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Maybe she's born with it, maybe it's Emaline

„Carrie“ auf Prime Video: Diesen ärgerlichen Twist konnte jeder kommen sehen

„Carrie“ hat die Handlung des Stephen-King-Romans deutlich erweitert. Ein geplanter Twist geht aber nach hinten los.

Chris beugt sich zu Emaline und Carrie an einem Tisch. Im Hintergrund sitzen und stehen weitere Menschen.
Tatenlos sieht Emaline zu, wie Carrie von Chris gemobbt wird – aber wie könnte sie auch anders? Foto: Robert Falconer/Prime

Das Vorhaben klingt zunächst gewagt: Wie soll aus „Carrie“, einem mit knapp 300 Seiten recht kurzen Roman – besonders für Stephen-King-Verhältnisse –, eine auf mehrere Staffeln angelegte Serie gemacht werden?

Zugleich wurde mit Mike Flanagan der perfekte Showrunner für diese Serie gefunden, schließlich ist es bereits seine vierte King-Adaption – und selbst seine eigenen Serien wie „Midnight Mass“ erinnern stark an Kings Stil.

Staffel 1, die mittlerweile vollständig auf Prime Video zur Verfügung steht, behandelt bereits die komplette Handlung des Romans, nimmt dabei aber auch große Änderungen vor und erweitert die Geschichte, um die ursprünglich in den Siebzigern spielende Handlung glaubwürdig in die Gegenwart zu verfrachten.

Das funktioniert – über weite Strecken – sehr gut, auch wenn Carrie selbst durch den die komplette Highschool betreffenden Mobbing-Handlungsstrang teilweise ein wenig in den Hintergrund rückt. Allerdings ist es tatsächlich die Erzählung rund um Carries telekinetische Kräfte, die den größten Schwachpunkt der Serie enthält.

Die Emaline-Täuschung

Auch wenn Carrie zu Beginn ihrer Schulzeit vor allem Zeit mit Sue Snell und Chris Hargensen verbringt, findet sie in Emaline schon früh eine weitere Freundin. Anders als Sue, die Carrie vor allem verteidigen will, und Chris, die Carrie vor allem als Mobbingopfer auserkoren hat, ist Emaline wirklich an Carrie interessiert und unterstützt sie auch dabei, ihre telekinetischen Fähigkeiten zu erforschen.

In der letzten Szene der fünften Folge kommt dann aber die Enthüllung: Nur Carrie kann Emaline sehen. Sie ist nicht wirklich eine Schülerin an der Ewan Highschool.

Das Problem dabei: Diese Wendung wird einem als große Überraschung verkauft, aber einerseits wurde Emalines Unsichtbarkeit in den vorherigen Folgen kaum versteckt und andererseits wird dieser Twist in Serien und Filmen mittlerweile viel zu oft verwendet.

Der Twist, der fast nie klappt

„Fight Club“, „You“, „Dexter“, „Last Christmas“, „A Beautiful Mind“: Geschichten mit imaginären Figuren sind keine Seltenheit, doch gerade Serien scheitern oft an der geplanten Täuschung.

In Staffel 6 von „Dexter“ beispielsweise vermuteten viele Fans bereits zu Beginn der Staffel, dass eine Figur nur im Kopf des Antagonisten existiert. Diese Theorie machte in Onlineforen schnell die Runde und wurde mit jeder weiteren Folge stärker bestätigt. Leider wurde in der Serie viel zu viel Zeit darauf verwendet, diesen Twist vorzubereiten, und das Publikum war „Dexter“ die ganze Zeit zwei Schritte voraus.

„You“ hatte ein ähnliches Problem in Staffel 4, wobei die Folgen hier immerhin nur in zwei Blöcken und nicht wöchentlich erschienen. Dennoch: Film- und Serienfans haben mittlerweile oft einen Blick dafür entwickelt, ob eine Figur tatsächlich existiert und mit anderen Personen interagiert oder nicht.

Zur Verteidigung von „Carrie“ kann man sagen, dass Staffel 1 auf einen Schlag veröffentlicht wurde und der Twist immerhin schon in der Mitte der Staffel aufgelöst wurde. Zudem ist Emaline ja weder erfunden noch die Erinnerung an eine verstorbene Person, sondern eine andere Telepathin.

Erfahrene Serienfans dürften trotzdem schon bei Emalines erstem Auftritt an ihrer tatsächlichen Anwesenheit gezweifelt haben, und „Carrie“ hätte sich diesen kaum geglückten Versuch eines Twists ruhig sparen können.