nur automatisch den Deutschen und den Österreicher vor sich, sondern auch Bud Spencer und Terence Hill oder eben Asterix und Obelix. Aber wenn dieses tolle Duo, das man hat, immer nur in einem Viertel der Folge stattfindet und die restlichen Charaktere einen eher mehr oder minder interessieren, dann taucht früher oder später auch Langeweile auf.

Was aber auch angemerkt sein sollte: Rio und Joe („Zwanziger“) waren zwei Charaktere, mit denen ich in Staffel 1 nichts anfangen konnte. Logischerweise war ich skeptisch, als ich hörte, dass die beiden zurückkehren würden – aber die Skepsis wurde sehr schnell im Keim erstickt. Während Joe weiterhin nicht mein liebster Charakter ist, profitiert er dennoch stark von Rio, der von Minute zu Minute wahnsinniger wird. Würde sich die Serie kontinuierlich nur auf diese beiden Duos fokussieren, dann wäre ein Großteil meiner Kritik obsolet.

Lau-datio oder Tirade? Lohnt sich „Crooks“-Staffel 2?

Per se ist Kritik an „Crooks“-Staffel 2 tatsächlich obsolet, da ich mir ziemlich sicher bin, dass die Serie so oder so in eine dritte Runde gehen wird. Demnach gilt: Fans werden so oder so einschalten.

Viel interessanter ist aber ohnehin die Personengruppe, die mit Staffel 1 ebenso wenig anfangen konnte wie ich. Der würde ich empfehlen, vorsichtig in die zweite Runde „Crooks“ reinzuschauen. Wer nach den ersten zwei Folgen nicht abgeholt ist, wird voraussichtlich auch nicht mehr großartig begeistert sein (auch wenn die letzte Folge sehr viel Spaß bringt). Aber wer nach den ersten zwei Folgen abgeholt sein sollte, sollte definitiv dranbleiben – wenn nicht für Charly und Joseph, dann immerhin für die wirklich tolle Kampfszene in Folge 3.

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