Bill und Tom Kaulitz: So schlimm war ihre Kindheit in Loitsche – „War ein Gefängnis“
In Staffel 3 von „Kaulitz & Kaulitz“ blicken die Tokio-Hotel-Stars Bill und Tom Kaulitz auf ihre komplizierte Kindheit zurück. Für ein ganz besonderes Projekt besucht der Frontmann der Band in Folge fünf den Ort ihrer Jugend.

Ausgerechnet in seinem Heimatdorf Loitsche erfüllt sich Bill Kaulitz' absoluter Kindheitstraum: ein Vogue-Cover-Shooting – als erster deutscher Mann allein auf dem Titel! Er will seinem Team unbedingt zeigen, wo er herkommt. Ganz im Gegensatz dazu: Bruder Tom Kaulitz. Er ist bei diesem Ausflug nicht dabei und will seinem alten Zuhause keinen Besuch abstatten. Einblicke wie diese erwarten uns in der neuen Staffel ihrer beliebten Netflix-Serie.
Todesangst im Schulbus: Die Kindheit der Kaulitz-Brüder
Hinter der Fassade ihre Heimatdorfs Loitsche in Sachsen-Anhalt, ganz in der Nähe von Magdeburg, lauerte für die Zwillinge jahrelang der blanke Horror. „Im Schulbus war Krieg“, erinnert sich Bill an die tägliche Fahrt zur Schule, auf der sie von Rechtsradikalen bedroht wurden. Sätze wie „Wir schlagen euch zusammen und pissen auf euch drauf“ standen an der Tagesordnung. Tom gesteht, dass sie damals schreckliche Angst hatten, überhaupt zur Schule zu gehen. Es gab sogar Leute, die damals offen sagten: „Wir bringen die beiden um.“
Kürzlich hat Bill sich zudem getraut, offen über die queerfeindlichen Angriffe zu sprechen, die er in seiner Jugend erleben musste. Anstatt aus Angst still zu sein, wurden die Brüder schon damals nur noch lauter. Während Tom provokant mit „Nazis raus“-Shirts herumlief, trug Bill auffälliges Make-up und färbte sich die Haare bunt. Dennoch hatte Tom als Kind viele finstere Gedanken – unter anderem wurde ihm gedroht, seine Hände zu brechen, damit er nie wieder Gitarre spielen könne. In Folge 6 zieht er deshalb ein bitteres Fazit und vergleicht Loitsche mit einem Gefängnis. Die einzige Freiheit bestand damals darin, sich in die Bahn zu setzen und nach Magdeburg zu flüchten.
Sie musste immer mit Baseballschläger zum Bahnhof: Mutter Simone bricht in Tränen aus
Wie gefährlich der Alltag damals wirklich war, bestätigt auch ihre Mutter Simone Charlotte Trümper, während sie zwischendurch unter Tränen pausieren muss. Sie erklärt, dass sie in einer Ecke gewohnt hätten, in der unheimlich viele Rechtsradikale unterwegs gewesen seien. Da ihre Kinder „kunterbunt“ waren, wurden sie ständig angegriffen. Situationen, die der Mutter verständlicherweise große Angst machten. „Ich hab die Kinder, wenn es schon dunkel war, am S-Bahnhof mit Baseballschläger, Schreckschusspistole und dem Hund abholen müssen“, offenbart sie. Schließlich wusste sie nie, wer sonst noch aus dem Zug aussteigen würde. In dieser schweren Zeit war sie komplett auf sich allein gestellt. Der leibliche Vater von Bill und Tom war kaum präsent.

Ratten und geteiltes Badewasser: Das Leben im Kindheitshaus der Kaultz-Zwillinge
Auch die Wohnverhältnisse waren von ihrem heute so glamourösen Leben weit entfernt. Ihr Stiefvater Gordon bekam das damalige Wohnhaus für nur einen einzigen Euro vererbt – aus gutem Grund. „Das war ein Abrisshaus. Das war unbewohnbar, da hat es reingeregnet. Überall Kot von Tieren und Menschen“, beschreibt Tom den Zustand. Bill fügt hinzu, dass dort überall Ratten und andere Tiere hausten, sodass die Zwillinge mit gerade einmal acht oder neun Jahren selbst mit dem Spaten anpacken mussten, um den Dreck herauszuholen. Das Geld war in der Familie extrem knapp: Das Badewasser musste geteilt werden und eine einzige Packung Chips musste für einen ganzen Monat reichen. Nur zu besonderen Anlässen, wie einem guten Zeugnis, ging es mal zum Pizzaessen. Laut Tom musste die Familie mit dem absoluten Minimum klarkommen.
Trotzdem war es das genaue Gegenteil eines spießigen Elternhauses: „Dafür gab es sehr viel Liebe und keine Grenzen.“ Zu ihrem Stiefvater Gordon, der vermutlich heute noch mit einer neuen Frau in dem Haus wohnt, haben die beiden zwar keinen Kontakt mehr, dankbar sind sie ihm trotzdem. Er hängte den Jungs damals eine Gitarre ins Zimmer und erlaubte ihnen, darauf zu spielen. Für Bill der entscheidende Wendepunkt im Leben: „Das war der Start von allem. Ohne Gordon hätten wir nicht zur Band gefunden.“
Dass die Zwillinge diese düsteren Zeiten hinter sich gelassen haben und heute mit ihrer Band Tokio Hotel internationale Erfolge feiern, zeigt auch ihr neuester Meilenstein: Sie haben offiziell die 4. Staffel der ihrer Reality-Doku „Kaulitz & Kaulitz“ bestätigt.








