„Carrie“ Staffel 2: Das Ende und alle offenen Fragen der 1. Staffel auf Prime Video erklärt
Mike Flanagans „Carrie“ endet ganz anders als Stephen Kings Roman – und macht damit den Weg für eine zweite Staffel frei.

Wer Stephen Kings Roman oder die berühmte Verfilmung mit Sissy Spacek kennt, dürfte während des Finales von „Carrie“ auf Prime Video irgendwann geglaubt haben zu wissen, worauf alles hinausläuft. Der Abschlussball endet im Massaker, Carrie stellt sich ihrer Mutter Margaret – und anschließend müsste eigentlich auch ihre eigene Geschichte enden.
Doch genau hier bricht Mike Flanagan besonders deutlich mit der Vorlage. Seine Carrie White überlebt. Mehr noch: Die letzten Minuten zeigen ziemlich eindeutig, dass ihre Geschichte gerade erst in eine völlig neue Richtung geht.
„Carrie“-Ende erklärt: Was passiert beim Abschlussball?
Zunächst laufen die Ereignisse ähnlich ab wie in Stephen Kings Geschichte. Carrie besucht mit Tommy den Abschlussball, beide werden zu Prom Queen und Prom King gewählt. Doch Chris und Billy haben ihren letzten grausamen Streich längst vorbereitet: Carrie wird vor der gesamten Schule mit Schweineblut überschüttet.
Die Situation eskaliert. Carrie setzt ihre Kräfte ein, Handys gehen zu Bruch und schließlich geraten ihre Mitschüler in tödliche Gefahr. Auch Tommy stirbt, nachdem Carrie eine Konstruktion über Chris zum Einsturz bringen will und er getroffen wird. Das ist bereits eine klare Abweichung von der Vorlage, denn dort wird Tommy von einem Eimer am Kopf getroffen und sein Tod ist somit die Schuld von Chris und Billy.
Doch die Serie fügt einen entscheidenden Faktor hinzu: Emaline erscheint und bietet Carrie an, gewissermaßen die Kontrolle zu übernehmen. Die vermeintlich imaginäre Freundin greift damit unmittelbar in Carries Amoklauf ein. Das Finale macht deutlich, dass Emaline Carrie zumindest zeitweise steuert und ihre Wut nutzt, um das Massaker weiterzutreiben.
Carrie verriegelt die Ausgänge, Wasser überschwemmt die Halle und Strom sorgt schließlich dafür, dass zahlreiche Menschen sterben. Auch Lehrerin Rita Desjardin wird von Carrie beziehungsweise der sie beeinflussenden Emaline in die Flammen geschleudert. Ob Rita tatsächlich tot ist, bleibt allerdings auffällig offen: Ihre Leiche wird später nicht gezeigt.
Eine der wichtigsten Überlebenden ist Sue Snell. Und ausgerechnet sie erkennt, dass in dieser Nacht noch etwas anderes vor sich ging: Carrie war nicht die einzige Person mit übernatürlichen Fähigkeiten im Gebäude.
Emaline ist wirklich real – und hat eigene Kräfte

Damit wird auch einer der größten (und zeitgleich enttäuschendsten) Twists der Staffel endgültig aufgelöst. Lange sieht es danach aus, als existiere Emaline lediglich in Carries Kopf, tatsächlich befindet sie sich nur nicht körperlich bei ihr.
Emaline besitzt selbst übernatürliche Fähigkeiten und kann sich astral projizieren. Deshalb konnte sie Carrie erscheinen, ohne für deren Mitschüler sichtbar zu sein. Nach dem Massaker taucht Emaline schließlich tatsächlich körperlich auf. Damit steht endgültig fest: Carrie hat sich ihre neue Freundin nicht eingebildet.
Problematisch ist allerdings, dass Emaline keineswegs nur die hilfsbereite Vertraute ist, als die Carrie sie kennengelernt hat. Ihr Eingreifen beim Abschlussball zeigt, dass auch sie zu extremer Gewalt bereit ist. Für eine mögliche zweite Staffel von „Carrie“ dürfte deshalb entscheidend werden, ob Carrie ihr wirklich vertrauen kann.
Margaret hat ebenfalls telekinetische Kräfte
Nach dem Abschlussball kehrt Carrie zu Margaret zurück. Für einen Moment scheint ihre Mutter ihr sogar Trost zu spenden. Doch während Carrie betet, versucht Margaret, ihre Tochter zu töten.
Carrie wehrt sich und bringt schließlich das Haus über ihnen zum Einsturz. Anders als in bisherigen Versionen der Geschichte überleben jedoch zunächst sowohl Carrie als auch Margaret.
Dabei folgt die nächste große Enthüllung: Auch Margaret besitzt telekinetische Kräfte. Sie schützt sich damit vor den Trümmern und bestätigt später, bereits als Kind entsprechende Fähigkeiten gehabt zu haben. Carries Kräfte sind damit offenbar kein unerklärliches Einzelphänomen, sondern wurden innerhalb ihrer Familie weitergegeben.
Carrie wird anschließend von Emaline gefunden und aus Chamberlain gebracht.
„Carrie“: Offene Fragen nach dem Staffel-1-Finale
Stirbt Margaret am Ende von „Carrie“ wirklich?

Während Carrie entkommt, spricht Margaret Besuch mit einer Frau, die zuvor bereits in Interviews mit Überlebenden des Massakers aufgetaucht ist: Adelaide.
Sie gehört zu einer mysteriösen Gruppe von Frauen mit übersinnlichen Fähigkeiten, die Carrie bereits seit längerer Zeit beobachtet. Adelaide erfährt von Margaret auch, dass Carrie gemeinsam mit Emaline verschwunden ist.
Anschließend tötet Adelaide Margaret mit ihren Kräften, indem sie ihren Körper beziehungsweise ihr Herz dazu bringt, aufzuhören zu schlagen. Ihre Gruppe plant, den Tod anschließend wie eine Folge der traumatischen Ereignisse aussehen zu lassen.
Anders als bei Rita lässt die Serie bei Margaret damit kaum Zweifel: Carries Mutter ist tot.
Wer sind Adelaide und die anderen Frauen?

Genau hier beginnt der Teil der Geschichte, den Stephen Kings Roman nicht mehr erzählen konnte. Adelaide gehört zu einer Gruppe von Menschen mit unterschiedlichen übersinnlichen Fähigkeiten. Unter anderem verfügt Caitlyn offenbar über die Fähigkeit, Gedanken wahrzunehmen.
Schon vor dem Abschlussball verfolgte die Gruppe Carries zunehmende Kräfte. Im Finale wird außerdem deutlich, dass sie auch Emaline schon länger kennt.
Die beiden Seiten scheinen sich regelrecht zu hassen. Emaline bezeichnet die Gruppe als gefährlich, während Adelaide wiederum vor Emaline warnt. Wer von beiden Seiten Carrie tatsächlich helfen will, bleibt vollkommen offen.
Sogar Sue könnte noch eine wichtige Rolle spielen. Adelaide versucht offenbar, ihre Erinnerung an die anderen übernatürlichen Personen beim Abschlussball zu beeinflussen. Die Szene lässt jedoch offen, ob das vollständig funktioniert hat.
Wohin fahren Carrie und Emaline am Ende?
Die letzte Szene liefert die wohl deutlichste Vorlage für Staffel 2: Carrie sitzt gemeinsam mit Emaline im Auto und lässt Chamberlain hinter sich.
Wohin die beiden fahren, verrät Emaline bewusst nicht. Der Grund dürfte die Gruppe um Adelaide sein. Weil dort Menschen mit telepathischen Fähigkeiten existieren, könnte bereits Carries Wissen über ihr Ziel ausreichen, um sie aufzuspüren.
Für Carrie beginnt damit erstmals ein Leben außerhalb der Kontrolle ihrer Mutter. Gleichzeitig könnte sie jedoch lediglich von einer gefährlichen Person zur nächsten geraten sein.
„Carrie“ Staffel 2: Ist die Fortsetzung bereits bestätigt?
Bisher hat Prime Video noch keine 2. Staffel von „Carrie“ bestatigt. Das ist kurz nach der Veröffentlichung von Staffel 1 aber kein Wunder, nun muss erstmal geprüft werden, ob die Serie ihr Publikum findet.
Dass das Finale trotzdem so viele neue Handlungsstränge eröffnet, ist kein Zufall. Mike Flanagan hat bereits vor dem Start erklärt, dass seine Wunschvorstellung deutlich über eine einzelne Staffel hinausgeht. Gegenüber Collider beschrieb er drei Staffeln als sein „Traumszenario“ und Carries Geschichte als eine Art Trilogie.
Während Staffel 1 im Wesentlichen die bekannte Geschichte aus Kings Roman erzählt und erweitert, könnte eine zweite Staffel deshalb weitgehend Neuland betreten. Carrie stirbt in der Romanvorlage und Stephen King hat ihre persönliche Geschichte später nicht mit einer direkten Fortsetzung weitergeführt.
Flanagan hätte für Staffel 2 also wesentlich mehr Freiheit. Sollte „Carrie“ Staffel 2 wirklich kommen, ist frühstens 2028 mit einer Veröffentlichung auf Prime Video zu rechnen.
Spielt „Carrie“ im „Shining“-Universum?
Das Finale deutet bereits an, wohin sich die Serie entwickeln könnte. Adelaide spricht davon, dass manche Menschen ein wenig „shine“ besitzen. Das erinnert sehr deutlich an die übersinnlichen Fähigkeiten aus Stephen Kings „The Shining“.
Flanagan selbst hat außerdem bestätigt, dass er Carrie innerhalb des größeren King-Kosmos sieht. Das ist besonders interessant, weil er gleichzeitig an einer Adaption von „Der Dunkle Turm“ arbeitet.
King selbst hat ebenfalls die Angewohnheit, in seinen Romanen Figuren oder zumindest Anspielungen aus seinen früheren Werken zurückzubringen, somit handelt Flanagan ganz in Kings Tradition.







